Band 
Dritter und letzter Theil.
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8- 107. Frankreich . 419

höchst vollendeter Ausführung war ei» Bett von Mercier aus Paris , das zumPreise von 80V Ares . sehr billig erschien. Die zwei letzterwähnten Arbeiten reprä-sentirten sehr gut den neuen Pariser Renaissancestil!. Die Verwendung von Poli-sander für Schlafzimmer-Attieubleinento scheint in Paris neuerdings sehr in Auf-nahme zu kommen; leider widersteht dieses schöne Holz den Einflüssen der Zeit undder Witterung zu wenig, indem wenigstens seine Oberfläche bald das Ansehen verliert.

Die Sekretaire, Bücherschränke, Kommoden und ähnliche Möbel bil-deten einen der glänzendsten Theile der Französischen Abtheilung und war hierin ver-hältnismäßig die größte Zahl von Meisterwerken von wahrhaft künstlerischem Werthausgestellt. Wie die Bnffets, womit die Konstruktion der Bibliotheken oder Sekre-taire häufig ziemlich nahe übereinkommt, bieten diese Möbel aber auch eine» sehrweiten Spielraum dar, um den Geschmack des Koinpositeurs wie die Kunst desSknlpteurs und des Möbeltischlers recht zur Schau zu stelle». Der Renaiffancestylin seinen verschiedenen Abzweigungen findet hier ein besonders dankbares Feld;Uebergänge in die Stiche Ludwigs XIV., XV. und Roccoco kommen wohl in deneinzelnen Ornamenten, seltener aber in der Grundidee vor.

Wir erwähnen hier zuerst des zur Seite des FonrdiuoiS'schcn Busset« aus-gestellten großen Bibliothekschrankes mit Konsolen von Barbedienne und Comp.in Paris . Derselbe war von Mr. Clesinger gezeichnet und in Ebenholz ausge-führt, dessen tiefes Schwarz mit den prachtvollen Einbänden der hinter den Glas-thüren sichtbare» Bücher und den reichen Bronzeeinlagen sehr schön kontrastirte. ImCentrum zwischen den Hauptbücherbehältern befand sich eine Etagere zum Aufbe-wahren von goldenen und silbernen Geräthen, Krystallsachen u. s. w. Was indeß,außer per meisterhaften Zeichnung und Ausführung, der ganze» Arbeit den Kunst-werth verlieh, welcher die Verleihung der großen Verdienstmedaille rechtfertigte, wa-ren die in den Thüre» und Füllungen eingelegten Bronzetafeln niit den prachtvoll-sten Reliefdarstellungen nach Meisterwerken von Ghiberti und Michelange. Die Ed-theilung der großen Medaille kommt außerdem auch auf Rechnung der zu Klaffe XXII.gehörigen Kunstgnßarbeiten in Bronze und des neue» Verfahrens aus mechanischemWege Skulpturen in verkleinertem Maßstabe nachzubilden.

Die dritte große Verdienstmedaille, die auf die Französische Möbelabtheilungfiel, erhielt, und sicherlich mit vollem Rechte, M. I. Liönard, der erste Möbel-zeichner und -Kompofiteur von Paris , ja vielleicht der erste unter allen jetzt lebendenKünstler» dieses Faches. Viele der bedeutendsten Pariser Fabrikanten führen ihrereichsten Möbel nach den Zeichnungen oder Angaben von Liönard aus, und gebührtdemselben ein hohes Verdienst um die künstlerische Ausbildung der heutigen Pariser Möbelindustrie. Das Verdienst Liöuards ist um so größer, als er auf Wiederherstel-lung eines reinen, edlen Geschmacks hinarbeitet und die Pariser Schicke von denVerirrnngen zu reinigen sucht, womit der Renaiffancestyl in seinem Durchgang durchdie Zeitalter Ludwigs XIV., XV. und XVI. verunziert worden war. Von Seitendes Künstlers selbst waren verhältnißmaßig nur wenige Proben seines Talentes undseiner Kunstfertigkeit eingesandt worden, worunter eigentlich nur ein prachtvoll ge-schnitztes Uhrgehäuse von Nußbaum in das Möbelfach gehört, während die übrigenArbeite», z. B. die Thürreliefs, als Werke der Holzsknlptur nur von rein künstleri-schem Standpunkte aus beurtheilt werden können. Der erwähnte Uhrkastc» zeigte inHantrelief eine Eberjagd, unübertrefflich in Schönheit der Zeichnung und Reinheitder Skulptur.

Der bereits rühmlichst erwähnte Fabrikant Ringuet-Leprince führte ineinem 8 Fuß hohen 4 Fuß breiten Medaillen-Kabinet von Ebenholz, im Innernvon Birnbaum, eines der schönste» Werke von Liönard vor. Dasselbe war im Eli-sabethstyl gehalten. Den schönsten Theil des Möbels bildeten unstreitig die beidenweiblichen Statuette», welche in Nischen in der Mitte der beiden Hauptthüren ange-

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