Band 
Dritter und letzter Theil.
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510 XXIX. Klaffe. Verschiedene Fabrikate und kurze Waaren.

diesem Ende umgesotte» und geklärt werde» muß, ehe sie parfümirt und in Tafelngeformt werden kann. Dieser Zwang — den indeß der gegenwärtige kosest ok Inlanilkevonuc bedeutend gemäßigt hat, und noch weiter zu mildern bestrebt ist — hat inEngland zn einem besonderen Gewerbszweigc Veranlaffnug gegeben, nämlich zu demGewerbe des Seisinraffinirers (sosp-eomelto,) im Gegensatze zn dem Scifenfabri-kantcn (sna>>-malcee), von dem er die rohe Seife einkauft. Unter den Britischen Ausstellern sind 7 solcher Seifenrasfinircr, die übrigen sind Seifensieder, mit Aus-nahme von zwei, welche beide Branchen des Gewerbes betreiben. In Irland , wokeine Seifcnsteuer erhoben wird, sindet diese Trennung des Gewerbes nicht statt.

Dem Britischen Seifensieder stellen verschiedene fette Körper znr Disposition.Sein Hanptmaterial ist der Talg, der in ungeheuren Quantitäten aus Rußland ,besonders aber Sud-Amerika und Australien , in England eingeführt wird. Hierzukommt das beim Auskochen der Knochen gewonnene Knochenfett und der in London und den übrigen großen Städten angesammelte Küchenstoff (stitclien stnkl). Mitdiesem Namen bezeichnet man die Fettabfällc der Haushaltung. Sie sind ein Acci-denz der Köchin, die gelegentlich noch ein paar Talglichte und zur Herstellung vonvollem Gewicht auch wohl eine Kartoffel hinzuwirst und diese Masse bei dem näch-sten Oelkrämer verkauft. Von dort wird er von eignen Leuten (ütnlk-eulleetoes)abgeholt und in die Seifensiedereien gebracht, wo er vor dem Gebrauche zusammen-geschmolzen wird. Neben diesen talgartigen Substanzen werden, wie bereits im Vor-hergehenden erwähnt ist, große Mengen Palmöl und KokoSöl für die Scifenfabrika-tion eingeführt. Endlich ist noch das Harz zu nennen, welches seit den letzten dreiJahren für den Scifenbetrieb vorzugsweise aus Amerika bezogen wird; letzteres sen-det ein weit reineres und blässeres Harz, als man in England produzirt. — Allediese Materialien werden direkt mit kaustischer Sodalaugc zu harter Seife verfettenund es ist bereits im Vorhergehenden darauf hingedeutet worden, welchen Vortheildie Seifenfabrikation aus der Produktion der künstlichen Soda und der mit deinrechtzeitigen Erlaß der Salzstener gesicherten Entfaltung dieser Industrie gezogen hat.

Die gewöhnlichen Seifen, welche der Englische Markt fordert, sind folgende:Sogenannte gelbe Seife (vellorv soap). Diese Seife ist eine Talgsodaseife miteiner beträchtlichen Zmnischung von Harzscife. Ist der Zusatz Amerikanisches Harz,so wird die Seife von so schöner lichtgelber Farbe erhalten, daß sie im Handel denNamen grimrose soap (Primel-Seife) erhalten hat. Von dieser Seife wird diegrößte Menge fabrizirt. Ihr nächst in Wichtigkeit steht die marmorirte Seife, zuwelcher in der Regel kitolien-stuff verwendet wird, und endlich die Tatgkernseife(cuest soap), von welcher große Mengen in den Tuchfabriken von Uorkshire und vonden Bleichen von Nottingham verbraucht werden. Man rechnet in der Regel, daßlOO Pfund Talg 150 Pfund gute Kernseife geben. Außerdem werden noch verschie-dene andere Arten im Großen produzirt, unter Andern Palmölseife, aus der viel-fach gelbe Seife bereitet wird, und Kokosnußölseife, vorzugsweise für den Erportbestimmt. Seit der Einführung der verschiedenen Palmöle wird Olivenöl in Eng-land nur wenig mehr verseift, zumal seit die neue Londoner Pharmacopoee die An-wendung von Schmierseife statt der früher für pharmaceutische Zwecke empfohlenenSpanische» Seife (Oastiie sosp) eingeführt hat.

Die weiche (Kali-) Seife wird aus verschiedenen Oele» gemacht. Ist sie fürdie Tuchdistrikte bestimmt, wo große Mengen verbraucht werden, so wird gewöbnlichGrönländischer oder Südsee-Thran verseift. Die im Englischen Handel vorkommendeSchmierseife hat gewöhnlich ein eigenthümliches geflecktes Ansehen, was dadurchhervorgebracht wird, daß man dem zn verseifenden Oele eine kleine Menge Talg zu-setzt. Nach einiger Zeit krpstallifirt das stearinsaure Kali in dem ölsanren und be-wirkt das beschriebene Aussehen.