562 XXIX. Klasse. Verschiedene Fabrikate und kurze Waare».
Singapore) und endlich Jungte-Bambus vvn Kalkutta , sowie eine besondere ArtRohr von Manilla.
Im unverarbeiteten Zustande haben diese Materialien nur geringe Aehnlichkeitmit den eleganten Artikeln, zu welche» sie sich in der Hand des Fabrikanten gestalten.Hiervon hätte sich der Leser ohne Schwierigkeit durch Betrachtung der RohrauSstel-lnngcn aus der nordöstlichen Galerie überzeugen können. Noch bessere Gelegenheitaber würde sich ihm geboten haben, hätte er mit uns die weitläufigen Lagerhäusereines der Aussteller, B. Mever, besuchen können. In der That, durchwandert mandie langen Reihen der in Haufen aufgeschichteten noch unverarbeiteten Hölzer undRohre, die, um gehörig auszutrocknen, in der Regel längere Zeit hindurch aufbe-wahrt werden, so glaubt man sich in einem Brennholzmagazine zu befinde», so un-scheinbar sehen diese Materialien aus, in denen nichtsdestoweniger der Werth vonvielen Tausenden von Pfunden Sterling steckt. Man erstaunt jetzt nicht mehr, wennmau erfährt, daß selbst der einfachste Spazierstock wohl zwanzigmal durch die Handdes Arbeiters gehen muß, ehe er ei» nur einigermaßen anständiges Ansehen erhält;bessere Sorten von Stöcken verlangen natürlich eine noch viel größere Reihe vonOperationen. Diese sind mannigfacher Art und da wahrscheinlich die Mehrzahl derLeser in die Geheimnisse dieser Fabrikation eben so wenig eingedrungen ist, wie derBerfasser dieser Zeilen, ehe er von der Vorsehung und der Zvllvcreinskommissionfür die Berichterstattung auSersehen war, so soll ihnen in Folgendem eine kurzeSkizze derselben gegeben werden.
Abschälen der Rinde. In den meisten Fällen muß von den Hölzern, diezu Stöcken verarbeitet werden sollen, vor Allem die Rinde entfernt werden; dies istnamentlich immer der Fall, wenn mau sie Poliren will. Bisweilen wird jedoch auchdie Rinde auf dem Holze gelassen. Das Abschälen der Rinde scheint auf den erstenBlick eine höchst schwierige Manipulation zu sein, besonders wenn man es mit Höl-zer» wie der wilde Apselbaum zu thun hat, dessen unzählige warzcnähnliche Aus-wüchse, bekanntlich durch den Stich eines Insekts hervorgebracht, sich nach alle»Seiten wie Berg und Thal durchkreuzen. Und doch läßt sich diese scheinbar so schwie-rige Operation mit großer Schnelligkeit ausführen, und trägt dem damit beschäftig-ten Arbeiter selbst im Falle des schwierigsten Eremplars nicht mehr als einen hal-be» Pennß ein. Das Räthsel löst sich aber, wen» man sieht, welche einfache Mitteldie Praris an die Hand gegeben, um dieses langwierige Geschäft zu erleichtern.Der Stock wird nämlich ganz einfach einige Stunden lang in heißem Wasser ge-kocht; die Rinde kann dann leicht mit den Fingernägel» abgeschält werden.
Biege» des Hakens oder Handgriffes und Strecken des Stockes.Nur eine sehr geringe Anzahl Acste, sowohl von Bäume» als auch von Sträuchern,ja selbst nur ganz wenige 'Rohre sind gerade genug, um ohne Weiteres als Spazier-stöcke brauchbar zu sein, und nur höchst selten liefert die Naeur solche Auswüchseoder Krümmungen, wie sie der Stockfabrikant zur Herstellung seiner Knickenhakeuund Handgriffe überhaupt bedarf. Bei den meisten sind hierzu zwei Operationennöthig, die eben so einfach, als sinnreich sind. Um am obern Ende eine» Hake»anzubringen, wird das Rohr oder der Stock mit heißen, feuchten Sand bedeckt. Hier-durch wird er weich und elastisch und läßt sich dann, ohne zu zerbrechen, in diegewünschte Form biege», die er beim Erkalten beibehält. Die einzige Schwierigkeitbei dieser Operation ist die, für jede der verschiedene» Holzarten die geeignete Tem-peratur zu finden, und nur durch lange Uebung bekommt der Arbeiter die Fertigkeit,den rechten Hitzegrad einzuhalten. Wenn daher eine neue Holzart in die Stockfabri-kalion eingeführt wird, so bedarf es immer einiger Versuche, um in dieser Beziehungdie nöthigen Aufschlüsse zu erhalten. Das Strecken der Stöcke wird in ähnlicherWeise bewerkstelligt, nur daß man zum Erweichen trockenen Sand anwendet, denman auf einer eisernen Platte erhitzt. Nachdem der Stock durch dieses Verfahren