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§. 138. Künstliches Elfenbein, tz. 139. Stiefelwichse.
Beim Nachdenken über diese Verhältnisse gewann Cheverton, der Erfinderdes fraglichen neuen Materials, die Ueberzeugung, daß man eine dichte krystallinischeund durchscheinende, wonicht durchsichtige Masse gewinnen werde, wenn es gelängeden entwässerten Gyps, durch mechanischen Druck so viel wie möglich verdichtet,langsam wieder mit Wasser zu vereinigen. Seine Anficht bestätigte sich durch eineReihe von Versuchen.
Das Verfahren, mittelst dessen diese Resultate erhalten werden, ist in einem imJuni 1850 an Cheverton ertheilten Patente beschrieben und besteht in der langsa-men Zuführung von Wasser zu entwässertem natürlichem Gypse sowohl in der dich-ten Form, z. B. als Alabaster, als auch in der Form eines feinen Pulvers. Imersten Falle wird dem Alabaster durch Bearbeitung aus freier Hand oder mittelstMaschinen die verlangte Gestalt gegeben, i» letzterem wird dieser Zweck durch Ein-pressen des pulverförmigen wasserhaltigen Gypses in geeignete Formen erreicht. Inbeiden Fällen wird der geformte Gegenstand, welcher also a»S wasserhaltigem Gypsbesteht, 48 Stunden lang einer Temperatur von 121 bis 177° <?. ausgesetzt, wo-durch alles Wasser entweicht. Während dieser Behandlung behalten die Gegenständeihre Form, werden aber in hohem Grade zerbrechlich. Man kann auch die Gegen-stände aus schon entwässertem Gypse formen, alsdann muß derselbe aber doch nochnichtsdestoweniger der eben beschriebene» Operation des langsamen Erhitzens ausge-setzt werden.
Sollen die Gegenstände eine durchscheinende Oberfläche erhalten, so werden sienunmehr, vor der Zuführung von Wasser, in einen farblosen Firniß («Rite barstvarnisli), in Olivenöl, oder sonstige ölige Materie (oleaginous matter) eingetaucht,bis die Oberfläche gesättigt ist. Will man eine »»durchscheinende Oberfläche haben,so wird diese Operation unterlassen. Um den Gegenständen die nöthige Härte zuverleihe», werden sie alsdann für einen Augenblick in Wasser von 38 bis 65^° teingesenkt. Diese Behandlung wird in Zwischenräumen von 10 bis 15 Minutenwiederholt, bis die Masse vollständig mit Wasser gesättigt ist. Sie wird alsdannkrystallinisch und viel härter als Alabaster, ein Umstand, der anzudeuten scheint, daßsie eine von dem Wassergehalte des natürlichen Gypses verschiedene Menge Wassersenthält, mit anderen Worten, daß sie ein neues (?) Hydrat des Gypses darstellt. DasGelingen dieses Prozesses hängt vorzüglich von der sehr allmäligen Zuführung desWassers ab. Vernachläßigt man diese Vorsicht, so decrepitirt die Masse und der Ge-genstand ist verloren.
Will man gefärbte Artikel erhalten, so werden sie vor dem Eintauchen in Oel oder Firniß mit wässerigen Lösungen der Farbstoffe besprengt, wenn man ein niar-morirtes Ansehen wünscht, oder geradezu eintaucht, wenn eine gleichförmige Färbungverlangt wird.
Die einzigen Aussteller dieses Industriezweiges waren D. Staight u. Söhne,London . Sie erhielten die PreiSmedaillc.
K. 139.
Stiefelwichse.
Es würde schwer sein auszumitteln, wann und wo die Bestandtheile des wich-tigen Artikels, der diesen Namen sührt, sich zuerst zusammengefunden haben. DasAlramentum der Römer enthielt nach Plinius ") Angabe Lampenruß, Gummi undEssig und würde demnach nur noch eines Zusatzes von Oel bedurft haben, um derheutigen Wichse ziemlich nahe zu kommen. Daß sich die Römer des Oels zum Ge-schmeidigmachen des Leders bedienten, erfahren wir aus demselben Schriftsteller, ^)