§. 73. Kameen, Jntaglios in Stein und Muscheln, Glaspasten. 253
zu verfertigen, die zwei verschiedenfarbige Lagen haben. Die Fabrikationderselben wird meistens in Rom betrieben und bildet, da sie vielen Beifallgefunden, einen besonderen Industrie- und Handelszweig. Doch sindderartige Kunstwerke sehr vergänglich, und man muß daher bedauern, daßoft selbst gute Künstler so großen Fleiß auf diese Arbeit verwenden. DieBerfahrungswcise bei der Bearbeitung dieser Art von Kameen (Jntagliokommt hierbei nicht vor) ist übrigens von der eigentlichen Steinschncide-kunst ganz abweichend und gleicht mehr der Behandlung von Gegenstän-den, die in Metall oder Holz geschnitten werden.
Schon zu den Zeiten der Alten hat man versucht, die echten Ka-meen, die oft als die Werke der größten Künstler einzig in ihrer Art wa-ren, durch Kopien in Glasmasse zu vervielfältigen. Man nennt dieseNachahmungen Pasten, und dieselben werden auch jetzt noch hier undda mit Erfolg verfertigt. Das Verfahren ist in der Hauptsache solgcu-deS: Reiner Bergkrystall wird mit reinem Alkali gcfrittet und dann mitBleiwciß geschmolzen. Die geschmolzene Masse gießt man in ein Gefäßmit Wasser, schmilzt noch zweimal, einmal mit Borar und zuletzt unterZusatz von M des Gewichts der Masse an Salpeter. Zur Färbung derso erhaltenen Glasmasse wendet man dieselben Materialien an, die mangebraucht, um dem Glase überhaupt eine gewünschte Farbe zu geben,worauf wir weiter unten zurückkommen werden.
Zu den kostbarsten, aber nicht jetzt erzeugten Werken in der Klaffe der Kameengehört der von General Mauley ausgestellte Jupiterkopf in der Römischen Abtheilung.
Rom hat sich immer im Schnitt von Kameen in pietrs ünra (Stein) undteuero (Muscheln) ausgezeichnet. Auf dieser Ausstellung findet sich aber nur eineKamee in pietra ckur»: der Jupiter Fulminatvr von Saulini in Rom .
Für die Muschel» haben diesem Künstler die gewöhnlichen Vorbilder des Ca-nova, Thorwaldsen, Gibson und Anderer gedient, denen er noch den Moses am feu-rigen Busch nach Raphael hinzugefügt hat.
Wie es zugegangen, daß von den zahllosen und oft sehr geschickten Stein- undMuschelschneider», welche in Rom lebe», allein Saulini ausgestellt hat, ist nichterklärt worden; und es ist namentlich aufgefallen, daß durch Arbeiten von Werthbekannte geschickte Künstler, wie Castellini ic. aus der Ausstellung gefehlt haben.
Felir Dafrigue (Paris ) hat mehrere Kameen auf Armbändern und Brochenausgestellt. Wir glauben in denselben Römische Produkte zu erkennen.
N. Julin (Lüttich ) hat einige gute Kameen eingesendet.
P. Petersen (Kopenhagen ) hat vier Kameen in Muscheln, nach Thorwaldsengeschnitten, geliefert, welche werth wären, durch ein dauerhafteres Material erhaltenzu werden.
N. Cvnradsen (Kopenhagen ) lieferte ebenfalls einige gelungene Arbeiten die-ser Art.
5. Holland.
I. M. Dionisy (Roermond ). Dieses Haus hat verschiedene Kamee» ausge-stellt, von welchen eine mit der Figur der Königin Victoria .