Band 
Dritter und letzter Theil.
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496 XXIX. Klasse. Verschiedene Fabrikate und kurze Waaren.

tinente üblichen Weinsteins zum Klären des geschmolzenen Wachses der sehr verdünnten Schwefelsäure.

Viel geringere Schwierigkeit bietet die Reinigung des WalratheS dar, indemman hier mit mehrfachem Pressen, was in den hiesigen Fabriken stets durch große hydrau-lische Pressen besorgt wird, ausreicht. Die kalt und heiß gepreßten Kuchen werdenzuletzt mit einer ziemlich starken Kalilauge ausgekocht, wodurch eine kleine Mengenoch anhängenden Walrathöles entfernt wirv, woraus die abgezogene wafferklare Flüs-sigkeit beim Erkalten zur prachtvollen blendend weißen Krystallmasse erstarrt. BeimGießen der Walrathkerzcn setzt man stets eine kleine Menge Wachs zu, um die Krystallisation der reinen Materie zu verhindern.

Als Anhang zu den Wachs- »nd Walrathkerzen haben wir noch kurz einerSorte Kerzen zu gedenke», welche, obwohl sie aus der Ausstellung kaum vertretenwaren, nichtsdestoweniger ein ganz besonderes Interesse darbiete». Es sind diesKerzen von Paraffin. Mit diesem Namen bezeichnen die Chemiker eine weiße, kry-stallinische Materie, welche sich bei der trocknen Destillation fast sämmtlicher organi-scher Materien bei sehr hohen Temperaturen bildet. Sie besteht aus Kohlenstoff undWasserstoff, enthält keinen Sauerstoff und hat genau die prozentischc Zusammen-setzung des sogenannten ölbildenden Gases, welches, wie bekannt, ein wesentlicherBestandtheil des gewöhnlichen Leuchtgases ist. Man hat gesunden, daß sich dasParaffin, nach Bedürfniß mit andere» wachsähnlichcn oder fetten Körpern gemischt,vortrefflich zur Kerzenfabrikation eignet. In der That war, wie weiter unten erwähntwerden wird, eine Probe von Paraffinkerzen, aus bituminösem Schiefer dargestellt, inder Französischen Abtheilung ausgestellt. Alle Vorschläge jedoch, welche in den letztenJahren zur Erzeugung größerer Mengen von Paraffin gemacht worden sind, habensich in der Praris unausführbar erwiesen. Um so größeres Interesse mußte eineReihe Parafflnpräparate erregen, welche in der chemische» Abtheilung ausgestelltwaren, und die in der That bessere Resultate versprechen. Diese Präparate sind vonJames Pcnng, Ardwick chemical Works, Manchester , aber erst kurz vor dem Schluss«der Ausstellung eingesendet worden und erläutern die Lösung einer Aufgabe, welcheLiebig mit seltnem Scharfsinne schon vor 10 Jahren angedeutet hatte. „Man würdees sicher als eine der größten Entdeckungen unsers Jahrhunderts betrachten," sagtdieser Naturforschers, „wenn es Jemandem gelungen wäre, das Steinkohlengas ineinen weißen, festen, trockenen, geruchlosen Körper zu verdichten, den man auf Leuchterstecken und von einem Platze zum andern tragen, oder in ein flüssiges färb- undgeruchloses Oel, welches man in Lampen brennen könnte." Diese Idee scheint nunPoung in der That verwirklicht zu haben, indem er die Steinkohle bei ganz nie-derer Temperatur destillirt; er erhält alsdann statt des Gases, welches sich stets beihohen Temperaturen erzeugt, ein Gemisch flüssiger und fester Destillationsprodukte,von denen erstere — die flüchtigere» Theile — ein treffliches Brennöl für Lampenabgeben, und sich überdies — die weniger flüchtigen Theile — zum Schmieren vonMaschincntheilen eignen, während sich aus letzteren die festeste» und wcißesten Pa-rafflnkerzen sabrizircn lassen. Der Berichterstatter ist noch nicht im Stande gewesen,genauere Notizen^) über die ökonomische Seite dieser Industrie einzuziehen, und erwill hoffen, daß sie nicht auf ähnliche Hindernisse stoßen möge, wie die Fabrikationvon Paraffinkerzen aus den Irländischen Torfen . Läßt sich in der That Paraffinaus Steinkohlen in hinreichender Menge und zu niedrigem Preise darstellen, so dürfenwir uns eines neuen Umschwungs in den Beleuchtungöprozeffen gewärtige», und dieglänzende» Entdeckungen Chevrenl's, die noch kürzlich vor der Helle des elektrische»Lichtes zu erbleichen drohten, dürfte» allmälig durch die Einführung verdichtetenSteinkohlengaseS verdunkelt werden.

Aus dem im Vorhergehenden, besonders hinsichtlich der Talg- und Stearinkerzen,Gesagte» ergeben sich schon bis zu einem gewissen Grade die Gesichtspunkte, welche