§. 71. Edelsteine, Perle» und verwandte merkwürdige Artikel. 245
Der blaue Diamant.
Eigenthum des Parlament-Mitgliedes Th. Hope. Gehört zu den seltenstenund zugleich zu den schönsten Edelsteinen der Ausstellung.
Derselbe ist als Medaillon, von Brillanten umgeben, verwendet. Rücksichtlichder Farbe und des Gewichts (177 Grains oder 44^ Karat) wird er für einzig inseiner Art gehalten. Er mißt ^ bis ^ Englische Zoll bei bedeutender Dicke und istin Gold gefaßt. Seine Farbe ist die des schönsten Sapphirs. Feuer und Glanz sindüber alle Beschreibung, und obgleich ganz reine farblose Diamanten gewöhnlich denhöchsten Preis erlangen, so wird doch der Werth dieses Steines der oben erwähntenVortrcfflichkeiten halber noch größer geschätzt, als der gleichgroßen farblosen Steine.
Die Herren Hunt undRoSkell haben die Sammlung des verstorbenen HenryPhilipp Hope ESq. ausgestellt. Sie ist das Vollkommenste und Reichste, was mander Art sehen kann, ebenso durch die Mannigfaltigkeit der seltensten Steine, als auchdurch eine Menge von beinahe 200 Diamanten und Brillanten von allen Farben,welche an diesen Edelsteinen vorkommen.
Zu den Seltenheiten darunter gehört ein Diamant von ovaler Form, in dessenflacher Seile das Bildniß von Leopold II. geschnitten ist, welchem der Stein frühergehörte. Der Schnitt ist in allen Theilen hoch polirt, welches unsägliche Schwierig-keiten gemacht habe» muß, denn der Künstler konnte sich hier nicht, wie bei demFacette,lsch,litt, durch das Auflegen großer Lasten helfe», und seine Instrumente mußtenunaufhörlich brechen oder stumpf werden, so daß nur die größte Ausdauer den Siegdavon tragen konnte.
Ein anderer seltsam geformter Diamant ist der, dessen Hauptseite aus sechs großenFacetten besteht, welche in der Mitte zusammentreffen und einen Stern bilden. Erzeigt außerdem einige Spuren von Dendriten, welche, wie man glaubt, aus einergleichen Substanz, wie der Diamant selbst, aber im unkrystallisirten Zustande,bestehen.
Noch eine andere Kuriosität ist endlich das Bildniß Ludwigs XVI. in Relief auskleinen, in Rosetten geschliffene» Diamanten zusammengesetzt, die trotz ihrer geringenGröße — einige find so klein, daß 2000 auf einen Karat gehen — einen sehr regel-mäßigen Schliff zeigen. Der Kunstfertigkeit, womit diese kleinen Steine so zusam-mengesetzt sind, daß man kaum die Fassung gewahrt, und daß sie im Ganzen einPortrait darstelle», kann man seine Bewunderung nicht versagen.
Unter den gleichzeitig ausgestellten Sapphiren machen wir auf einen von ovalerForm aufmerksam, der in sich eine Mischung von Sapphir und Rubin zu enthaltenscheint und von violetter Farbe ist. Er schließt im Innern eine Anzahl kleiner, mitFlüssigkeit gefüllter Höhlen ein, und ist als Ring gefaßt.
Ein anderer Sapphir von länglicher Form, auf beiden Seiten stufcnartig ge-schliffen, vereint die Farben des Sapphirs und des Orientalischen Topas. Eigenthüm-lich ist hierbei, daß die Farbe» nicht wie gewöhnlich mit einander vermischt sind,sondern daß die eine Seite den Sapphir, die andere den Topas zeigt. Diese Zusam-mensetzung beweist deutlich die Verwandtschaft dieser zwei Gattungen von Edelsteinen.
Auch unter den ausgestellten Rubinen finden sich kostbare Eremplare.
Ein Ring zeigt eine noch merkwürdigere Mischung verschiedener Steine. Erenthält nämlich einen Spinell in ovaler Form von einer grünlich blauen Farbe, gleichder des SapphirS. Diese zwei Gattungen sind in einem und demselben Steine so engverbunden, daß selbst der beste Kenner nicht entscheiden kann, ob ihm ein Rubin-Spinell oder ein Sapphir vorliege.
Unter den Smaragden, Opalen, Orientalischen Topasen, kann man gleichfallsdie vollkommensten Eremplare sehen. Unter den Aquamarinen bemerkten wir einen,der durch Größe und Schönheit der Farbe einzig in seiner Art ist. Doch es würde