§. 88. Gemaltes und verziertes Tafelglas. 335
Auf gleiche Weise hatte man statt des Sprengglascs gröblich gestoßene farbige GlaS-stückcheu angewendet.
Zu dem verzierte» Taselglase der Klasse XXIV. sind thcilweise auch nicht-lickt-transmittircnde Gläser gerechnet worden, die aus solchem Grunde nicht zu Fensternoder dergl., sondern zu Mauer- unv Deckcnbekleiduugen, zu Fußböden, Tischplatten,Firme», Wandgemälden, Wappenschildern ic. verwendet werden. Auf diese Art hatteman verschiedene Holzarten, dann Marmore, Granite, Porphyre, Achate, Malachit, Lapis-Lazuli und andere Gesteine imitirt, und geschah dieses meist durch Aufmalen auf derRückseite des Glases mittelst Lackfarben oder auch durch Aufstreuen von gepulvertenFarben, Gyps-, Glimmer- und anderen Gesteinstückchcn, Goldblättchen, weißem undfarbigem Sprengglase ie., welche Materialien mittelst Gummi- oder Harzanflösung aufder Glasplatte befestigt und häufig noch mit Kieselkalk-Ecment überzogen Ware». Ebensohat man einfarbige und kolorirte Kupferstiche, gepreßtes Goldpapier, Seidenstoffe >c.unter dem Glase angebracht, und theils Felder au Schränken und anderen Tischler-arbeiten damit ausgefüllt, theils Glasrahmen und andere Glasleistenstücke davon gefertigt.
Auf ähnliche Weise stellte man auch Mosaik-Fußböden aus Tafelglas dar, sowieMosaiken an Kamineinfassnngen, Tischplatten, Pfeiler», dann Säulen, Thür- undKlingelgriffe und andere Hohlglasgegenständc, welche, um ihnen Haltbarkeit zu ge-ben, mit Kicsclkalk-Cementmasse gefüttert worden, und wozu man sich in viele» Fälle»auch des Alaungypses bedienen könnle. Manche dieser zu den Mosaiken verwendetenGlasplättchen waren auch vergoldet.
Die Vergoldung solcher größeren und kleineren Glastafcln, matt und glänzendwird durch Auflegen und Befestige» von Blattgold mittelst einer alkoholhaltigenAuflösung von Hausenblase bewerkstelligt. Silber- und andere Metallblättchen befe-stigt man nach gleicher Weise auf Glasplatten, wie denn auch die Buchstaben zuFirmen, Annoncen u. s. w. auf den Verglasungen der Kaufläden, oder auf besondershierzu verwendeten Glastafeln in derselben Weise angefertigt werden. Sollen dieMetallflächen schraffirt oder schattirt sein, so wird diese Schraffirung, wenn die Kon-turen der Zeichnung oder der Buchstaben auf der Glastafel entworfen worden, mitschwarzer Lackfarbe auf das Glas aufgemalt und dann erst die Hansenblasenauflösuiigaufgetragen. Zu Firmen über den Kaufläden oder sonst an Gebäude» wird abermeist Gußspiegelglas verwendet, in welches zuweilen die Konturen der Buchstabenmit verschiedenen Schraffirunge» und Verzierungen geätzt worden, wornach dann dieseausgeätzten Stellen nach dem Auflegen der Goldblättchen matt erscheinen, die nichtgeätzten Theile der Buchstaben aber die metallgläuzcnde Politur behalten. Mitunterwerde» die Buchstaben auch mit verschiedenen Farben eingefaßt und ebenso der Hin-tergrund farbig bemalt, wozu mau sich gleichfalls nur der Lack- oder Oelfarben bedient.
Hierher dürften auch die Spiegel zu rechnen sein, welche vor dem Belegen mitBlumengewinden, Arabesken und andere» ein- und mehrfarbigen Verzierungen bemalt, und dann erst aus die gewöhnliche Weise mit Queckfilberamalgam belegt wer-den. Man hat in England auch die alte Mode des Einschleifens und Einätzensvon Verzierungen in Spiegel wieder hervorgesucht, welches Einschleifen und Ein-ätzen ebenfalls vor dem Belegen der Gläser Statt findet und die eingeschliffenenFiguren nach dem Belegen dann wie erhaben erscheinen läßt. Zu wirklichen Spie-geln, wie auch zur Ausfüllung von Schrankfeldern, Tischplatten u. s. w. werden dieseverzierten Spiegelgläser verwendet, sowie auch zu kleineren Gegenständen, als Schlüs-selschilden, Brachen, letztere beiden auch mit Metallblättchen belegt oder mit Lackfar-ben auf der Rückseite bemalt.
Eine ganz neue Erfindung ist die der damaSeirten Spiegel von O. Reinsch inNürnberg , sowie die der optischen Mosaiken, bei welchen auf weißen und gemalten undmattgeschliffenen Glasscheiben durch Unterlegen von zerknitterter weißer Folie der wo-gende Lichtschein der Perlmutter erzeugt wird. Hyalophaniecn nennt Herr Reinsch