514 XXIX. Klasse. Verschiedene Fabrikate und kurze Waaren.
haben. Die Deutschen Seifensieder hatten in der Regel »nr ein paar meist unschein-barer Blöcke gesendet, ganz so wie sie dieselben in den Handel bringen, und diese, un-bedeckt in freier Luft stehend, der Hitze und dem Staube preisgegeben, mußten baldalles Ansehen verliere». Dieser Fall zeigte deutlich, wie nöthig es ist, bei solchenBeurtheilungen wirkliche Prüflinge» vorzunehmen. Die von den Blöcke» abgeschnit-tenen Proben erwiesen sich beim Waschen von ausgezeichneter Güte.
Die Aussteller waren folgende:
A. Palis, Berlin . Zwei Seifcnblöcke, der eine Palmölseise, der andere Talgseife, letztere eigenthümlich wellenförmig marinorirt. Muster vollkommener Verseilungund AnSsalzung. Die außerordentlich trocken gewordene Seife zeigte keine Spurvon SalzauSwittcrung.
H. Sarre jun., Berlin . Der vorigen vollkommen ähnliche Ausstellung, vonwelcher dasselbe gilt.
S. Wunder, Liegnitz . Gleichfalls treffliche Talg- und Palmölseife. Wenigerzu loben war die eingesendete Toilctteseife, namentlich schien der Name Ananas^eisenach dem Prinzipe: lueus a non luconito gewählt.
Die Fabrik von I. S. Donglas Söhne, Hamburg , hatte eine schöne Aus-wahl parfümirter Seifen ausgestellt, alle von ausgezeichneter Güte. Unter diesenwaren Probe» der in England wenig gebrauchten Schaumseife, welche bekanntlichdurch Einpeitschen von Luft in mit verhältnißmäßig geringer Menge von Wasserangerührte Seife dargestellt wird. Diese Seife giebt, da sie schon eine große MengeLuft enthält, einen trefflichen Schaum, eignet sich also gut zum Rasire». Sie hatüberdies beim Baden den Bortheil, daß sie auf dem Wasser schwimmt. Die DouglaSsche Tchanmseife, auch Chinesische Himmelsseife genannt (lüiina soa>>, ziatrn-nireä b)' tl>e Lclostial büuporar), ist ganz vortrefflich, was nicht auffallen kann, da,laut auf dem Umschlag gemachter Mittheilung, die Fabrikanten das Rezept zu dieserSeife der Güte eines lieben Freundes i» China verdanken, der es durch Bestechungaus der Kaiserlichen Seifen-Manufaktur in Chinhac zu erhalten gewußt hatte.Unsere Deutschen Fabrikanten verstehen also auch das „Puffen," oder war dieseDose — das Avertiffement ist in Englischer Sprache abgefaßt — für den MagenJohn Bulls berechnet?
Die indirekte Methode der Verseifung (Herstellung einer Kaliseife, die alsdanndurch Kochsalz unter Bildung von Chlorkalium in eine Natronseife verwandelt wird),welche früher in Deutschland ausschließlich angewendet wurde, scheint, soweit sichdies aus den wenigen eingesendeten Proben schließen läßt, auch in Deutschland demdirekten Verfahren mehr und mehr Platz zu machen. Die indirekte Verseifnngs-methode wird immer ein interessanter Beweis bleiben, was die reine Erperimentir-kttlist zu leisten vermag, denn sie hat auf völlig empirischem Wege eine Reihe vonReaktionen aufgefunden, deren naturgemäße Aufeinanderfolge zu bestätigen und zuerklären der neueren Chemie vorbehalten war. Allein bei mehr und mehr versiegen-de» Quellen des Kali's, während sich die Erzeugung der Soda noch immer von Tagzu Tag mehrt und verbessert, muß die direkte Methode nach und »ach überall dieOberhand gewinnen.
Oesterreich.
Noch schwächer als die Zollvereins-Staaten war Oesterreich in der Seifen-ausstcllung vertreten. Nur vier Fabriken hatten Seife eingesendet, von denen einerdie Preismedaille und einer zweiten die ehrenvolle Erwähnung zu Theil wurde.Diese schwache Vertretung ist um so auffallender, da die Seifensiederei, welche, derOele halber, früher fast ausschließliches Eigenthum des Südens war, in Oesterreich ,namentlich in den Küstcnstädte» am adriatifchcn Meere, höchst schwunghaft betriebe»wird. Die neuere Entwickelung der Industrie der fetten Körper hat zwar die geogra-phischen Beziehungen der Seifensiederei wesentlich modifizirt, indem letztere mehr und