Band 
Dritter und letzter Theil.
Seite
376
JPEG-Download
 

376

XXV. Klasse. Gebrannte Waaren.

Darstellung der haltbarsten Sorte von Entwässerungsröhren (Drain pipes) von großerBedeutung geworden, welche gegenwärtig sehr allgemein in Großbritannien zur Ver-besserung nassen Ackerbodens und Trockenlegung von Sümpfen verwendet werden.In der Fabrik der Herren S. Grce» und Comp., welche mit der größten Bereitwillig-keit den Besuchern gezeigt wird, arbeiten mehrere Maschinen von verschiedener Kon-struktion zum Pressen solcher Thonröhren; senkrecht stehende Cylinder, unten amBode» mit einer ringförmigen, der Wandung der Röhre entsprechenden Oessnnng.Die diese Oessnnng nach innen begrenzende runde Scheibe ist im Cylinder auf der»ach oben gekehrten Seite durch einen Bügel in ihrer Stellung befestigt. DiePressung des Thons geschieht entweder durch bewegliche Kolben, welche vermittelsteiner gezahnten Stange bewegt werden, oder zweckmäßiger in den sogenannten ununterbrochen arbeitenden Maschinen durch Vorrichtung einer Art von Schrauben-gangs an einer senkrechten, durch den Cylinder gehenden Welle, an weicher in geeig-neten Abständen, von unten nach oben und kreisförmig vertheilt, horizontale Arme(»ach der Breite schief gestellte, außerdem mit senkrecht stehenden, auf- und abwärtsgerichteten, mefferartigen Spitzen versehenen Schaufeln) angebracht sind, ganz nachArt der ähnlich konstruirten, längst bekannten Thonmühlen. Obschon die Entwässe-rungsröhre» zugleich in andern Klassen, nämlich der IX. und XXVII., werdenerwähnt werden, so konnte die Darstellung derselbe», insbesondere aus Stcinzcug,welche so wesentlich einen vermehrten Verbrauch dieser wichtigen Sorte von Thon-waaren bedingt, auch an dieser Stelle nicht ganz mit Stillschweigen Übergängenwerden.

I. Bourne zu Derby hat dauerhafte Steinzeugstaschen zur Aufbewahrungvon säurehaltigen Substanzen eingesendet, welche in großen Quantitäten zum Erportsolcher Waaren nach entfernten Ländern (Ostindien w.) verwendet werden.

Zum Schlüsse wird noch eines technisch wichtigen Zweiges der Thonvcrarbeitnngzu gedenken sei», nämlich der Verfertigung von Thon- und Graphittiegeln zumGebrauch in chemischen Laboratorien, in Münzstätten und zu metallurgischen Zwecken(vergl. Band I. S. 797).

Die aus Cornwall in der Nähe von Truro stammenden, nach Art der Groß-Almcroder erst in neuerer Zeit angefertigten Thontiegel scheinen gut gearbeitet undhaltbar zu sein; ebenso sind die ausgestellten Graphittiegel von den Engländern alsgut gerühmt worden. Man ersteht hieraus, wie in England konsequent nach allenRichtungen auch bei anscheinend geringfügigen! Gegenständen die Unabhängigkeitvon ausländischen Bezugsquellen angestrebt und kein Theil der Industrie als ent-behrlich erachtet wird, indem man sehr wohl erkennt, wie die eine Fabrikation dieandere unterstützt und deren Förderung bedingt.

Nach Beschreibung der zur Ausstellung eingesendeten Gegenstände wird eS nocham Platze sein, einige statistische Angaben über den Umfang der Britischen Thon-waaren-Industrie beizufügen.

Der Gesammtwerth der jährlich in Großbritannien erzeugten Thonwaaren wird,nach Mac Culloch, auf 2,500,000 bis 2,000.000 Lstr. geschätzt, wovon allein 1,700,000bis 1,800,000 Lstr. auf den Töpferei-Distrikt im nordwestlichen Theile von Staf-fvrdshire kommen, während die übrigen Theile Englands, Worcester , Derby undLondon, von dieser Summe nur für 800,000 Lstr. produziren. In Schottland ist dieThonwaaren-Jndustrie nicht bedeutend; Irland ist dagegen gar nicht zu nennen.Der Gesammtwerth der Englischen Ausfuhr von Thonwaaren wird für das Jahr1845 zu 828,084 Lstr. angegeben, während im vorigen Jahrhundert bis zur letztenHälfte, vor den durch Wedgwood in der Fabrikation veranlaßten Verbesserungen,eine bedeutende Einfuhr aus Frankreich und Holland stattgefunden hatte.

In Staffordshirr war schon vor mehreren Jahrhunderten die Thonwaaren-Fa-brikation von einiger Bedeutung; die über den Steinkohlenformationen daselbst vor-