§. 71. Edelsteine, Perlen und verwandte merkwürdige Artikel. 241
Gewöhnlich nimmt man an, daß ein roher Stein durch das Schlei-fen die Hälfte seines Gewichtes verliert, daß dagegen sein Preis viermalerhöht wird. Manche der kostbarsten Steine (wie z. B. Koh-i-noor undDurra-i-noor) sind durch das Schleifen verdorben worden, und nament-lich sind die Indischen Steine meistens im Schnitt vernachlässigt, wennnicht verpfuscht.
Der Werth der Diamanten richtet sich nach der Größe und Rein-heit und steigt mit der zunehmenden Grüße in außerordentlichen Propor-tionen, indem der Preis des Karats mit dem Quadrat seines Gewichtesmultiplizirt zu werden pflegt. Gilt z. B. ein Karat 8 Lstr., so würde ein12 Karat wiegender 8 X 12 X 12 oder 1152 Lstr. kosten. GrößereDiamanten, d. h. über 12 bis 20 Karat wiegende, sind schon höchst selten,und nur sehr wenige kennt man, die ein 100 Karat übersteigendes Ge-wicht haben.
Die Kunst, diesen härtesten aller Edelsteine zu schneiden, wurde 1475von Ludwig Bergucm zu Brügge erfunden. Bis dahin hatte man nurungeschliffene Diamanten, in Deutschland Spitzstcinc genannt, getragen.Auch jetzt noch wird diese Kunst ausschließlich in Amsterdam ausgeübt.Doch erleichterte man sich die Arbeit des Schleifens durch die neuere Ent-deckung, daß sich diese Gattung von Steinen nach ihren Lagen spaltenläßt, und es giebt nur wenige Diamanten, die dies nicht zulassen. Manbenutzt hierzu Diamantenpulvcr von zerstoßenen geringen Diamanten oderschleift mit einem Diamanten den andern.
Die Fassung derselben besteht gewöhnlich aus Silber, um dem Stein
seinen eigenen Glanz so wenig als möglich zu benehmen.
Die größten bekannten Diamanten sind folgende:
1) der des Rajah Malan in Bornes. 300 Karat,
2) der des Großen Mogul Koh-i-noor. 279 -
3) der des Kaisers von Rußland (im Scepter).193 -
4) der gelbe deS Kaisers von Oesterreich.139 -
5) Der Regent (im Jahre 1702 von Th. Pitt an den
Regenten Duc d'Orleans für 300,000 Rthlr. ver-kauft) ...137 -
Alle diese Steine stammen aus Indien . Der größte bekannte Bra-silianische wiegt nur 120 Karat.
Die Rubinen sind fast von gleichem Werth als die Diamanten, jasehr schöne, über 3^ Karat schwere Orientalische Rubine werden oft höhergeschätzt als gleich schwere, namentlich farbige Diamanten. Der Rubinoder Korund besteht aus reiner Thonerde und hat eine gleiche Zusammen-setzung mit dem Sapphir und dem Orientalischen Topas, von denen er sichnur durch die Farbe unterscheidet. Auch Rubine von gelber und weißerFarbe kommen vor, jedoch nur selten. Ein Rubin von sehr dunkler Farbeheißt Karfunkel.
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