Z 52 XXIV. Klaffe. Glaswaaren.
obenan. Zwei kolossale vergoldete Vasen in Rubinüberfang zeichneten sich durch dasGleichförmige des feurigen RolbS ebenso sehr aus, als durch das Künstliche undSchwierige ihrer Fabrikation. Bezüglich des Schliffs und der Gravirung war durchzwei blaue Basen Ausgezeichnetes geleistet. Blaue und weiße Ueberfangvasen, Pe-tinet- und retikulirte Gläser geben Zeugniß von dem hohen Standpunkt der Fabri-kation, welchen die Fabrik seit längerer Zeit schon einnimmt.
Durch Schönheit des Glases, wie der Form, des Schliffs und der Dekorationzeichneten sich auch die ausgestellten Fabrikate von I. Vogelfang Söhne zuFrankfurt a. M. und von P. A. Tacchi'S Nachfolger daselbst aus. Bezüglichdes Schleifen« und GravirenS, sowie einer eigenthümlichen Feuerpolitur, verdienendie Arbeiten von M. Finsch in Warmbrunn alle« Lob, welcher theil« nacheigenen, theils nach Modellen und Zeichnungen des Herrn Regierungsrathes vonMinutvli arbeitete- Dar Glas selbst wurde auf der Gräsl. SchaffgottschschenHütte zu SchreiberShau und der Hütte zu Hoffnungsthal gefertigt.
Schon früher, im ersten Abschnitte, ist auch der Hvhlgläser gedacht worden,welche auf der Gräflich Solmssche» Glashütte zu Baruth , im RegierungsbezirkePotsdam , verfertigt werden; sie verdienen, wen» sie auch keinen Anspruch auf denNamen von Feinglas oder Krystall machen, wegen der schönen Bearbeitung undihrer außerordentlichen Wohlseilheit alle Beachtung.
Eines Kunstwerks mag hier noch gedacht werden, obgleich dasselbe als solchesnicht in dieser Klasse besprochen wurde, nämlich der ausgezeichneten Gravirarbeitvon Aug. Böhm in Hamburg , die Alerandcrschlacht gegen DariuS darstellend,welche in einem Pokal au« Böhmischem Glase geschnitten ist. Derselbe Gegenstandwurde gleichfalls auf einem Pokal aus Böhmischem Glase schon früher von Bö hmausgeführt und befindet sich dieser Pokal gegenwärtig in dem Besitz des Herr» ApSleYPellattzu London , dessen Glaswaarenmagazin er schmückt. Den Preis des ersterenPokals giebt Bö hm auf 3400 Mark Hamburger Kourant an.
Glasbläserarbeiten, imitirte Perlen, Glaspasten und dergl. sendeten an« denZollvereins-Staaten:
F. H. Huts chenreuther Söhne zu Wallendorf im Herzogthum Sachsen-Meittingcn, sowie Joh. Romiuger zu Stuttgart, Marti» Krause zu Berlin ,Kielmann zu Posen und von Minutvli z» Liegnitz , I. F. Nehm zu Reutlin-gen, Joh. Wagner zu Mainz , welche Arbeite» zwar gleichfalls andern Klaffen derJury zucrtheilt wurde», aber dennoch in dem ausführlichere» Bericht werden be-sprochen werden.
4. Holland.
P. Rcgout von Mästricht hatte ein Tafelserviee aus Bleiglas von guter Arbeitausgestellt, ferner große Kandelaber, mit vergoldeter Bronze montirt, wie auch Glas-röhren, welche alles Lob verdienen.
C. Brodier zu Brüssel , I. B. CapellemauS der ältere daselbst, LouisZottde und Comp. zu Namur, Dierkr zu Antwerpen hatten reiche Ausstellungenvon Belgischen Krystallgläsern gemacht, welche bezüglich der Feinheit und Weißedes Glases zwar den Englischen nachstehen, dagegen auch viel wohlfeiler find. DieVersuche, farbige Hvhlgläser zu erzeugen, scheinen in Belgien noch nicht in der Weisegelungen zn sein, als es bei den Tafelgläsern der Fall ist.
6. Oesterreich.
Oesterreich, namentlich Böhmen , welches so lange Zeit die Suprematie über dieGlasfabrikation behauptete, finden wir auch jetzt noch immer bezüglich seiner Kreide-gläser, seines farbige» Glases rc. obenan stehen, obgleich das weiße Krystallglasdurch das Bleiglas der Engländer und Franzose» theilweise verdrängt wurde und