528 XXIX. Klasse. Verschiedene Fabrikate und kurze Waaren.
Die eigentlichen Konditoreiwaaren sind zumeist ans Württemberg eingesendetworden. Nach der Ausstellung zu urtheilen, zeichnen sich die Schwäbischen Konditoren mehr in der Anfertigung von nichteßbaren, als neu eßbaren Artikeln aus.Nicht weniger als drei Fabrikanten (Gebr. Baur ans Biberach , Gebr. Gollebendaher nnd G. Trögli» ans Ulm ) hatten Ornamente von Zucker, Tragants,und Stärke (g.-wtlll.iAe) ausgestellt, während nur Einer (W. Roth jnn. ans Stutt-gart ) krystallisirtc Bonbons eingesendet hatte. Letzterer ist lobend erwähnt, vonErsteren hat der Eine die Preismedaille, der Andere die ehrenvolle Erwähnungerhalten.
Gebr. Baur aus Bibcrach hatten eine sehr reiche Sammlung von Verzierungen aller Art, namentlich aber von Figuren w. für Knchenaussätze geliefert.Einigen dieser Artikel, namentlich den größeren, konnte eine gewisse künstlerische Be-handlung nicht abgesprochen werden; so war z. B. ein ziemlich großes Modell desKölner Domes mit Uhr und Glockenwerk vorhanden, das mit vieler Sorgfalt gear-beitet war, obwohl man sich einige Abweichungen von dem wieder aufgefundenenPlane erlaubt hatte. Allein, was die Sammlung am meisten auszeichnete, war dergesunde Schwäbische Humor, der sich in vielen der kleineren Figuren anssprach, vondenen die meisten dem Englischen Pnblikn», erst durch die Interpretation des intelli-genten Aufsehers verständlich wurden. Der Fuchs in Koller und Kanonen, mit derPfeife in der Hand, am Wegweiser haltend, unschlüssig, ob nach Heidelberg oderTübingen , oder der Storch, ^) aus dessen Büchsenranzcn ein kleines Kind hervorsieht,waren Darstellungen, worüber die vielfältigsten Erknndignngen eingezogen wurden.Den Gebr. Baur wurde die Preismedaille zuerkannt.
Ehrenvoll erwähnt wurde eine ähnliche, obwohl weniger reichhaltige Sammlungvon G. Tröglin in Ulm . Das bemerkenswcrthcste Stück war eine gut modellirteLöwenjagd mit zahlreichen Figuren.
Ferner W. Roth jnn. von Stuttgart für gute krystallisirte Bonbons.
In Chokolade-Bonbons hat der Zollverein keine» Preis davon getragen, obwohlzwei Fabrikanten nnd zwar ziemlich reichlich ausgestellt harten. Die von der Braunschweigischen nnd Sächsischen Fabrik eingesandten Proben konnten sich sowohl, wasäußere Ausstattung als auch was den Geschmack der Chokoladen betraf, nach demUrtheile der Begutachtung--Konimission mit den Französischen Produkten nicht messen. Uebrigens verdient bemerkt zu werde», daß die reiche Ausstellung der Säch-sischen Fabrik während der Hersendung gelitten zu haben schien, auch war sie, alsdie Jury Einsicht davon nahm, schon so verstaubt, daß die geringe Anerkennung,welche die nicht unbedeutenden Anstrengungen dieses Hauses gefunden habe», theilweise diesen Umständen zugeschrieben werden muß. Als charakteristisch für die Englische Auffaffnngsweise mag überdies bemerkt werden, daß einige der einer etwas nie-drigen Komik angehörigen Gegenstände der Darstellung in Chokolade von Seite» desPublikums mehrfach beanstandet wurden.
Oesterreich hatte keine hierher gehörigen Artikel eingesendet.
Die Konservirnng von Früchte» in Zucker nnd die Bereitung von Zucker- nndChokoladc-Konsitüren bilden in Frankreich wichtige Industriezweige, nicht nur wegender großen Menge von Arbeitern, welche diese Gewerbe beschäftigen, sondern auchwegen der Wechselbeziehung, in der sie mit einigen tributären Künsten stehen, dieeiner noch größeren Anzahl von Personen Arbeit geben. Der Artist, der Lithograph,der Kolorist, der Lackirer, der Papierfabrikant, der Pappdeckelmachcr, der Graveur,der Fabrikant von gepreßten Artikeln oder gefärbten Papiere», der Gold- nnd Sil-berschläger nnd sogar der Seidenweber sind alle mehr oder weniger bei der Produktionder mannigfaltige» „Kartons" nnd „Karnets" betheiligt, welche zur Aufnahme derBonbons und konservirte» Früchte bestimmt sind. Die Fabrikation von verzierten