506 XXIX. Klasse. Verschiedene Fabrikate und kurze Waare».
früher durch Verseifung der Fette mit Kalilauge (Aschcnlaugk) und nachheriges Aus-salzen mit Kochsalz gewonnen wurde, hat außerordentlich abgenommen, wie sich inEngland ohne Schwierigkeit aus der mit jede», Jahre sich vermindernden Einfuhrvon Pottasche ergiebr. Eine ähnliche Abnahme, obwohl in weniger auffallendenVerhältnissen, finden wir in den meisten Ländern dcS Kontinents.
Auf der anderen Seite hat der gesteigerte Verbrauch von Seife zur Auffindungneuer Materialien für ihre Bereitung geführt, und dem Handel und der Schifffahrtneue Bahnen geöffnet. Die Seife erscheint uns nicht nur als Zeichen, sondern auchals Mittel der Civilisation. Erst seit dem Gebrauche der Soda hat man angefan-gen, das Oel der Kokospalme und anderer tropischer Pflanzen zur Darstellung derSeife zu benutzen, und wie sich diese Verwendung gesteigert hat, erhellt am bestenaus folgenden statistischen Zahlen.
Jahr. Einfuhr von Palmöl.>820 .... l7,456 Ccntner.183» .... 2l3,476l840 .... 3l5,503l850 .... 447,766
Von Kokosnußöl.8,353 Ccntner.8,534 „
42,42868,030
Der Verbrauch von Palmöl und Kokosnußöl in Frankreich , allerdings weit ge-ringer als in England, ist ebenfalls bedeutend im Steigen begriffen, wie folgendeAngaben über die Einfuhr dieser Artikel zeigen.
1827 . 3 Centner.
182». 70
>830 . 256
1835 . 253
184». 4622
l845 . 33,691
>850 . 62,6 l»
lind darf man den Angaben neuerer Reisender Glauben beimeffcn, so hätte dieEntwickelung eines Palniölniarktes an der Westküste von Afrika dem Sklavenhandelmehr Abbruch gethan, als die iliigebeuren Geleopfer, welche die Britische Ratio»gebracht hat, indem sie die zahlreichen Kreuzer der Afrikanischen Station aussandte.Allein man darf auf der ander» Seite nicht vergessen, daß der Palmölhandcl durchdie Gegenwart der Englische » Flotte in jenen Gewässern vermittelt und wesentlicherleichtert worden ist.
Die Fortschritte, welche die Seifenindustric in den letzten Jahren gemacht hat,lasse» sich nach zwei Richtungen charakterisiren, einmal nämlich in dem Bestreben,der Fabrikation neue Materialien zuznsührcn, und dann zweitens in Vcrbesserungs-vorschlägen, welche das eigentliche Verseifnngsverfahrcn betreffen. Was die Zuziehungneuer Materialien anlangt, welche durch die rasche Steigerung der Produktion gebo-ten war, so sind dem Seifenbctriebe in der Einführung des Palmöls und des Kvkos-öls, sowie mehrerer anderer Fette und Oelc, welche uns die tropische Pflanzenweltdarbietet, wahre Vortheile erwachsen. Allein auf der anderen Seite sehen wir dieSeifensieder auch wieder aus Stoffe verfallen (Knochen, Quarz ic.j, deren Wahlentweder ein völliges Verkennen der Prinzipien benrknndet, auf welchen ihr Gewerbeberuht, oder der Vermuthung eines beabsichtigten unredlichen Erwerbes Raum giebt.Unter den Vorschlägen für die Verseifung sind. insbesondere die beiden Patente vonArthur Dünn und Hawes zu erwähnen, welche auf durchaus entgegengesetztenPrinzipien basirt sind. Ersterer sucht nämlich den Verseifungsprozeß dadurch zu be-schleunigen, daß er ihn unter Druck (in geschlossenen Dampfkesseln) bei einer Tem-peratur von etwa 150 bis 160° sich vollenden läßt, während Letzterer ohne alle künst-liche Wärme die Verseifung durch rein mechanische Mittel, langes und starkes Um-rühre» des Fettes mit konzentrirter Lange einzuleiten sich bestrebt. Keins dieser