Band 
Dritter und letzter Theil.
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§. 104. Britisches Reich.

Grafschaft Warwick stand und 1842 gefällt ward, so daß bis zum Material herabdie vollendetste Harmonie und Einheit in diesem vorzugsweise historischen Kunstwerkesteh kund gab. Der Styl der Ornamente war natürlich der dem Zeitalter der Kö-nigin Elisabeth eigenthümliche (Englische Renaissance), in welchen sich überhaupt dieEnglischen Architekten am meisten eingelebt haben, während ihnen die Französischeund Italienische Renaissance ei» fremderes Gebiet geblieben ist. Die Skulpturenbezogen sich aus die Geschichte jener Königin, insbesondere auf ihren Besuch inKenilworth beim Grafen von Lciccster im Jahre lö75. Die mittlere Füllung indem Tischanfsatz, aus massivem Eichenholz geschnitzt, stellte den pomphaften Einzugver Königin dar. In den Seitcnfeldcrn zwischen den Pilaster», welche den Tischtrugen, waren die Secnc» dargestellt, wie Elisabeth der Nmp Robsart, heimlich ver-mählt mit dem Grafen von Leieester, in dem Park von Kenilworth begegnet, sowiedie hierauf folgende Zusammenkunft zwischen Letzterem und der Königin. Die Eckender vier Pilaster nahmen die Statuetten von Phil. Sidney, Walther Raleigh,Shakspeare und Franz Dracke ein, welche berühmte Männer zur Zeit der KöniginElisabeth lebte». Dieses Busset gehörte nebst dem von Jackson und Graham zuden schönsten und geschmackvollste» Arbeiten, welche die Englische Möbel-Abtheilungauswies. Dennoch blieb manches daran auszusetzen, so z. B. die überaus steife Haltung der vier Bären, welche die obere» Aufsätze trugen; die Rücksichten auf Hera!dische Treue (die Bären gehören zum Wappen der Carls von Warwick) können dieunpassende Placirung nicht entschuldigen. Ferner ließ die Feinheit der Holzschnitzereietwas zu wünschen übrig; auch war zu einigen Theilen ein etwas fehlerhaftes Holzverwandt.

Ein Büffet von Jackson und Graham, in London , verdient demnächst be-sonders hervorgehoben zu werden. Wie das Warwick Büffet bestand es aus Engli-scher Eiche, und war ebenso in Englischer Renaissance (jedoch mehr dem Cinguecento-styl annähernd) gehalten, wiewohl in architektonischer Beziehung weit von jenem ab-weichend. Es war mit einem hohen Aufsatz versehe», von zwei Paar Pfeiler» ge-tragen, die zugleich die Rahmen einer mächtigen Spiegelwand bildeten. Die Eckender Pilaster, welche den Tisch trugen, waren mit allegorischen Figuren, Jagd, Fisch-fang, Acker- und Weinbau darstellend, verziert, und die Felder zwischen den Figurenmit entsprechenden Basreliefs gefüllt. An der ganzen Arbeit war insbesondere nochdas hervorzuheben, was man bei dem Kenilworth Büffet einigermaßen vermißte,nämlich die hohe Vollendung in der Ausführung und namentlich die Feinheit undKorrektheit der Holzskulptnr. Dabei fand durchaus keine Ueberladung mit Orna-menten statt, vielmehr zeichnete sich das Möbel durch seine Einfachheit gerade in derEnglischen Abtheilung höchst Vortheilhaft aus. Von den übrige» Leistungen diesesHauses heben wir noch insbesondere einen niedrigen Bibliothekschrank von Nußbaumholz mit Spiegelaufsatz hervor, als äußerst geschmackvoll gebaut und vorzüglich ge-arbeitet; ferner einige sehr kunstvoll geschnitzte und vergoldete Lehnstühlc.

Ein Nnßbaum-Büffet von H. Hoyles, aus der Sheffielder Zeichnenschule,vermögen wir nicht ganz so hervorzuheben, als dies von Seiten der Jury durch Er-theilung der Preismedaille geschehe» ist. Es hat diese Auszeichnung wohl haupt-sächlich dem Streben gegolten, dem klassischen Styl, in dem die Arbeiten gehaltenwaren, in England mehr Eingang zu verschaffen. Die Ausführung, sowohl was dieeigentliche Schreinerarbeit als die Holzschnitzerei betrifft, war meisterhaft, auch vieleEinzelheiten sehr schön gezeichnet, allein dies konnte die Steifheit und Geschmack-losigkeit seiner Architektur keineswegs übersehen lassen.

Ein Sideboard von Caldccott in London ist rühmlichst zn erwähnen. Das-selbe bestand aus Englischer Eiche und war sehr korrekt im Elisabethstyl gehalten,dabei in der Ornamentik höchst einfach und von sehr reiner, vollendeter Ausführung.Außerdem verdient ein achteckiger Tisch ans Amboynaholz der Erwähnung.