494 XXIX. Klaffe. Verschiedene Fabrikate und kurze Waaren.
aus 170°. Nunmehr wird konz. Schwefelsäure zugesetzt, in dem Verhältniß von<! Pfund z» >12 Pfund Palmöl, und aufs innigste mit dem Oele gemengt. Das soerhaltene Gemenge wird vermittelst des überhitzten Dampfes noch weiter auf176° gebracht, wvbei es fich beträchtlich schwärzt. Die Zersetzung ist jetzt Vvr sichgegangen, wie man sogleich an einer Probe, die man erkalten läßt, erkennt. Dieausgeschiedene, aber stark geschwärzte, Fettsäure krystallisirt nämlich jetzt zu einer ziem-lich festen Masse. Das zersetzte Fett wird nunmehr von Neuem in große Wasch-gefäße abgeführt, mit Beihülfe von Dampf mehrmals gewaschen, bis die Schwefel-saure entfernt ist, und alsdann in einen Behälter emporgepnmpt, welcher über denDestillirgefäßen lagert. Letztere sind von Kupfer und halten 5 bis 6 Tonnen Fett.Man destillirt über freiem Feuer, während ein Strom überhitzten Dampfes durch dieflüssige Masse streicht. Hierdurch wird das Destilliren außerordentlich erleichtert; dieTemperatur steigt in der Regel nicht über 290° oder 300°.
Das Gemenge von Fett und Wasserdämpfe», welches aus den Destillirgefäßenentweicht, wird zunächst zum Abkühlen in ei» vertikales Röhrenspstem geführt, denenähnlich, welche jetzt in Gaswerken üblich find. Diese Röhren haben immer nocheine Temperatur von 100°. Es verdichtet sich also neben sehr wenig Wasser nurder Orldampf zur farbloS-durchstchtigcn Flüssigkeit, welche aus am untere» Theiledes Kühlapparatcs angebrachte» Rohrenansätzcu ausströmt und in den Auffangege-fäßen schnell zur weiße» festen Krystallmaffe erstarrt. Der unverdichtete Wafferdampsgeht in eine» zweiten Kühler, wo er sich, durch einen Stroni kalten Wassers abge-kühlt, nebst einer kleinen Menge mit übergeriffencr Fettsäure verdichtet. Letztere wirdnach dem Erstarren von dem Wasser abgehoben und mit dem übrigen Destillations-produkte vereinigt. Geht bei der oben angegebenen Temperatur nichts mehr über,so wird die rückständige Fcttmasse aus den Kupferblechen in große eiserne Cylinderübergefüllt und in diesen einer noch weit höheren Temperatur ausgesetzt, während einstärker überhitzter Dampf durchströmt. Durch die zweite Destillation gewinnt maneine weitere, obgleich weniger reine Menge fester Fettsäure. Der Retortenrückstand isteine Art Pech, welches zu allen Zwecken, denen das gewöhnliche Pech dient, ver-wendbar ist.
Ei» großer Theil der Fettsäure wird, wie sie von dem Kühlapparate rinnt, ohneWeiteres in Kerzen verwandelt. Diese sind natürlich weicher und schmelzbarer, alsdie eigentliche» Stearinsänrekerzc», einmal weil sie noch eine große Menge mehroder weniger veränderter Oelsäure enthalten und zweitens weil die Palmitinsäureeinen weit niedrigern Schmelzpunkt (60°) hat, als die Stearinsäure (70°). Alleindiese Kerzen, welche man in England co,»posite randlos nennt, besitzen nichtsdesto-weniger die Hauptvorzüge der Stearinkerzen. Sie sind immer noch hart genug,ziemlich weiß, geruchlos, machen keine Fettflecken und gestatten die Anwendung einessich selbst putzenden Dochtes.
Soll das Fettdestillat zu weißeren, härteren Kerzen verwendet werden, so gehtdasselbe direkt zur Presse. In den Bclmont Works sind zn den, Ende nicht wenigerals 50 (!) hydraulische Presse» im Gange. Die Fettmasse wird mittelst einer sinn-reichen Maschine auf Pferdehaarmatken ausgebreitet, mit eisernen Platten geschich-tet und in der Kälte einem starken Drucke unterworfen. Die ablaufende Oelsänre,oder Metole-insänre, wird aufgefangen und größtentheils nach Deutschland erportirt,wo sie in der Scifenfabrikation Verwendung findet. Die Fettmasse durchläuft nun-mehr denselben Prozeß noch einmal, um in ähnlicher Weise heiß gepreßt zu werden.Die bei der zweiten Pressung erhaltene» Kuchen werden, nachdem man die beschmutz-ten Kanten abgenommen, nochmals mittelst Dampf in schwach mit Schwefelsäureangesäuertem Wasser nmgeschmolzen und alsdann i» Blöcke geformt.
Diese werden ohne Weiteres zn Kerzen benutzt, oder auch noch in vielfacher