Band 
Dritter und letzter Theil.
Seite
488
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488 XXIX. Klasse. Verschiedene Fabrikate und kurze Waaren.

Verbrauch von Talg in Großbritannien während der letzten lO Jahre:

Jahr.

Centner.

Jahr.

Centner.

184t

1,241,278

1846

1,183,834

1842

1,030,g«0

1847

1,069,301

1843

1,174,045

1848

1,406,725

1844

1,081,038

1849

1,412,484

1845

1,191,896

1850

1,219,101

Talgeinfuhr während des Jahres 1850.

Rußland.

803,697 Centn.

60,278 Lstr.

StaatSrevenüe

Brit. Kolonien, Australien .

. 179,567

752 „

Vereinigte Staaten .

. 32,523 „

2,439 „

Südamerika .

. 184,321 „

13,824 „

Von anderen Orten . . . .

. 18,093 „

977

„

Summe. .

1,219,101 Centn.

78,270 Lstr.

StaatSrevenüe

K. 131.

Stearilijarirekerzeli.

Mit diesem Namen wollen wir die aus abgeschiedener Fettsäure dargestelltenKerzen bezeichnen, im Gegensatze zu den aus gepreßtem Talg (Stearin) gefertigtenStearinkerzen, obwohl die industrielle Sprache beide Arten unter letzterem Namenbegreift. Nebrigens vermindert sich die Fabrikation der letzteren mit jedem Jahre.Schon wird eigentlicher Talg in England wenigstens kaum mehr gepreßt und dieBereitung von Stearin beschränkt sich auf das Auspressen von Kokoönußbutter, derenStearin vielfach mit Stearinsäure gemischt wird, (vergleiche vorstehende Seite).

Die Grundlage der Stearinsäure-Kerzenfabrikation war, wie bereits bemerkt,die von Chevreul ergründete Verseifung der Fette und die Abscheidung der Fett-säuren aus der verseiften Fettmaffe. Allein man würde irren, wollte man glauben,daß hiermit die Aufgabe gelöst gewesen wäre. Wer nur einigermaßen mit dem

Wesen des industriellen Betriebes vertraut ist, weiß, welch' eine Kluft zwischen dem

Laboratorium des Chemikers und der Werkstätte des Fabrikanten, er weiß, welcheZeit und Mühe es kostet, und welche Geldopfer nicht selten erforderlich sind, um reinwissenschaftlichen Beobachtungen für die praktischen Zwecke der Industrie Geltung zuverschaffen.

Die ersten Schritte der Stearinsäurefabrikation waren von Schwierigkeiten allerArt umgeben, die nicht selten die Tage derjenigen trübten, in deren Hände ihre Ent-wickelung gegeben war. Die Untersuchungen Chevreul's waren schon 1823 ver-öffentlicht worden, allein erst zwei Jahre später scheint die Idee, aus den abgeschie-denen Säuren Kerzen zu fabriziren, zur Reife gekommen zu sein. Um diese Zeit

hatte sich Chevreul mit seinem berühmten Kollegen Gay-Lussac zur industriellenAusbeutung seiner Entdeckungen verbunden. Diese beiden Chemiker nahmen imJahre 1825 für die Abscheidung der fetten Säuren und ihre Anwendung zur Kerzen-fabrikation ein Patent in Frankreich , und der Letztere unter dem Namen seinesAgenten MoseS Pool auch in England. Die Spezifikation dieses Patentes ist imhohen Grade interessant, insofern die Patentnehmrr darin mit einer bemerkenswerthenSagazität den Verlauf der Stearin-Industrie anticipirt zu haben scheinen, wenig-stens beanspruchen sie sämmtliche Mittel, welche man bisher zur Anwendung gebrachthat, sogar die Verseifung mittelst Säuren, die erst innerhalb des letzten Decenniumszur praktischen Ausführung gekommen ist. Nichts destoweniger hat dieses Patent denBesitzern niemals Früchte getragen. Die vorzugsweise empfohlenen Prozesse waren