490 XXIX. Klasse. Verschiedene Fabrikate und kurze Waaren.
Nichts destvwenigcr waren noch Schwierigkeiten verschiedener Art zu besiegen,welche der neuen Fabrikation hindernd ini Wege standen. Es kann nicht in der Ab-sicht dieser Skizze liegen, welche die Entwickelungsgeschichte derselbe» in ihren Haupt-zügen darstellen soll, Schritt für Schriet all' den kleinen Verbesserungen zu folge»,welche Jahr um Jahr in diesem Industriezweige gebracht hat, es möge nur nochkurz der vielen Versuche gedacht werden, welche erforderlich waren, um die Krystalli-sation der Stearinsäure beim Gieße» der Kerzen zn vermeiden. Man suchte sich an-fangs durch Zusatz einer anderen Säure zu helfen, allein die Wahl dieser Säure,obwohl sie den Zweck erfüllte, war eine sehr unglückliche. Man war nämlich auf dengewöhnlichen weißen Arsenik (arsenige Säure) verfallen. Dieser Zusatz, der aller-dings nur in geringer Menge gemacht wurde, war indessen mit den Forderungen derGesundheitspolizei ganz unvereinbar, und mußte sehr bald auf dem Kontinente demVerbote der Behörden, in England dem Verdamnmngsnrtheile der nicht wenigermächtigen öffentlichen Meinung verfallen.
Die Mittel, welche man jetzt anwendet, erfüllen ihren Zweck eben so gut; mansetzt nämlich der geschmolzenen Stearinsäure eine kleine Menge (einige Prozente)Wachs zu, oder noch gewöhnlicher, man läßt die geschmolzene Säure unter Um-rühren bis nahe zu ihrem Erstarrungspunkte erkalten, ehe man sie in die beinahebis auf den Schmelzpunkt der Säure erhitzten Formen eingießt. Durch das Ab-kühlen und Umrühren wird eine Art flüssigen FettbreieS erhalten, der nicht längermehr krystallisirt.
Verseifnng mittelst Schwefelsäure ssapcmitication sulkurigno).
Während sich die Stcarinsäurefabrikation auf dein angedeuteten Wege in stetsweiteren Kreisen verbreitete, hat sich in den letzten lO Jahren eine neue Industriegebildet, welche demselben Zwecke gewidmet, auf derselben Grundlage fußt, das vor-gesteckte Ziel aber mit durchaus verschiedenen Mitteln zn erreichen sucht. ES ist diesdie Verseifnng der Fette mittelst Schwefelsäure und nachherige Destillation der abge-schiedenen Fettsäuren. Obwohl die letzte Quelle dieses Verfahrens immer wieder inder Chevreulschen Arbeit gelegen ist, so gebührt doch Fremy das Verdienst,zuerst durch eine wichtige Arbeit das Verhalten der Fette gegen Schwefelsäure in einklares Licht gestellt zu haben. In einer Abhandlung, welche 1836 in den -Innalc»clo clnmie et cle pk/signe veröffentlicht wurde, zeigte dieser Chemiker, daß die Einwir-kung der Säuren und Alkalien auf die fetten Körper viel Analoges hat. BeideAgentien zersetzen die Fette, aber während die Alkalien sich mit den Fettsäuren ver-binden und das Glycerin in Freiheit tritt, vereinigt sich die Schwefelsäure sowohlmit den Säuren, als auch mit dem Glycerin. Es entstehen sogenannte gepaarteSchwefelsäuren, Sulphostearin-, Sulphomargarin- und Snlphoolöinsäurc auf dereinen, und Sulphvglyccrinsäure auf der andern Seite. Erstere drei sind aber vonsehr ephemerer Beständigkeit. Unter dem Einflüsse des Wassers zerlegen sie sich wie-der in etwas modisicirte Fettsäuren, welche obenauf schwimmen, und Schwefelsäure,welche nebst der Snlphoglycerinsäure sich im Wasser lösen.
Die erste Idee, Frein y's Versuchen eine praktische Anwendung zn geben, gingvon George Gwynn e aus, welcher im März 1840 ein Patent »ahm, .in welchemer die Zersetzung der feiten Körper mittelst Schwefelsäure und die nachherige Destil-lation der resultirenden Produkte beanspruchte. Allein die Destillation sollte ini luft-leeren oder wenigstens lufwerdünnten Raume, in ähnlichen Apparaten vorgenommenwerden, wir sie bei der Znckerrassinerie gebräuchlich sind, und das Verfahren schei-terte an den Schwierigkeiten, welche solche Operationen im Großen darbieten. KurzeZeit darauf (5. Novemb. 1840) wurde ei» ähnliches Patent von George Clarkfür die Zersetzung der Fette mittelst Schwefelsäure erworben. Allein obwohl er dienöthige Menge Säure, welche Fremy in seinen Laboratoriumsversuchen im Ver-hältniß von 50 anf 100 Fett genommen hatte, auf die Hälfte reduzirte, so stieß er