§. 71. Edelsteine, Perlen und verwandte merkwürdige Artikel. 243
sichtig, ist oft von großem Werth. Seine Farbe ist jedoch in Hitze oderFeuchtigkeit nicht beständig. Sein Hauptfnndort ist Schlesien. Er wirdmit Goldfolie gefaßt.
Spinell wird der blaßrothe Rubin genannt.
Der Topas , ein Stein von mehr oder minder dunkelgelber Farbe,findet sich häufig in Brasilien, in Böhmen, Sachsen und andern Ortenund hat, wie
der Amethyst, ein violett gefärbter Quarz, einen geringeren Werth,als die vorhergehenden Edelsteine.
Wir gehen nun zu den ausgestellten Edelsteinen über:
Kol>-i-uoor «.'der „Berg des Lichts ".
Der Gegenstand, welcher auf der ganzen Ausstellung unstreitig den höchsten ein-gebildeten Werth hatte, war der Diamant unter obigem Namen.
Die Herkunft dieses kostbaren Steines ist mit der Indischen Fabel in enger Ver-bindung. Mit Gewißheit kann man seine Geschichte erst seit dem Anfang des 14tenJahrhunderts beginnen und von da an verfolgen, wo er im Jahre 1306 in den Besitzdes Sultan Baber kam, der ihn in den Schatz von Delhi brachte.
Am meisten erfuhr man in Europa von diesem Juwel durch den unternehmendenReisenden I. B. Tavernicr, welcher, obgleich Edelmann, doch als Juwelier Indien in der Absicht bereiste, nm Diamanten zn kaufen. Er erlangte von Aurengzeb dieErlaubniß, die Juwelen des Schatzes zn sehen, anzufassen, ja sogar zn wiegen, undunter diesen war einer, der alle andern an Größe und Werth übertraf. Tavernierbeschreibt ihn als Rosette von der Form eines halbdnrchschnittenen Eies und dem Ge-wicht von beiläufig 280 Karat. Den Werth giebt er nach seiner eigenen Berechnungauf ohngefähr 3,200,000 Thaler an (11,723,278 Livres).
Dieses Gewicht und folglich auch dieser Werth hat sich nicht bestätigt gefunden.Das gegenwärtige Gewicht beträgt 186 Karat, wonach der Werth auf etwas mehrals zwei Millionen Thaler (276,768 Psd. St.) anzuschlagen wäre.
Tavernier erzählt ferner, daß dieser Stein viel größer gewesen (er giebt ihn auf787 Karat an, während gewöhnlich die Hälfte des rohen Diamants als Gewicht desgeschliffenen angenommen wird), als Schach Jeha» ihn den: Vcnetianischen Stein-schneider Hortensio Borgio anvertraut habe, welcher ihn aber dermaßen verschnitt,daß der Kaiser ihm nicht allein alle» Lohn für den Schnitt versagte, sonder» ihnauch um 10,000 Rupien strafte, d. i. nm Alles, was Borgio besaß. Lassen wir allesdies dahingestellt sei», da eine ganz ähnliche Anekdote von einem andern Juwel er-zählt wird — gewiß scheint es zu sein, daß Tavernier diesen Stein im Schatz desgroßen Mogul sah.
Aus Sultan Babcr'S') Autobiographie wissen wir:
„Die Familie des Bikermajit und die Häupter seines Stammes waren zu dieserZeit (1526) in Ngra. Bei Hnmayuns Ankunft wollten sie entfliehen, wurden abervon denen, die sie beobachteten, ausgehalten und als Gefangene zurückgebracht. Hu-mayun erlaubte nicht, daß sie geplündert wurden, wofür sie ihm freiwillig ein pesck-kasli- (Geschenk oder Tribut s?j) verehrten, welches aus einer Menge von Edelsteinenbestand. Darunter war auch ein berühmter Diamant, welcher früher deni SultanAla-ad-din gehört hatte. Dieser ist von solchem Werthe, daß ein Kenner von Dia-manten ihn dem halben täglichen Unterhalt der ganzen Welt gleichschätzte. Er istungefähr 8 Mischkall an Gewicht. Bei meiner Ankunft bot mir Hnmahun denJuwel als pcsclikaskl und ich gab ihm denselben als ein Geschenk zurück." ^)
Es bleibt nun noch zu beweisen, daß der Stein im Schatz der mongolischen
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