Band 
Dritter und letzter Theil.
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§. 134. Seife.

Die 32!) Seifensieder Großbritanniens sind in der Ausstellung durch 7 vertreten.Bei einer sorgfältigen Vergleichung des von diesen Fabrikanten Ausgestellten mitden Einsendungen anderer Nationen, crgicbt sich, daß besonders, was Talg-, Palmöl-nnd Harzseife anlangt, die Leistungen derselben trotz der Hemmnisse, welche die Artder Besteuerung der Entwickelnng dieses Industriezweiges in den Weg legte, mit de-nen anderer Nationen gleichen Schritt halten, ja dieselben hänsig übertreffen. Vonden sieben winde fünf die Preismedaille zuerkannt.

Auch die Tviletteseifcn Englands stehen hinter den kontinentalen in keinerleiWeise zurück. Das Parfümiren derselben hat vielleicht noch nicht dieselbe Vollendungerreicht, wie in Frankreich — die Gerüche waren öfters zu stark aufgetragen — da-gegen gaben sie vielfach einen bessern Schämn und wuschen besser, als die Französi-schen. Die Englische Besteuerungsweise der Seife hat wesentlich zur Herstellungeiner guten Tviletteseife beigetragen, indem sie die bereits oben berührte Trennungdes Gewerbes hervorrief. Ohne in das Detail der Seifensiederei einzugehen, maghier daran erinnert werden, daß die Sodaverscifnng in England wie auch in Frank-reich vorzugsweise nach zwei Methoden betrieben wird. Einmal nämlich wird dieSeife im großen Kessel (largo liailor praeoss, » grancko oliauckiöre) mit verhältniß-mäßig schwacher Lange versotten, dann aber verseift man auch in der Kälte (colckprnooss) mit sehr konzentrirter Lange, und da man diese Verseifung in der Regelin verhältnißmäßig kleineren Gefäßen vornimmt, so hat man letzteres Verfahrenauch Wohl die Verseifung im kleinen Kessel (sanal boilor pracoss) genannt. Dienach letzterer Methode bereiteten Seifen sind niemals so gut verseift, als die nachersterer fabrizirten, sie enthalten häufig freies Alkali oder Fett, was gerade im Ueber-schuß vorhanden war, (oft beides, indem die Verseifung nicht vollständig erfolgt ist),und haben in manchen Fällen den ganzen Glhceringehalt mechanisch beigemischt.Dieses weniger vollkommene Verfahren wird in der Regel nur von kleinen Fabri-kanten und in Frankreich vielfach von Toiletteseifen-Fabrikanten benutzt, daher dennmanche der Französischen Toilctteseife» fast gar nicht schäumen. In England, woder Toilcttescifen-Fabrikant seine Seife nur in wenige» Fällen selbst bereitet, sondernvon dem eigentlichen Seifensieder ankauft, besitzen daher die feineren Seifensortcnneben den ihnen eigenthümlichen Vorzügen auch noch alle gute Eigenschaften der ge-wöhnlichen Seife. Dagegen finden wir in Irland, wo die Englischen Stenergesetzenicht gelten, die Toiletteseife mehr oder weniger von denselben Fehlern behaftet, wiedie Französische.

Die Kunst des Toiletteseifen-Fabrikanten scheint, nach legitimer Berücksichtigungder Nase, zunächst die Befriedigung des Auges anzustreben. Alle Farben, besondersaber Roth und Blau (Zinnober und Ultramarin), werden in Anspruch genommen,um der Seife das zu verleihen, was der Engländer presentabilit)- nennt. AuchVerzierungen der Seifetabletten durch Pressung ic. werden häufig angewendet, undbesondere Erwähnung verdient vielleicht die sogenannte Kameenseife. I» die ge-formten Seifentabletten werde» durch eine Presse mit erhabenem Stempel Vertie-fungen eingedrückt, welche der im Relief darzustellenden Kamee entsprechen. DieseVertiefungen werden alsdann aus freier Hand mit gefärbter Seife gefüllt, und diesein einer zweiten Presse mit korrespondirendem vertieften Stempel über die Ebene derSeifentafel emporgepreßt. Viele dieser Verzierungen sind höchst geschmacklos, werdenaber von dem Fabrikanten ängstlich beibehalten, da sie ihm, dem Publikum gegen-über, gewissermaßen als Erkennungsmarken dienen. Noch verdient die Sucht derEnglischen Scifenraffincrien gerügt zu werde», durch Beilegung von allerlei wunder-baren Eigenschaften ihren Artikeln bei dem Publikum Eingang zu verschaffen. Kaumeine Seife, welche nicht eine besondere hanterweichende, teintverbessernde, sommer-sproffentilgende Qualität besäße. Man sollte denken, daß das Publikum dieser hohlen