575
§. 144. Meerschaum- und Bernstein-Fabrikate.
köpfen verwendet werden, ohne die verschiedenen Hölzer — der herrliche» Röhrevon Kirschbam», ZaSmin, Zitronen und Ebenholz werde» wir in der Einzelbeschrei-bung gedenken — zu berühren, die zur Anfertigung der Röhre diene», ohne Hornund Knochen das Wort zu reden, welche jetzt die meisten Pseifenspitzcu liefern, gehenwir sogleich zur Betrachtung zweier Stoffe über, deren Name» jedem ächten Raucherwie Musik erklingen. Meerschaum und Bernstein , ersterer ausschließlich, letzterer we-nigstens vorzugsweise dem Dienste des Rauchers gewidmet.
Meerschaum (bwuine >lo mer). Dieses gerade nicht sehr häufig vorkommendeMineral besteht aus Magnesia, Kieselerde und Wasser; es ist ein wasserhaltiges,wenn man will, neutrales Magnesiasilikat. Da übrigens das Mineral nicht krystal-lisirt, wechselt das Verhältniß seiner Bestandtheile nicht selten und es finden sichdarin selbst andere Substanzen, namentlich Eisen- und Thouerdesilikate. Hierdurchwird auch die Farbe bedingt, welche, wenn der Meerschaum rein, vollkommen weißist; nicht selten aber ist er — durch die Gegenwart von Eiseusalzen — gelblich undzwar finden sich alle Schatiirungcu zwischen hell- und duukclisabellenfarbig. Dergute Meerschaum ist ziemlich weich, er widersteht zwar dem Eindrucke der Hand, alleiner weicht dem Fingernagel und läßt sich, besonders nach dem Benetzen mit Wasser,unter dem Messer beliebig gestalten. Die Bruchfläche ist in der Regel erdig, nurselten zeigt sie sich großmuschlich. Nichtsdestoweniger ist der Nggregatzustand desMeerschaums, selbst des reine», große» Schwankungen unterworfen, wie sich sogleichaus dem verschiedenen spezifischen Gewichte crgiebt. Man findet Sorte», welche imWasser untersinken und solche, welche mit Leichtigkeit darauf schwimmen. Der Werthdieser verschiedenen Arten für den Pseifenkopf-Fabrikanten ist ein sehr verschiedener, erverschmäht sowohl die sehr leichten, als auch die sehr schweren, und hält also diegoldue Mittelstraße ein. Die leichten sind gewöhnlich sehr porös, enthalten wohlauch größere Räume, während die schweren nicht selten wahrscheinlich kein natürlicherMeerschaum, sondern ein denselben nachahmendes Kunstprodukt sind.
Der Meerschaum wird an verschiedene» Orten, in Griechenland, Spanien undin Mähre» gefunden. Bei weitem die größte Masse des im Handel vorkommendenstammt aus Kleinasien . 2» Natolien, bei der Stadt Konia, wird er vorzugsweisegegraben. Früher pflegte er dort sogleich zu rohen Pfeifenköpfen geschnitten zu wer-den, welche alsdann in Europa, namentlich i» Pesth und Wie», wo die Pfeife,i-schueiderei ei» sehr ausgebreitetes und wichtiges Gewerbe ist, die feinere Bearbeitungerhielte». Diese rohe» Pfeifcnköpfe kommen »cch immer in, Handel vor, allein die grö-ßere Menge Meerschaum wirb jetzt in Gestalt von unregelmäßigen Blöcken eingeführt,mit vielfach abgestumpften Ecke» und Kanten, welche eine fleißige Bearbeitung mitdem Messer zur Ausmerzung der ungleichartigen und fehlerhaften Stellen verra-then. ') Denn häufig finden sich verschiedene Mineralien in dem Meerschaum einge-sprengt und namentlich Meerschaumthcile von viel größerer Härte — von den Fa-brikanten Kreidemasse genannt —, welche sich nur schwierig bearbeiten lassen. Trotzdieser vorgängigen Bearbeitung bieten die im Handel befindliche» Blöcke noch häufiggenug Fehler der mannigfaltigsten Art dar.
Nach der mechanischen Bearbeitungzum Forme» des Kopfes erleidet derselbe,ehe er in den Handel kommt, noch eine chemische Behandlung. Er wird nämlichmit geschmolzenem Wachs, dem vielfach Oele oder leicht schmelzbare Fette zugesetztwerde», getränkt. Die eiizgesogcne Wachs- und Fettsnbstaiiz bewirkt die Färbung,welche der Meerschaum beim Rauchen annimmt. Diese Körper zerlegen sich nämlichunter dem Einflüsse einer hohen Temperatur, in mannigfaltige, enipprenmatischeProdukte, deren Zusammensetzung und physikalische Eigenschaften, mithin Farbe,wesentlich von dem Hitzgrade des glimmenden Tabacks abhängig sein müssen. DasWachs und Fett durchläuft alle Stadien einer wahre» trockene» Destillation und denso gebildeten Substanzen gesellen sich die DcstillationSprodnkte des Tabacks z». Hier-