Band 
Dritter und letzter Theil.
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§. 134. Seife.

Verfahre» ist bei de» Seifensieder» allgemein in Ausnahme gekommen, und daweder Arthur Dun», noch Mr. Hawcs, Letzterer einer der größten Seifcnfabri-kaiite» Großbritanniens , ausgestellt hatten, so würden die Gränzen dieses Berichtesüberschritten, wenn wir uns auf eine nähere Prüfung derselben einlasse» wollten.

Eben so wenig kann es unsere Absicht sein, eine folgerechte Beschreibung derTechnik des Seifensiedens zu gebe», wie wir dies bei der Stcarinfabrikatiou gethanhaben. Während letztere eine noch ganz junge Industrie ist, welche sich gewisser-maßen unter unseren Augen entwickelt hat, ist das Verfahren des Seifensieders soalt und wohlbekannt') und überdies mit wenigen Abänderungen überall so leichteinzusehen, daß wir Alles, was wir in technischer Beziehung zu sagen haben, fragmen-tarisch bei der Betrachtung der einzelnen Ausstellungsartikcl mittheilen werden.

ES bleibt uns also, ehe wir zu diesen übergehen, nur noch übrig, einige Worteüber die Beurtheilungsweise der Seife zu sagen, Man hat die Waschkrast der Seifevielfach allein dem in ihr enthaltenen Alkali zugeschrieben und die Frage, warumman dann nicht lieber geradezu Alkalien anwenvc, dahin beantwortet, daß freiesAlkali sowohl für die Hände des Waschenden, als auch für die Zeuge, besonders diegefärbten, zu ätzend sei. Das Alkali, obwohl durch seine Verbindung mit der Fett-säure wesentlich gemildert, habe nichtsccstowcniger seine Fähigkeit nicht eingebüßt,sich mit Schmutz mancherlei Art, besonders mit fettigen Substanzen, zu verbinden.Die chemische Erklärung dieses Verhaltens ließe sich in der von Ehevrenl beobach-teten Thatsache finden, daß sich die neutralen fetlsaurcn Salze der Alkalien unterdem Einstuffe größerer Mengen Wasser in saure Salze verwandeln, während freiesAlkali in Auflösung tritt. Das Wesen der Seife bestünde alsdann darin, beim Rei-ben mit Wasser in jedem Augenblicke die gerade nöthige Alkalimenge zur Disposi-tion zu stellen. Die so eben berührte Zersetzung giebt sich ohne Schwierigkeit beider Behandlung der Seife mit dcstillirtem °) Wasser durch die Abscheibung einesflockige» Niederschlags zu erkennen, und es ist offenbar, daß ein großer Theil derWaschkrast der Seife wirklich in dieser Zersetzung und mithin in ihren, Gehalte anAlkali liegen muß. Manche Bestandtheile des Schmutzes, zumal wenn er von denAusdünstungen des menschlichen Körpers herrührt, also aus Schweiß -c, besteht, sindan und für sich saurer Natur, d. h. fähig, sich mit den Alkalien zu verbinden, odererlangen diese Fähigkeit durch Berührung mit der Luft, wenn sie derselben im feinzertheilten Zustande und großer Oberfläche dargeboten werde», indem eine Art frei-williger Versteifung unter deni Einflüsse des atmosphärischen Sauerstoffs stattsiudet,und es läßt sich nicht bezweifeln, daß diese durch das freie Alkali entfernt werden. °)Allein es bedarf aus der andern Seite auch nur einer näheren Betrachtung, um ein-zusehen, daß in dieser Zersetzung nicht die einzige Wirkungsweise der Seife gelegensein kann. So lange wir nicht im Stande sind, das Wesen des Schmutzes mitBestimmtheit zn deflnircn, ist es schwer zu entscheiden, ob die feltsauren Salze nichteine gewisse, dem reine» Wasser abgehende Lösckrasl für einzelne Bestandtheile dessel-ben besitze», wie wir dieselbe bei gewisse» Salzen für Stosse finden, welche im Wasserganz unlöslich find. Es ist allgemein bekannt, daß Borar z. B. Schellack mit großerLeichtigkeit auflöst, und der Chemiker erinnert sich der bemerkenswerthen Lösefähig-kert, welche eine in dem thierischen Organismus fertig gebildet enthaltene Seife, dieGalle, besitzt. Die Galle, welche wesentlich ein settsaures Alkali ist, löst z. B. dasCholeflerin mit großer Leichtigkeit, obgleich dasselbe in reinem Wasser ganz unlöslichist. Allein neben diese» beiden Wirkungsweisen kommt der Seife sicherlich auch »ocheine mechanische zu. Die Seifelösung benetzt die in das Gewebe oder in die Porender Haut eingedrungenen Schmutztheilchcn, welche dem Angriffe des reinen Wassersganz entgehen würden. Die kohärentere Flüssigkeit, wenn sie durch die Wäsche hin-dnrchgepreßt wird, schwemmt den Schmutz auf und der gebildete Seifenschaum hältihn in Suspension und verhindert ihn, sich wieder an die früher eingenommene