464 XXVIIl Klasse. Arbeiten aus Thier- und Pslanzenstoffen.
Jahre hat man die mannigfaltigste Anwendung von diesem Materiale gemacht, wieeine interessante Ausstellung der Londoner Gntta Percha-Kompanie bewies. Eineder ersten und die hauptsächlichste Benutzung der Gntta Percha war die statt desLeders zu Treibriemen. Man hat aber hierbei einige Uebelstände beobachtet; solltesich aber auch deshalb der Gebrauch z» diesem Behufe vermindern, so werden dochtäglich neue Anwendungen aufgefunden.
Da Gntta Percha von Wasser nicht zerstört wird und ein schlechter Leiter derElektrizität ist, so hat man dieselbe angewendet, um die Metalldrähte der elektrischenTelegraphen damit zu überziehen. Man hat daher mit Erfolg bei dem unterseeischenTelegraphen davon Gebrauch gemacht, welcher London und Paris verbindet. (Ver-gleiche Bd. I. Seite 820, wo von den elektrischen Telegraphen die Rede ist.) Auch^zu den Drnckwalzen der Streckeylinder an den Feinspinnmaschinen für die Flachs-spinnerei ist Gntta Percha in neuester Zeit angewendet worden, da sie dem stetenEinfluß des warmen Wassers gut widersteht.
Man kann sich denken, wie viel verschiedene Formen einer Substanz gegebenwerden könne», die bei der Temperatur des kochenden Wassers weich, aber nichtklebrig wird, und bei der gewöhnlichen Temperatur die Elastizität und Beschaffenheitdes LederS wieder annimmt. Man hat dieselbe daher zu Eimern aller Art vcrarbcitet, da sie leicht, unzerstörbar und fähig sind, bei geringer Erwärmung durch Druckin eine andere Form gebracht z» werden, wenn sie verbogen worden sind. Besondersznr Fabrikation von Artikeln, die man auf See gebraucht, scheint die Gntta Perchasich nützlich zu erweisen, da sie dem Wasser und besonders dem Seewaffer widersteht.Boyen aller Art für Anker, Netze, sowie Matrosenhüte, Sprachröhre hat man dar-aus gemacht. Ebenso wird diese Substanz auch bei der Fertigung wasserdichterKleidungsstücke und Rettungsböte unzweifelhaft von großem Nutzen sei».
Gleichwie die Verbindung des Kautschucks mit Leder sich Vortheilhaft erwiesenhat, so ist auch zu erwarten, daß die Verbindung der Gntta Percha mit Holz, wovonFörster eine Probe in der Ausstellung zeigte, in gewissen Fällen von besondern:Nutzen sein kaun.
Die plastischen Eigenschaften unseres Materials hat man zum Dekoriren be-nutzt. Alle Arten von Möbeln, welche durch Holzschnitzerei so sehr vertheilen wer-den, könne» durch gepreßte Gntta Percha wohlfeil hergestellt werden. Schreibtische, Arbeitskörbe u. a. m. könne» in Gntta Percha gearbeitet werden, siezeichnen sich sowohl Lurch Wohlseilheit, als durch Eleganz der Form nnd Haltbar-keit aus. I» den Fabriken, welche Gntta Percha verarbeiten, werden täglich eineMenge von geformten Artikeln, von Friesen, Panelcn gefertigt, welche die Dekora-teure zusammensetzen und vergolden, wozu Gntta Percha sich ganz besonders eignet,und zur Verfertigung von Bilderrahmen (vergl. Seite 40l) und Mobelverzicrunge»benutzt. Dadurch werden die Holzschnitzereien, die so kostbar sind, und die zerbrechli-chen Arbeiten von Pamiermachö oder Pappe ersetzt. In Puppenköpfen hat mangleichfalls Gntta Percha angewendet; sie werden zweitheilig in Formen gepreßt, zu-sammengesetzt nnd gelöthct. Die Ausstellung von Thon, und Comp., ferner dieder Gntta Percha-Kompanie, zeugen von der vielseitigen Anwendbarkeit dieser Sub-stanz für derartige Zwecke. Selbst Bronzeartikcl sind sehr glücklich in Gntta Perchawiedergegeben worden und die Schärfe der Ecken nnd Reinheit der Formen mache»es erklärlich, wie diese Substanz zn galvanoplastischen Formen, wie es möglich ge-worden ist, daß Gntta Percha mit glücklichem Erfolge zur Fertigung von Stereotyp-platten statt Metall angewendet werden konnte.
Ganz kürzlich *) jst ks Trnman gelungen, aus einem Stücke gefärbter GnttaPercha das Zahnfleisch nachzubilden, in welchem künstliche Zähne befestigt werdenkönnen, wodurch eine Befestigung mittelst Gold, die so kostbar ist nnd durch dieSteifheit viele Unbequemlichkeit verursacht, erspart wird. Die geringe, aber doch