Band 
Dritter und letzter Theil.
Seite
548
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548 XXIX. Klasse. Verschiedene Fabrikate und kurze Waaren.

Gardner Wilkinson giebt die Zeichnung des Reisewagens einer Äthiopischen Fürstin, über welchem sich an lange», Stäbe ein Sonnenschirm wölbt von genauderselben Form, wie die große» Regenschirme, die wir heutzutage bei Fahrten in,offnen Wagen benutzen.

Von dem Oriente scheint der Sonnenschirm nach Griechenland und Rom ge-langt zu sein, besonders zur Zeit des Verfalls dieser Staaten; das Skiadrion derGriechen wurde über der Bildsäule des Bacchus einhergetragen, »nd bei dem Festeder Panathenäen hatten die Töchter der Fremden in Athen Sonnenschirme über denHäuptern der Jungfrauen der Stadt zu halten. In Rom pflegten Weiber und ver-weichlichte Männer in den unbedeckten Theatern sich des Ilmbraculums zu bedienen,um gegen die Strahlen der Sonne oder vorübergehende Regenschauer Schutz zufinden. Dies Geräthe, welches sich offenbar aufspannen und einziehen ließ, scheintvon Leder gewesen z» sein.

Der Gebrauch des Sonnenschirmes muß jedoch entweder nicht sehr allgemeingewesen, oder mit den, Falle des Römischen Reiches ziemlich wieder vrrschwunvensein, denn Thomas Coryat , der um das Jahr 1608 lebte, spricht davon, wie voneiner neuen Erfindung und bemerkt, daß er hauptsächlich von Reitern gebraucht zuwerden pflege, die auf dem Pferde sitzend den Stab des Schirmes gegen ihrenSchenkel stemmten. Dagegen war die Anwendung von tragbaren Baldachinen, umbei feierlichen Gelegenheiten, Prozessionen w. Bischöfe und andere hohe Geistliche,oder die Monstranz vor den Strahlen der Sonne zu schützen, in den Ländern dessüdliche» Europas schon viel früher und fortwährend allgemein im Gebrauch. In,Jahre 1170 ertheilte Papst Alerander III. dem Dogen Sebastians Zani von Vene-dig das Privilegium, den Päpstlichen Thronhimmel über seinem Wappen zu führen.Von Portugal und Spanien aus wurde der Sonnenschirm in die neue Welt ver-pflanzt, und nach Defoe's Erzählung fertigte sich Robinson Crusoe ') einenSonnenschirm »ach dem Muster derer, die er in Brasilien gesehen.

Ruch in England war der Gebrauch des Sonnenschirmes, wenn gleich vermuth-lich nur als Lurusartikel, schon im Anfange des 17. Jahrhunderts bekannt. Jedocherst gegen Mitte desselben, als der Verkehr Englands mit China lebhafter wurde,scheint diese Mode mehr und mehr Eingang gefunden zu habe». Es eristiren Bil-der aus dieser Zeit, die uns die eigenthümliche Form des Chinesischen Sonnenschirms<I.o-8an) darstellen, wie ihn die Chinesische » Beamten sich durch ihre Diener nach-trage» lassen.

Wir haben schon erwähnt, daß die Einführung der Regenschirme einer viel spä-teren Zeit angehört. Den Südländer unter seinem wolkenlosen Himmel bekümmerteder Regen weniger. Auffallend aber ist es, daß auch i» den nördlich gelegenenLändern Europas die Anwendung dieses Schutzmittels gegen heftige Regengüsse, dieuns weit häufiger bedrohen als drückender Sonnenbrand, nur erst spät und langsamEingang gefunden hat. Zwar gedenkt Gap in seinem Gedichte Trivia, in welchen,er die Sitten und Gebräuche Englands im Anfange des 18. Jahrhunderts in solebhafter Weise beschreibt, des Regenschirmes als eines praktischen Schutzes gegendie Nässe; allein erst gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts wurde der Gebrauchdesselben in England allgemeiner. Ein gewisser Jenes Hanway soll einer derersten Männer gewesen sein, der in London einen Regenschirm getragen — Frauenhatten ihn schon früher gebraucht — und in einem statistischen Berichte über dieStadt Glasgow bemerkt Dr. Cleland, daß unis Jahr 1781 ein Wundarzt daselbstbei seiner Rückkehr von einer Reise nach Paris einen Regenschirm mit sich gebrachthabe, der als der erste, den man in dieser Stadt jemals zu Gesicht bekommen, vielAufsehen erregt habe.

Die ersten Englischen Regenschirme waren freilich so plump und schwer, undder Artikel nebenbei so theuer, daß ihre allgemeine Einführung dadurch wesentlich