§. 97. Zollverein.
381
ner in Beziehung auf Farben, sowohl Grund (Scharfscner-) als Email-Farbenund Malerei, ebenso allgemein daS verdiente Lob erhalten. In Biscuit waren meh-rere gut ausgeführte Statuetten und Lithophamen ausgestellt. Ei» Kamelienstockmit weißen Biscuit-Blumen und mit glasirte» Blättern auf einer Unterlage vonDraht gebildet, hat die Bewunderung des Publikums besonders hervorgerufen, obschon i» technischer Beziehung solchen Erzeugnissen weniger Werth beigelegt werden kann. Die nachträglich eingesendeten Gegenstände des allgemeineren Verkehrszeichnen sich vorzugsweise durch wohlfeile Preise aus. Die Meißener Fabrik bcschästigt gegenwärtig noch an 300—400 Arbeiter und Künstler.
Die dritte Königl. Porzellan-Fabrik u» Zollverein , die Fabrik zu Nymphe»bürg, bei München , hat gegenwärtig mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen,da dieselbe als StaatSanstalt aufgegeben und in Privathändc übergehen soll; siearbeitet dermalen noch mit etwa 50 Arbeitern. Die eingesendeten Gegenstände zeigendie Einwirkungen der Münchener Kunstschule durch Darstellung altdeutscher Formen,namentlich altdeutscher Becher, Humpen und Krüge. Wie die ausgebildete Kunstrichtung der nahen Hauptstadt Bayerns nicht anders erwarten läßt, «o sind dieseFormen sowohl als die Malerei aus Vasen und Servicen, ebenso die Statuetten ausBiscuit w. künstlerisch gut ausgeführt, namentlich ist zu erwähne» eine Reihe vonGenre-Bildern aus der Fabel des Reinecke Fuchs, ferner Landschaften und ein grö-ßeres Tableau (Venus und Endymion).
Aus dem Zollverein sind ferner noch Gegenstände aus ächtem Porzellan ein-gesendet worden, von:
Karl Tielsch und Comp., zu Altwasser bei Waldenburg in Schlesien, Ta-fel- und Kaffee-Service, Fruchtschalen, Punschbowlen und Vasen; die Masse undGlasur gut und rein weiß. die Verzierung in Malerei und Vergoldung sehr verdienstlich; Preise billig.
F. E. Henneberg und Comp., zu Gotha , schöne, reichverzierte Gegenstände,Vasen mit erhabener Blumen-Dckoration und schöner Malerei, Präsentirteller miteinem wohlgelungenen Tableau (die Fischer-Familie nach Riedl), Statuetten in Bis-cnit. Es ist zu bedauern, daß nicht mehr Gegenstände eingesendet wurden, die weni-gen Stücke konnten in den unermeßlichen, mit den Schätzen aller Welt ausgestattetenAusstellungsräumen nur wenig sich bemcrklich machen.
C. E. und F. Arnoldi, zu Elgcrsburg, Nbrauchschalen, Tiegel und anderechemische und pharmaceutische Gefäße und Geräthc, Mörser, Kapseln ic., nach demUrtheil von'Sachverständigen für den Gebrauch in Apotheken empfehlenswerth (vergl.Bd. I. Seite 798). Dieselben Fabrikanten haben zugleich Gefäße (Destillirkolbenmit Vorlage ic.) und Röhren aus gemeinen! Steinzeug ausgestellt, von anscheinendguter Beschaffenheit. Nach gedruckten Angaben der Fabrikanten sollen die Röhrenaus Porphyrmasse geschmolzen sein, was wohl so zu verstehen ist, daß dem angewen-deten plastischen Thone zur Bildung der gesichteten Steinzeugmaffe ein Flußzusatzvon feldspathrcichem Porphyr beigefügt und die Masse demnach dem Porzellannäher gebracht worden ist.
Mehrere andere, bedeutende Deutsche Porzellan-Fabriken von Privaten, wieSchumann zu Berlin u. A., habe» leider nichts zur Ausstellung eingeliefert.
In den übrigen Zweigen der Thonwaaren-Fabrikation hat sich vor allen dieEinsendung der Fabrikanten V illeroy und Boch, zu Wallerfange» bei Saarlouis und Metlach bei Merzig , überhaupt gegen 900 Arbeiter beschäftigend, ausgezeichnet.Die feinen Steinzeugwaaren dieser Fabrikanten sind unübertroffen in ihren mannig-faltigen geschmackvollen Formen zu den verschiedenartigsten Zwecken. Blumenvasen,Blumentöpfe, Konsolen und Hängevascn, Krüge, Becher, Humpen, Leuchterstöcke,Schreibzeuge, Briefbeschwerer, Schmuckschalen, Butterdosen, Theebüchsen, Theeservice,Kompotschalen, Eierbecher, Tabaksdose», Fidibusbecher, gewundene durchbrochene Körb-