Band 
Dritter und letzter Theil.
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576
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576 XXIX. Klasse. Verschiedene Fabrikate und kurze Waaren.

durch entstehen die vielfach wechselnden Farbentöne, welche der Meerschaumkopf beimRauchen annimmt und die von dem ächte» Raucher so hoch geschätzt werden. Manertheilt übrigens den Köpfen mitunter, obwohl selten, auch sogleich eine künstlicheFarbe, indem man sie vor dem Tränken mit Wachs in Eisenvitriol, Drachenblutlö-sung re. eintaucht. Hierdurch müssen natürlich die später eintretenden Farbenschat-tirnngen wesentlich modifizirt werden.

Es kann nicht auffalle», daß man eine so werthvolle Substanz, die sich in derNatur in brauchbaren Stücken nicht zu häufig findet, künstlich hat nachzuahmen ge-sucht. Die bis jetzt bekannt gewordenen Nachbildungen sind jedoch rein mechanischerArt. Der Scharfsinn der Chemiker, dem in der neuesten Zeit die künstliche Darstel-lung so vieler Mineralien gelang — jeder denkt hierbei an die schönen Arbeitenvon Bu nsen (Palagonit), Ebelmen (Spinell), Sönarmont (Larbonate) —hat sich bis jetzt an der chemischen Erzeugung des Meerschaums nicht versucht. Da-gegen mußte» die oft großen Abfälle, welche beim Schneisen der Köpfe werthloswurden, schon früh das Bedürfniß fühlbar machen, dieselben für die Pfcifenfabrikationzu verwenden. Dies gelingt auch ohne Schwierigkeit und bereits seit geraumer Zeitfinden sich im Handel eine Art Meerschaumköpfe, welche den Namen Massaköpfeführen. Diese Köpfe, in deren Verfertigung man es — wie die Ausstellung zeigte— sehr weit gebracht hat, werden aus den Mcerschaumabfällen bereitet, welche manzu dem Ende zu feinstem Pulver zerreibt, mit Wasser kocht und alsdann — mit oderohne Zusatz von Thon — in Blöcke formt. Diese Blöcke, von denen jeder eine»Pfeifcnkopf liefert, müssen, ehe man sie brauchen kann, ziemlich lange getrocknet wer-den, wobei sie sehr beträchtlich einschrumpfen. Man kennt diese Köpfe sogleich andem großen spezifischen Gewichte, obwohl sich bisweilen auch sehr schwere ächteMeerschaumköpfe finde». Manche glauben in der That, daß der schwere Meerschaum,welcher im Handel vorkommt, und namentlich die Stücke, welche die Meerschaum-schneider mit dem Namen Kreidemasse bezeichne», gleichfalls in Klei»-Asien gemach-ter künstlicher Meerschaum, Maffa-Meerschanm sei. Die Kennzeichen, welche manzur Unterscheidung von ächtem und Massa-Meerschauni vorgeschlagen hat, lassensämmtlich vielfältige Täuschung zu; jedoch mag ein negatives Kennzeichen angeführtwerden. Die Massaköpfe zeigen niemals die kleinen Fehler, welche von der Ein-sprengung fremder Körper in den natürlichen Meerschaum herrühren. Findet sich alsoan einem Meerschaumkopfe irgendwo ein Fehler dieser Art, der jedoch oft erst nachlängerem Gebrauche entdeckt wird, so ist man sicher, daß man eS mit einem ächtenMeerschaum zu thun hat.

Bernstein . Bei weitem die größte Menge dieses edlen Stoffs ist der Erzeu-gung der schönen Mundspitze gewidmet, welche jede ächte Meerschaumpfeife ziert.Die Bernsteinspitzen sind im Morgcnlandc noch immer sehr gesucht, und werden oftmit außerordentlichen Preisen bezahlt, wovon unten einige Beispiele gegeben werdensolle». Die Türken glauben ziemlich allgemein, daß ansteckende Krankheiten mittelstder Bernsteinmundspitzc nicht übertrage» werden. Es ist begreiflich, daß diese nega-tive Eigenschaft in einem Lande sehr hoch angeschlagen werden muß, wo jedem Gastealsbald eine Pfeife geboten wird, die er, ohne seinen Wirth zu beleidigen, nicht ver-schmähen kann. Dieser Glaube erklärt vielleicht den hohen Werth, welchen maudem Bernstein im Mvrgenlande beilegt. 2»i christliche» Europa ist allmälig vielHorn, Elfenbein und Knochen dem kostbaren Material« substituirt worden. NächstPfeifenspitzcn werde» aus Bernstein vorzugsweise kleinere Schmucksachen, besondersdie wohlbekannten Bernsteinperlenschnüre angefertigt. In beiden Anwendungenwird dem Bernstein oft — bisweilen frei und offen, bisweilen in betrügerischer Ab-sicht — der ähnliche aber viel wohlfeilere Kopal untergeschoben. Nichts ist leichter,als auf chemischem Wege beide Materien von einander zu unterscheiden; allein