Band 
Dritter und letzter Theil.
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§. 99. Frankreich .

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8. 9!).

F r a n k r e i ch.

Frankreich nimmt eine hervorragende Stelle i» der Berichterstattung ein.

Bor allen gebührt der Staats-Porzellanfabrik zu Sövres der erste Platz.Diese Fabrik, wenn man sie überhaupt so nennen kann, behauptet durchaus denCharakter einer durch den Staat jährlich mit namhafte» Summen (öfters bis zu200,000 FrcS. und mehr) unterstützten Musteranstalt, welche die eminentesten Künst-lertalcnte beschäftigt und außerdem durch Ausführung der schwierigsten Aufgaben nndVersuche, sowie durch chemische Analysen der Rohmaterialien, der Farbestoffe zurPorzellanmalerei den entschiedensten Cinflnß auf höhere Entwicklung der Thonwaaren-Fabrikalion überhaupt ausübt. Ein einmaliger Besuch z» Sövres, wo man stetsder bereitwilligsten Aufnahme gewiß ist, wird Jede» sogleich überzeugen, daß daselbstfür den eigentlichen Handelsverkehr wenig gearbeitet wird. Die mit den kunstvoll-ste» Arbeiten reich verzierten Borrathssäle der Anstalt, sowie ein mit der Anstalt inBerbindnng stehendes Museum der Thonwaaren aller Länder und aller Zeiten, giebtuns auf den ersten Blick die Mnsterschulc zu erkennen. 2» dieser Beziehung mußdaher ein anderer Maßstab bei Beurtheilung der Anstalt zu Sövres im Vergleichmit Privatunternehmungen oder auch andern Staatsfabriken, welchen die Erzielungeiner reine» Rente auferlegt ist, zur Anwendung kommen.

Das zu Sövres dargestellte ächte Porzellan ist von vorzüglichster Qualmt, ähn-lich dem zu Berlin, Meißen w., von schöner weißer Farbe sowohl des BiScuits alsder glafirte» Waare. Die Masse wird in verschiedenen Verhältnissen zusammenge-setzt, aus geschlämmtem Kaolin (Porzellanthon) von den reichen Fundstätten bei Li-moges und feinstem Fcldspathsand von denselben Lagern, durch Abschlämmen desThons und Trennung der gröber» Stücke gewonnen. Entweder werden Kaolin undFeldspathsand ;n gleiche» Theilen gemengt oder der erstere überwiegt in Quantität,wenn derselbe an nnd für sich weniger fett ist nnd daher nur geringern »»plastischenZusatz verträgt. Als Flußzusatz wird außer dem Feldspathsande meistens etwasKreide angewendet, bis zu 7 Prozent (nach Verflüchtigung der Kohlensäure — 4 Pro-zent Kalk). Die Zusammensetzung der Masse wird für verschiedene Waarenklassenverschieden abgeändert; sie ist eine andere für Geschirr (Tassen, Teller), eine anderefür große Gegenstände, für Vasen, Platten oder für Porzellan-Statuetten.

Die sorgfältigste Behandlung der Masse geht der Verarbeitung voraus. DerKaolinthon, welcher bereits an Ort und Stelle auf das Feinste geschlämmt worden,wird nochmals einer Schlämmung in der Fabrikanstalt unterworfen. Der Feld-spathsand und der Kreideznsatz werden zu dem feinsten Schlamme gemahlen. DieMengung dieser Bestandtheile geschieht nach genau ermittelten Prinzipien und untersteter Koutrole der chemischen Analyse. Die Abscheidung des überflüssige» Wassersdurch eine Art Filtrirnng in Kasten mit absorbirendem Gypsboden, die Durcharbei-tung der bis zur erforderlichen Konsistenz cingetrockneten Masse durch Kneten w.,längere Aufbewahrung derselben an feuchten Orten wird zu SövreS, wie bei denübrigen Porzellanfabrikcn, mit besonderer Aufmerksamkeit betrieben, um eine mög-lichst gleichförmige Masse zu erzielen, wovon das Gelingen der Fabrikation größten-thcils abhängt.

Unter den von SevreS zur Industrieausstellung eingeschickten Gegenständen ver-diente eine ebene Platte von ungewöhnlichen Dimensionen, 4^ Fuß hoch, 3^ Fußbreit, die ausgezeichnetste Beachtung. Die äußerst schwierige Darstellung solcher gro-ll!. 25