Band 
Dritter und letzter Theil.
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572
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572 XXIX. Klasse. Verschiedene Fabrikate und kurze Waaren.

aus denen das Gestell gefertigt wird, sind in der Regel Holz, Knochen, Elfenbein,Schildpatt oder Perlmutter. Zu diesem Behufe wird das Material zuvörderst'inStücke von der Größe und Form der inner» Rippen und der Schalen zersägt, welchealsdann i» die Hände eines Arbeiters übergehen, der sie mit der Feile bearbeitet.Ein dritter polirt sie, ein vierter macht die durchbrochenen und ein fünfter dieerhaben geschnitzten Verzierungen; noch gehen die Stücke, ehe an die Zusammen-setzung des Fächers gedacht werden kann, durch die Hände eines sechsten und sieben-ten Arbeiters, von denen der erstere die betreffenden Stellen vergoldet, während derletztere die Gold-, Silber- oder Stahlstiitcr und sonstigen Metallverziernngen auflegt.Erst jetzt wird das Gestell in die Fabrik, welche die Zeichnungen für den Fächerlieferte, zurückgesendet, um dort zusammengenietet zu werden. Die Nieten werdenoft mit kostbaren Steinen verziert. Das Blatt (leuillo) ist manchmal einfach, öftersdoppelt, gewöhnlich Papier auf Seide oder Calico aufgezogen. Aber auch Pergament,Lammfell, Seide und Seidengaze werde» dazu verwendet. Die kostbareren Fächerblätterbestehen aus feinstem Pergament und werden von Arbeitern in Wasserfarben gemalt,welche Feuillistcn heißen, die feinsten Sorten aber von anerkannten Künstler» mitGemälden in Wasserfarben geziert. So haben sich z. B. Bvuchcr und Watteau ,Camille, Roqueplan, Gavarni , Elöment, Bo »langer und Dnprcvielfach mit dem Malen von Fächern beschäftigt. Ordinaire Sorten werden nurmit Kupferstichen bedruckt, die mau alsdann aus freier Hand kolorirt; die geringsteKlaffe endlich mittelst Buntdrucks verziert. Das Blatt wird dann in einer Formvon starkem Papier gefaltet und an den Spitzen (bouts) der Rippen angeleimt.Bei besseren Sorten werden hierauf die Ränder grundirt und mit Blattgold vergol-det; bei den gewöhnlichen ist der Rand bereits mit unächtem Golddruck verziert wor-den, schon ehe das Blatt in dem Gestelle befestigt ward. Der somit vollendete Fächergelangt »n» nochmals in die Hände eines Dekorateurs, der noch hie und da aufdas zusammengesetzte Gestell gefärbte oder vergoldete Verzierungen auslegt, und einerArbeiterin, welche die nöthigen Fransen, Quasten und Troddeln anbringt. Es brauchtjetzt nur noch ein passendes Etuis ausgesucht zu werden und der Fächer ist für denMarkt fertig.

Die Fächergeslelle werden vorzugsweise in Andeville le Dclugc, le Avisiere,Corbcil, Cerf und St. Geneviövc fabrizirt. Zm Departement der Life, namentlichin dem Distrikte zwischen Möru und Bcauvais, sind nicht weniger als 2,000 Arbeiter,Männer, Frauen und Kinder, mit der Fächcrfabrikation beschäftigt. Die Hölzer, dieman hier verarbeitet, sind Weißdorn, Pflaume, Ebenholz, Sandelholz und Linde.Außerdem werden aber auch die vorher erwähnten kostbareren Materialien zu dem-selben Zwecke verwendet. Die Geschicklichkeit und Handfertigkeit dieser Arbeiter sollganz wunderbar sein. Ohne Zeichnen gelernt zu haben liefern diese Leute, diesämmtlich dem Bauernstande angehören, Arbeiten, deren sich der geübteste Graveur,Schnitzer oder Vcrgolder nicht zu schämen braucht. Die durchbrochene Arbeit wirdmit Hülfe dünner Sägen ausgeführt, welche sich die Arbeiter selbst aus kleinenStücken von Uhrfedern anfertigen. Ein Meisterstück aus dieser Gegend war einPerlmntterfächer von durchbrochener Arbeit, in der Französischen Abtheilung unterNr. 119 ausgestellt. Derselbe enthielt nicht weniger als 1,600 Durchbrechungen ausden Quadratzoll, und war das Erzeugniß des Kunstfleißes eines dieser ländlichenArbeiter, Namens Desiro Fleur.

DaS Bedrucken, Koloriren und Aufheften des Fächerblattes und das Fertig-machen des Fächers wird vorzugsweise in Paris unter der Leitung des Fächermachersgar rxeUeiioo (övontaillist«-) besorgt. Der Letztere hat selbst mit der eigentlichenVerfertigung des Fächers wenig zn thun. Seine Mitwirkung ist deswegen von nichtgeringerer Wichtigkeit, er leitet die Arbeiten der einzelnen Gewerbe nach einem all-gemeinen Plane, und ist somit die eigentliche Seele der Fabrikation. Er schickt die