540 XXIX. Klasse. Verschiedene Fabrikate und kurze Waaren.
der uns erzählt, daß Cato die Rückstände von der Oelbereitung zu diesem Zweckeempfohlen habe. Allein es ist zweifelhaft, ob das Atramentmn, welches die gewöhn-liche Tinte darstellte, gemeinschaftlich mit Oel benutzt wurde, um von Zeit zu Zeitdie schwarze Farbe zu erneuern, welche die Römischen Schuster, wie ihre Fachgcnoffender Gegenwart, dem Leder durch Eintauchen in Vitriol (Kupfer- oder Eisenvitriol)ertheilten. Indessen sollte man es fast glauben, namentlich wenn man Tite's ^)Beschreibung verschiedener Stücke Leder liest, welche beim Nusgraben der Fundamenteder neuen Börse in London unter Umständen gesunde» wurden, aus denen sich ihrRömischer Ursprung mit großer Wahrscheinlichkeit crgiebt.
Die moderne Stiefelwichse besteht in der Regel aus Beinschwarz als Farbstoff,Syrup, welcher den Farbstoff auf dem Leder firirt und bei», Reiben den Glanz ver-mittelt, und Oel, welches das Leder geschmeidig erhält. Gewöhnlich wird der gepul-verten Knochenkohle eine Portion (etwa ^) kouzentrirte Schwefelsäure zugesetzt, umden Phosphorsauren Kalk zu zerlegen und Gyps zu bilden, welcher sich mit der imZustande feinster Vertheilung ausgeschiedenen Kohle zu einen, Brei von salbenartigerKonsistenz mischt. Die Menge des zugesetzten OelcS beträgt etwa 4; außerdem wirdgewöhnlich noch eine schwächere Säure (in England Essigsäure, in Deutschland Salzsäure, etwa D zugesetzt. UcbrigcnS hat beinahe jede Fabrik ihre besonderenVerfahrungsweisen und es ist klar, daß die Zusammensetzung der unter dem NamenStiefelwichse verkaufte» Präparate, je nach den. Orte und der Zeit der Bereitung,großen Schwankungen unterworfen sein muß. Aus der Französischen Benennungdieses Artikels „tirage " sollte man fast schließe», daß zu gewissen Zeiten Wachs')ein wesentlicher Bestandtheil der Wichse gewesen sei, und eben so scheint aus demUmstände, daß die flüssige Wichse in Frankreich früher ganz allgemein mit dem Na-men Liraze Anglm8 bezeichnet wurde — man hört noch jetzt diesen Ausdruck viel-fach — hervorzugehen, daß diese Art von Stiefelwichse früher aus England bezogenworden ist.
Die Stiefelwichse (IHselem^) wird in England in außerordentlich großenQuantitäten fabrizirt und es sind namentlich drei kolossale Anstalten in London ,welche eine gewisse Cclebrität erlangt haben. Die erste derselben wurde im Jahre180l von Richard Martin und Charles Day gegründet und besteht bis zudiesem Augenblicke unter der Firma Day und Martin fort, obgleich die ursprüng-lichen Begründer, nach Erwerbung von großen, Reichthum, schon vor langer Zeitaus dem Geschäfte ausgeschieden sind. Man wird sich einen Begriff von der Aus-dehnung dieses Industriezweiges im Allgemeinen, und von dem Umfange der in Redestehenden Fabrik insbesondere machen, wenn man erfährt, daß dieselbe täglich gegen150 Fässer Wichse bereitet, die durchschnittlich in 900 Dutzend Pinten (^ Gallone)ausgesendet werde». Die beiden andern Anstalten sind die von Robert Warrenund von Everett, welche nach nicht weniger großartigem Maaßstabe arbeiten alsDay und Martin.
Die Fabrik von Everett ist das einzige große Londoner Haus, welches Wichseausgestellt hatte.
Die Anzahl der StiefelwichSauSstcller war 13, die sich in folgender Weise auf