Band 
Dritter und letzter Theil.
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486 XXIX. Klasse. Verschiedene Fabrikate und kurze Waaren.

hierdurch der häufigen Verstopfung des Dochtes während der Verbrennung durch dieschwer Verzehrbaren fremden stickstoffhaltigen Substanzen vorgebeugt wird.

Weniger glücklich ist man in der Bemühung gewesen, das Schnuppen der Talg-kerze zu vermeiden. Ein Leuchter, auf dem eine eigentliche Talgkerze brennt, hatimmer noch die Lichtputze als unzertrennliche Gefährtin. Die Anwendung des zopf -artig geflochtenen Dochtes, dessen Anfertigung, wie wir weiter unten scheu werden,erst der Ausbildung der Stearinkerze folgte, ist bei dem Talglichte, ohne besondereVorrichtung, nicht möglich. Der sich abwärts krümmende und außerhalb der Flammeschnell verglimmende Docht bringt ein solches Fließen des Talges zuwege, daß mandenselben schützen mußte, wie dies in der Palm ersehen Kerzenlampe (Palme,'sllaneile lang,) geschehen ist. ') In dieser Vorrichtung liegt die Kerze in einer ver-tikale», sich oberhalb bis zu einer kleinen Oeffnnng verengenden Blechhülse und wirdin denl Maße, als sie oben abbrennt, von unten durch eine Spiralfeder nachgeschoben.

Die nächste Verbesserung der Talgkerzen war eine Verminderung der Schmelz-barkeit des LeuchtmaterialS. Hier boten die Erfahrungen Chevrenl's neue Mit-tel an die Hand. Die Beobachtung, daß sich sämmtliche Talgarte» in ein festeskrystallinisches Fett (Stearin »nd Margarin ) »nd eine ölige Flüssigkeit (Olöin)trennen lassen, konnte nicht lange ungenutzt bleiben. Man suche« anfangs durchAnwendung von Lösmigsmiltcln, später durch Pressen bei verschiedenen Temperaturendas leichtflüssige Olöin zu entfernen und ein festeres Fett von höherem Schmelz-punkte zu gewinne». Der gewöhnliche Talg schmilzt zwischen 37 und 40 Grad, derSchmelzpunkt des Stearins liegt bei 62 Grad. Gelang es also nur einigermaßenbeträchtliche Mengen Olöin aus dem Talge zu entfernen, so war damit einem gro-ßen Uebelstande abgeholfen. Wirklich hat man vielfach Kerze» von so gereinigtemTalge fabrizirt. 2) Es waren dies ganz eigentlich Stearinkerzen, denn den Kerze»,welche man gegenwärtig so nennt, kommt dieser Name von Rechtswegen nicht z».Allein der großartigen industriellen Ausbeutung dieses Prinzips haben sich Schwie-rigkeiten entgegengestellt, welche nicht überwunden worden sind. Nicht daß diese Hin-dernisse ausdauernde» Versuchen unübcrstciglich gewesen sein würden; allein die ge-nauere Erforschung des Verseisnngsprozesses und die Abscheidnng der festen Säurenaus den Fetten lenkte diese Bemühungen schnell in eine neue Bah». Die Darstel-lung der bei 70 Grad schmelzenden Stearinsäure aus dem Stearin, dessen Schmelz-punkt bei 62 Grad liegt, und der Margarinsänrc mit einem Schmelzpunkte von60 Grad aus dem bei 47 Grad schmelzenden Margarin, während die Oelsänrc aller-dings flüssig blieb, wie das zugehörige Olöin, versprach diesen Bestrebungen eineleichtere Verwirklichung. In der That ergab sich, daß die Trennung der festen Fett-säuren von der flüssigen Oelsänrc ohne große Schwierigkeiten bewerkstelligt werdenkann, und somit war der Uebcrgang der Talgkcrze znr Stearinsäurekerze gegeben.

Die Fabrikation der Talgkerzcn ist ein höchst ausgedehntes Gewerbe. Lautöffentlichen Dokumente» bestes sich die Anzahl der Lichterzieher in Großbritannien im Jahre 1830 auf nahe 2700 (2605), aus deren Geschäftsbetriebe dem Staate eineJahresrente von 500,048 Lstr. 14 Sch. 1 Penny erwuchs. Trotz der steten Fort-entwickelung der Gasbeleuchtung, welche in England eine Ausdehnung gewonnenhat, von der man auf dem Kontinente nur eine schwache Ahnung hat, und trotz derschnellen Entfaltung der Stearinsäure-Industrie, hat sich bei der Zunahme der Be-völkerung diese Zahl kaum vermindert. Was diese Industrie auf dem Kontinenteund namentlich in Deutschland zu bedeuten hat, braucht kaum angeführt zu werden.Nichtsdestoweniger war dieser ausgedehnte GcwerbSzweig auf der Industrieausstellungkaum vertreten. Gezogene Talgkerzen waren von Niemand eingesendet worden. Wasgegossene anbelangt, so hatte von nichtbritischen Staaten nur Oesterreich eine kleineQuantität ordinärer Lichter ausgestellt. Britischer Seits hatten die Kolonien Neu-