244 XXIU. Klaffe. Arbeiten in edlen Metallen.
Kaiser unser Koh-i-noor ist. — ein Name, der ven keinem alten Herkommen zusein scheint.
Daß der Stein der Moguls in die Herscherfamilie von Kabul gerieth, wird ein-stimmig von den Juwelieren von Delhi und Kabul versichert; ebenso, daß jener Steinein und derselbe mit dem Koh-i-noor sei.
Nadir Schah, der sich 1739 in den Besitz von Delhi setzte, nöthigte MahommedSchah, den Enkel der Aurcngzcb, alle Dinge von Werth an ihn zu überliefern, undes wird behauptet, daß es Nadir Schah war, welcher dem Steine den jetzigen Namen„Berg des Lichts " gab.
Zunächst besaß ihn Achmed Schah, der Gründer der Abdali-Dhnasrie von Kabul ,der ihn von Schah Rokh, dem jungen Sohn Nadir's, an sich gebracht hatte. Zuletztwurde der Stein am Arm des Schah Shuga, des Nachfolgers von Nadir, gesehen.Dieser wurde von Kabul vertrieben und befand sich unter dem Namen eines Gastesin der Gefangenschaft des Runjit Singh, welcher dem flüchtigen Monarchen keineRuhe gab, bis er endlich >813 den kostbaren Juwel für ein Gegengeschenk einesLakh von 25,000 Rupien (ungefähr 84,000 Thaler) an sich gebracht hatte. SchahShuga hingegen behauptet, daß Runjit ihm das Einkommen dreier Dörfer dafür ge-geben, von welchen er jedoch nie eine Rnpie realisirte.
Seitdem trug Runjit den Schmuck am Armband bei allen öffentlichen Gelegen-heiten. Auf seinem Todbette wurde ein Versuch gemacht, ihn zu bewegen, den Steindem Gotte Jaganath (gewöhnlich in Deutschland Juggernauth genannt) zu verehre».ES wird gesagt, daß er seine Beistiinmung durch eine Vernetzung des Kopfes gege-ben habe, daß aber der Schatzmeister sich geweigert, den Stein ohne ein mehr sprechen-des Dokument aufzugeben, und daß der Monarch gestorben, ehe ein solches zu erlan-gen gewesen.
Mehrere der nachfolgende» Herrscher genossen nun noch den Schatz. Nach derErmordung des Shir Singh blieb er unter den Kostbarkeiten von Lahore , bis derPanjub unter Dhulip Singh dem Englischen Indien einverleibt wurde, wobei dieEnglischen Autoritäten von den Schätzen in Lahore Besitz nahmen, nachdem vorherentschieden worden war, daß alles Staats-Eigenthum von Lahore der OstindischenKompanie für Schulden und KriegSunkosten verfallen sei. Zü gleicher Zeit wurdefestgestellt, daß der Koh-i-noor zu den Füßen der Königin von England gelegt wer-den sollte, demzufolge er von Bombay im April 1850 abgesendet und am 3. Julidesselben Jahres Ihrer Majestät übergeben wurde.
Dieser Juwel war in der Ausstellung in einem vergoldeten eisernen Käfig aufvier Tätlichen ruhend aufgestellt, unter welchem sich ein Meisterstück der Mechanikaus der berühmten Schloßfabrik des Herrn Chubb befand, vermittelst dessen der Juweljeden Abend versenkt wurde. Am Fuße liegt die Originalfassung des Koh-i-noor ingrünem Email, welche nach der Zeichnung eines indischen Künstlers verfertigt ist.
Man hat sich viele Mühe gegeben, den Glanz dieses Steines völlig zu entwickeln.Jede Art von Beleuchtung wurde versucht, ein Verschlag wurde darum gebaut undwieder weggerissen: — der Stein wollte keine Wirkung machen. Alles versuchteman, nur nicht das einzige Mittel: die unmittelbare Umgebung der früheren Fassung.Wohl mag dies Kleinod mehr Wirkung gemacht haben, als es noch, zierlich undreich gefaßt, eine Sonne, von vielen glänzenden Sternen umgeben, am Arme desRunjit Singh leuchtete.
Ourra-i-uoor. „Meer des Lichts".
Wir erwähnen hier noch diesen ähnlichen Schmuck, welcher einst der Gefährtedes Vorhergehenden gewesen sein soll. Er ist von sehr großem Werth und in seinerorientalischen Fassung von der Ostindischen Kompanie ausgestellt. Es ist ein großerTafelstein, von zehn anderen zwar kleineren, aber immer noch bedeutenden Diamantenumgeben, von welchen noch zwei kostbare Perlen herabhängen.