Band 
Dritter und letzter Theil.
Seite
462
JPEG-Download
 

462 XXVIII. Klaffe. Arbeite» aus Thier- und Pflanzciistoffe».

Weise».') Gbenso ward es nöthig, Gegenstände auS anderen Klassen inden Bereich der Beurtheilung zu ziehe», weil sie sonst vielleicht übersehenworden wären. Dcmungcachtct steht doch zu befürchten, daß Gegenstände,die eigentlich der Klasse XXVIII. zugehorten, weil sie entweder unter denGegenständen anderer Klassen standen, oder im Kataloge nicht aufgezeichnetwaren, trotz aller Bemühungen mögen übersehen worden sein, umsomchr,als nicht wenige Gegenstände erst nachdem, bereits die Jury über die Aus-zeichnungen sich berathen hatte, eingesandt und daher keiner Beurtheilungunterzogen worden sind.

') Dies ist mit den aus Fcdcrharz gefertigten maiiiügfacheii Artikeln iniserer-seits geschehen. Dieselben sind bereits in Klaffe XX. Band II. Seite 686 abgehan-delt wurden.

Abschnitt I.

Arbeiten aus Sulla Percha.§. 123.

Die Substanz, welche man Gntta Pcrcha (ausgesprochen Pertscha) nennt, be-steht, gleich dem Kantschnrk, ans Kohlenstoff »nd Wasserstoff, ohne Sauerstoff zu ent-halten, »»d ist mit diese!» isomerisch, auch hat sie eine große Zahl von Eigenschaftenmit demselben gemein. Sie unterscheidet sich aber dennoch oon letzteren, durch Eigenthüinlichkciten, vermöge welcher dieselbe in gewissen Fällen angewendet werden kann, i»welchen daS Kantschuck unbrauchbar ist. Gntta Pcrcha widersteht nämlich weit mehrals Federharz der Einwirknng chemischer Agentien; sie steht, hinsichtlich ihrer Kon-sistenz, in der Mitte zwischen Leder und Holz; sie wird durch Hitze erweicht, nimmtaber nach den. Abkühle» ihre ursprüngliche Beschaffenheit wieder an. Dadurch istsie im Stande, die zartesten Eindrücke anzunehmen und dauernd zn behalten.

Während man die Gewächse, welche Kantschuck liefern, in der ganzen heißenZone zwischen den Wendekreisen antrifft, ist die Eananüra llntta, zn der Ordnungder Sapoteen gehörend, der einzige Baum, von welchem Gntta Percha gewonnenwird. Er wächst an den Küsten der Meerenge von Malakka, Borneo und der naheliegenden Länder. Bisher hat man Gntta Pcrcha fast ausschließlich ans Sincaporeerhalle». Anfänglich wurde diese Substanz als eine Kuriosität unter dem NamenMazer Wood nach England gebracht, später kam dieselbe aus Ehina und ander»Ländern Asiens unter dem Namen von Kantschuck, zu elastischen Reitpeitsche» undStöcken verarbeitet, in jenes Land. Im Jahre 1843 beschäftigten sich Dr. Al-ineida und W, Montgoinery') mit diesem merkwürdigen Materials, sie zeigtendie Art und Weise, wie es die Malahen verarbeiten. Die Ostindische Kompaniestellte von den Eingebvrnen jener Länder, in denen die Isonmulra Kult, wächst, a»SGntta Percha gearbeitete Vasen aus, welche bewiesen, daß die Europäische Industriewenig mehr thun könne, als das Verfahren der letzter» nachzuahmen.

Die Einfuhr der Gntta Percha nach England betrug 1845 nur 20,600 Pfund,aber schon 1848 hatte sich dieselbe auf 3,000,000 Pfund vermehrt; in den letztendrei Jahren hat die Einfuhr so bedeutend zugenommen, daß die Befürchtnug aufge-stiegen ist, es könne dahin kommen, daß die Zufuhr den Bedarf zu decken nicht imStande sein möchte. Es ist allerdings begründet, daß Gntta Percha während des