526 XXIX. Klasse. Verschiedene Fabrikate und kurze Waare».
Glaube» unterblieben, daß ina» au derlei häuslichen Produkten kein Interesse neh-me» würde.
Die eigentliche Zuckerbäckern wird in Großbritannien, besonders in Schottland ,höchst schwunghaft betrieben. Die Menge von Konditoreiwaarcn zn bestimmen, welchejährlich prodnzirt werden, oder auch nur eine annähernde richtige Muthmaßungdarüber aufzustellen, ist ganz unmöglich; allein es ist gewiß, daß eS viele Häusergiebt, welche wöchentlich zwischen zwei und drei Tonnen Papillvtte» (lo/.engcs) ') fabrizi-rc». Als Resultat der Erkundigungen bei Konditoren und Zuckerbäckern läßt sich jedochmit ziemlicher Sicherheit annehme», daß wöchentlich mehr als 150 Tonnen (3000 Ctr.)Zucker zn Konditoreiwaaren verarbeitet werde». Die Tonne zn 47 Lstr. angeschlagen,beläuft sich also der Werth des in einem Jahre verarbeiteten Rohmaterials auf244,400 Lstr., wozu noch die Kosten der Kondimentc, Arbeitslohn und Engros- undDetailnutzcn geschlagen werde» mnfi, so daß die Summe, welche jährlich durch denDetailverkanf realisirt wird, nicht wohl unter 350,000 Lstr. betragen kann. Hierzukommt noch eine jährliche Einfuhr von 3l,977 Pfund Konditoreiwaaren, welche12,772 Lstr. Eingangszoll bezahlen.
Chokolade -Bonbons sind m England erst seit Kurzem in Aufnahme gekommen.Das Gewerbe wird vorzugsweise von Italienern und Franzosen betrieben. Zwei derLetzteren habe» in der Abtheilung der Maschinen ihre Apparate zur Bereitung derfür diesen Zweck bestimmten feinen Chokoladesorten ausgestellt, hinsichtlich deren wiraus den Bericht über Klaffe VI. verweisen. Die Englische Sektion hat drei Aus-steller von Chokolade -Konfitüren auszuweisen, von denen einer Bonbons lieferte,welche den besten Französischen an die Seite gestellt werde» könne» und wofür ihmdie Prciömedaille zuerkannt wurde.
Die krystallisirten Ligueur-Bonbons sind ursprünglich eine Französische Erfin-dung, sie werden aber jetzt auch in große» Quantitäten in England gemacht undzwar eben so gut und bedeutend billiger. Denn während man in England dasPfund für 8 Pee. haben kann, zahlt man in Frankreich 1 Fre. 56 Cent. für die-selbe Menge. Der Grund dieses Unterschiedes mag theilweise von den verschiedene»Zuckerpreisen herrühren; allein da der Arbeitslohn in England viel höher ist, auch derSpiritus ungleich mehr kostet, so dürfte wohl der Hauptgrund in den, Maßstabe derFabrikation und in den vollkommnerrn Vorrichtungen der Engländer liege». Diegrößte Menge Zucker wird aber znr Bereitung der eigentlichen Konfitüren und beson-ders zu dem was man in England pipe lo/.enzes nennt, verwendet. Letztere werden vor-zugsweise in Schottland prodnzirt, das seit langer Zeit für diese Fabrikation berühmtist. Sie wird dort im größten Maßstabe mit Hülfe von Maschinen betrieben, sodaß der EngroS -Konditor im Stande ist, diese Artikel zu Preisen zu verkaufen, welchenur sehr wenig höher sind, als die Kosten des Rohmaterials. Nichtsdestowenigersucht mitunter unredliche Konkurrenz die Preise durch Zusatz von gepulvertem Gyps ic.noch weiter herabzndrückcn.
Wer mit den Sitten der Engländer einigermaßen vertraut ist, wird sich nichtwundern, daß die legitime Anzahl von Hochzeitskuche» auf dem Jahrmärkte der Weltnicht gefehlt hat. Der Kuchen ist zn einer Englischen Hochzeit so nothwendig, alsBraut und Bräutigam, und es ließe sich kein besseres Beispiel für die Zähigkeitanführen, mit welcher der Brite an seinen Sitten hängt. Es wird zwar kein Waizenmehr über dem Blumenkranz der Braut ausgestreut, allein statt dessen zerlegt manden Knchen über ihrem Haupte. Mit deni Hochzeitskuche» hängt noch mancher alteGebrauch zusammen, und es hört sich ganz angenehm an, wenn »ns eine schöneEngländerin von den mystischen Eigenschaften vorplaudert, welche ein Stückchen die-ses Kuchens erlangt, wenn es neunmal durch deiz Ring der Braut hindurchgestecktwird. Die Brautjungfer» wissen davon z» erzählen. Mit dem zanbcrkräftigen Kuchenunter dem Kiffen hat es noch nie gefehlt, daß der Zukünftige im Traume erschien.