Band 
Dritter und letzter Theil.
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8. 96. Britisches Reich. 367

Porzellan, auch dem Aeußern nach, i» Beziehung auf Härte der Masse, Klang,Gleichförmigkeit der Glasur, dünner Ausarbeitung, als gutgeluugene Fabrikate zubezeichnen.

2. Biscuit-Porzella», sogenanntes Paria». In der Einleitung sind die Eigen-schaften dieser Masse, ein kicsclcrdercichereS und weniger Fluß enthaltendes EnglischesPorzellan, angegeben worden. Die daraus dargestellten BiSeuitstatuetten und Ver-zierungen haben einen angenehme» weichen Ton und sind der Beschmntzung durchStaub ic. weniger ausgesetzt, als die in dieser Beziehung sehr empfindlichen weißenBiscuit-Figuren aus ächtem Porzellan. Außerdem ist die Masse des Parian beiweitem plastischer, und daher leichter zn bearbeite».

Die von H. M in ton und Comp. ausgestellten Paria»-Statuetten (einzelneFiguren und Gruppen) zeigen sorgfältige künstlerische Behandlung und find zu»,Theil auf eigene Veranlassung des Fabrikanten ausgearbeitete Original-Darstellun-gen ausgezeichneter Künstler, zum Theil Kopien berühmter Meisterwerke (Ariadnevon Dannecker, Cervantes Dorothea von Bell ic.). Diese Kunstprodukte, in Eng-land täglich beliebter, werde» in großer Zahl zur Verzierung der Wohnungen ver-wendet, sie finde» namentlich einen sehr geeigneten Platz als Ausschmückung der inDeutschland wenig bekannten Kamingesimse. 2» dem starke» Absatz solcher LuruS-artikel giebt sich, wie bei so vielen Andern, der für höhere Entwickelung aller In-dustriezweige so äußerst günstige Einfluß des in England aufgehäuften, über zahl-reiche Klaffen der Bevölkerung sich erstreckenden Reichthums zn erkennen. Der reich-liche Absatz im Jnlande gestattet es dem Fabrikanten, mit Anwendung der größtenpekuniären Anstrengungen, stets dem herrschenden Geschmack« zu folgen. Ein Bei-spiel, wie rasch anerkannte Bildhanerarbeiten durch Parian-Statuetten in verkleiner-tem Maßstabe vervielfältigt werden, ist daraus zn ersehen, daß bereits die beliebtestenKunstgegenstätlde der Ausstellung in Parian ausgeführt sind. Besonders gelungenist in dieser Beziehung die Kopie der Griechische» Sklavin nach dem Nordamerika-nischen Künstler Hiram Powers . Ohne Abbildungen ist es schwierig, die speziellenLeistungen klar zur Anschauung zu bringe», es wird daher genügen, im Allgemeinendie Vorzüglichkeit der Arbeit anzuerkennen. Von besonders angenehmer Wirkungsind einige ausgestellte Parian-Statuetten mit einfachen Goldzeichnungen am Saumeder Gewänder, Arm- und Halsbänder, wodurch sich die gelblich weiße Milchfarbedes BiSeuitS Vortheilhaft hervorhebt. Außerdem ist eine schöne, obschon nicht neuzu nennende, sondern häufig in ähnlicher Weise bei ächtem Porzellan übliche An-wendung der Biscuit-Statuetten in Verbindung niit reichverziertem glasirten Porzellan zu Tafelaufsätzen, Blumen- und Frnchtvasen zu erwähnen. Ein in dieserWeise reich verziertes Tafel-Service von sehr geschmackvoller Komposition und Zeich-nung hat besonders die höchste Auszeichnung erlangt. Getadelt wurde nur an denFiguren, daß sie zn viele stark hervorspringende Theile enthalten, welche dem Zer-brechen zu leicht ausgesetzt sind.

Die Parian-Masse wird ferner verarbeitet zu Basen, meist mit Haut-oder Bas-relief-Figuren. Eine schöne Vase dieser Art zeigt Zagdscenen in sehr lebhafter Dar-stellung. Dieselbe Vase ist zugleich in schöner, hellgelber Terra-Cotta mit sehr ge-nauen Umrissen ausgeführt. Einige Parian-Vasen sind aus vorgezeichneten Ver-tiefungen vergoldet, und durch einzelne i» Farben emailirte Theile verziert. Vasenam Fuße und an dem oberen Theile glasirt und gemalt, in der Mitte mit einermehr oder weniger breiten Stelle von Biseuit-Parian und darin ausgeführten Bas-relief-Figuren sind von angenehmer Wirkung.

Eine besondere Gattung der Anwendung des Parian ist die zu Krügen undBechern mit erhabenen Verzierungen von Laubgewinden, Blumen, Früchten und Fi-guren, entweder ganz weiß, oder an Leu flacheren, znm Theil zur Darstellung von