Band 
Dritter und letzter Theil.
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§. 88. Gemaltes und verziertes Tafelglas.

Glasmalerei aus dem mehr geistigen Gesichtspunkte, dann müssen wir freilich zuge-stehen, daß sie bald »ach ihrer höchsten Blüthe im 16. Jahrhundert ihre» Charakterdes Architektonischen und Ornamentalen, welcher durch ihr Verhältniß zur Baukunstbedungen war, verloren hatte. Namentlich im 18. Jahrhundert war cS, daß manin England und auch in anderen Ländern die falsche Anficht hegte, die alte Glas-malerei sei durch die Anwendung des Mnsivischen nur unvollkommen, und man müssedaher aus möglichst großen Glastaseln mehr nach rein malerischen Gesetzen in sichselber vollendete Werke der Malerei zu Stande bringen.

Auf kleine Gegenstände, namentlich die sogenannte KabinetSmalerei, waren zwardiese Grundsätze anwendbar, niemals lassen sich dieselben aber anf Gegenstände vongrößeren Dimensionen, wie Kirchenfenster w. anwenden.

Mit dem Aufgebe» des Mnsivischen verschwand die Pracht und die volle Durch-scheinenheit der Farben, welche doch von einem Fenster gefordert werde» muß, undindem man die dargestellten Gegenstände nicht mehr mit den auch in der Fernewahrzunehmenden Metallkonture» umsäumte, welche zuerst aus Eisen, zuweilen auchaus Kupfer, später aus den zu Nürnberg erfundenen gezogenen Bleistreiscn bestanden,schienen die gemalten Gegenstände in einander zu verschwimmen.

Jenes ausgegebene Prinzip, welchem die Glasmalerei allein den erhebenden Eindruck auf das Gemüth, dessen sie in so hohem Grade fähig ist, verdankt, hat manin neuester Zeit wieder aufgesucht und namentlich ist es abermals Bayer», welchesdiese Kunst zum zweitenmal? geschaffen.

Nur in so weit die Glasmalerei den durch die Baukunst bedungenen Charakterdes Architektonischen und Ornamentalen befolgt, und den ihr so.unerläßlichen Ein-klang mit dem Style und der Anordnung der Räumlichkeit herzustellen sucht, insoweitsie ferner zugleich der technischen Anforderung von Fenstern genügt, und deshalb diemusivisch verbnndenen in der Masse gefärbten oder überfangenen, stark durchschei-nenden Gläser beibehält, gehört dieselbe mehr in unser Gebiet. Die KabinetsGlasmalerei dagegen, deren wichtigerer Theil zwar immer wegen der schwierigenHandhabung des Materials, der technische bleiben wird, weil hier nur der Umfangund die Wichtigkeit der technischen Erfahrungen den Meister macht, betrachtet dieGlasmalerei aber mehr nur als Malerei, indem sie das Transparente des Glasesblos als ein Hülfsmittel zur Hervorbringung größerer Effekte benutzt und schließtsich daher mehr der Freskomalerei, der Malerei in Oel oder anderen Substanzen an.

Die zur Befestigung der Gläser dienenden sogenannten Mindesten, aus Band-eisen nach den Bleikontnrcn gebogen, wie sie jetzt verbreiteter angewendet werden,gewähren den Vortheil vor den geradlinigen, daß die so oft störenden Schatten vondenselben nicht mehr auf die Zeichnungen geworfen werden.

Außer den Glasmalereien mit eingebrannten Farben hat man deren auch mitLack- und Oelfarbe», welche aber natürlich nicht die Dauerhaftigkeit, wie erstere,besitzen. Znm Behufe der Darstellung von Ncbelbildcrn, Phantasmagoricen :c. genügtjedoch die Anwendung von durchsichtigen Lackfarben.

Durch Abziehen von Kupferstichen können dieselben aus ähnliche Weise, wie aufPapiermachee, Holz, Blech, Steingut, Porzellan re. auch anf Glas gebracht werden,und bedient man sich statt der Kupferdruckerschwärze der verschiedenen Metalloryve,so würde, man diese Kupferdrucke, wie bei Porzellan und Steingut, einbrenne», jaselbst Buntdruck, wie solcher jetzt häufig beim Fayence angewendet wird, nach der-selben Methode auf Glas hervorbringen können.

Wenigstens erwähnt sollen hier die Photographien auf Glas werden, welcheman dadurch hervorbringt, daß die Glastafeln vorher mit Hansenblasenauflösnngoder Kollodium präparirt werden, ehe man sie weiter mit den Jod- und Silberanf-lösnngen w. behandelt.

Das Monffelinglas (knainollest ZVmclow lllas»), Tafelglas mit durchsichtigen