508 XXIX. Klasse. Verschiedene Fabrikate und kurze Waare».
Stelle z» begebe», während beim Waschen mit reinem Wasser häufig nur eine Orts-verändcrnng des Schmutzes vor fich geht, der, von dem einen Theile der Wäscheentfernt, sich auf einem andern Theile wieder absetzt.
Diese Anficht über die Wirkungsweise der Seife festgehalten, sind auch schonim Allgemeinen die Prinzipien gegeben, auf welchen die richtige Beurtheilung ihresWaschwertheS beruht. Je größer in einer gegebenen Seife die Menge der eigentli-chen Fettsäure-Verbindung, desto größer ihr Werth. Eine gut bereitete Seife sollteneben der Fettsäure-Verbindung nur noch freies Wasser enthalten, und es giebt dem-nach die Wafferbestimmung (durch einfaches Austrocknen dünner Scifenspäne beilOl>o) schon werthvollen Anhaltpunkt der Bestimmung ihres Werthes. Da
es der Seifensieder je nach der Jnsanimensetzniiz seiner Seife, d. h. je nach denFetten, welche er verseift, mehr oder weniger in seiner Gewalt hat, die Seife mitgrößere» »nd kleinere» Mengen Wassers fich ausscheiden zu lassen, so begreift man,daß hiermit dem Betrüge ein weiter Spielraum gegeben ist, und wenn wir im Handelziemlich feste Seifen antreffen, welche zu drei Biertheilcu aus Wasser bestehen,während für harte Seifen ei» Gehalt von 25 Prozent ein hoher zu nennen ist, soerhellt die Wichtigkeit solcher Bestimmungen. Mit dem Wassergehalte i» innigerBeziehung steht auch »och eine andere Eigenschaft der Seife», die bei Schätzungibrcs Werthes wesentlich in Betracht kommt. Mit über eine gewisse Gränze abneh-menden Wassergehalt werden die Seifen so hart, daß es außerordentliche Mühekostet, durch Reiben die nöthige Menge abzulösen, wobei, abgesehen von dem »»nö-thigen Kraftauswandc, die Zeuge beträchtlich leiden. Dieser Uebelstand ist indeß vongeringerer Bedeutung, da der materielle Werth einer solchen Seife größer ist, »ndJedermann erinnert sich, wie sehr unsere Hausfrauen daraus bedacht sind, rechttrockene Seife anzuschaffen. Auf der andern Seite wird die Seife bei steigendemGehalt an Wasser so weich, daß sie fich zu rasch auslöst, wodurch ein großer Ver-lust herbeigeführt wird. Zwar giebt es Fälle, wie z. B. in der Bleicherei und Fär-berei, wo man die Seife in wahrer Lösung anwendet, und für welche weiche Seifengeradezu vortheilhafter find als harte, allein diese Fälle find Ausnahmen von derallgemeinen Regel. Der phvsikalische Aggregatznstand der Seife bildet demnach einzweites sehr wesentliches Element in der Beurtheilung. Allein man würde irren,wenn man die Bestimmung des Wassergehaltes und die Beachtung deö Aggregat-zustandes als die einzigen Kriterien einer guten Seife betrachten wollte. ES kom-men hier noch verschiedene andere Umstände in Betracht. Die nach Entfernung desWassers zurückbleibende trockene Substanz muß auch wirklich fettjanreS Alkali sein,sie darf weder freies Alkali oder Salz, welches zur Ausscheidung der Seife gebrauchtworden sein mag, noch »„verseiftes Fett ") enthalten. Die Gegenwart von freiemAlkali kann in vielen Fällen die Farbe der, zu waschenden Zeuge beeinträchtige»,freies Fett dagegen verhindert die Bildung eines guten Seifenschaumes »nd ertheiltder Seife nach einiger Zeit eine» ranzigen Geruch.
Aus dem Vorstehenden ergiebt fich, daß die richtige Werthbestimmnng der Seifeeigentlich eine chemische Analyse einschließt. ES bedarf keiner besonderen Erwäh-nung, daß die BeurtheilungS-Kommission nicht im Stande war, die verschiedenenSeifengattungen der 62 Aussteller (manche hatten zehn und mehr verschiedene Arteneingesendet) zu analysircn. Sie mußten fich begnüge», wie bei den Kerze», das vor-handene Material in drei Klassen: Vortrefflich, Gut und Ungenügend, zu vereinigen.Diese ließen fich einerseits durch die äußere Anschauung, dann aber auch durch Pro-biren der Seife feststellen, und es mag hier bemerkt werden, daß »lit den haupt-sächlichsten Seifen sämmtlicher Aussteller zu diesem Behufe spezielle Waschprobcnangestellt worden sind.
In der folgenden Uebersicht der Ansstellnng find die Seifensieder mit den Par-