§. 144. Meerschaum- und Bernstein -Fabrikate. 57?
hierbei muß ein kleines Stück des Gegenstandes geopfert werde». Schwieriger ge-lingt dies durch das bloße Ansehen, und es giebt Bernstcinsorten, besonders die dnn-kclgelben, durchsichtigen, welche nur eiu sehr geübtes Auge vom Kopal zu unterscheidenvermag, — Nur sehr selten wird der Bernstein z» größeren Artikel» verarbeitet; dieAusstellung brachte jedoch mehrere solcher Gegenstände, namentlich Präsentirteller,Leuchter, Pfeifenrohren u, dgl.
Ueber die chemische Natur des Bernsteins ist nur wenig zu sagen; sie kommtauch bei der Bearbeitung kaum in Betracht, Er enthält, nach der Analyse vonBerzelius , ein flüchtiges Ocl, Bernsteinsänre, zwei in Alkohol und Aether lös-liche Harze und als Grundmasse einen in allen LösiingSmitteln unlöslichen bitumi-nösen Stoff (Bernsteinbitumen), Das Bernstcinöl und die Bernsteinsäure könnendaraus durch gelindes Erhitzen geschieden werden, und geringere Bernsteinsorten,sowie Bernsteinabfälle werden znr Darstellung dieser Produkte destillirt.
Interessant ist die Gewinnung des Bernsteins ; bei weitem der größte Theil wirdin Ostpreußen an der Küste der Ostsee gefunden. Der Bernstein ist also ganz eigent-lich Deutschen Ursprungs, Man unterscheidet Land- und Seebernstein. Erstererwird gegraben; er findet sich gewöhnlich ini aufgeschwemmten Lande, in Sand- undLehmschichten neben fossilem Holze, Schwefelkies und Alaunerzen, Auch in einigenandern Ländern findet sich Bernstein , obwohl nie in großer Menge, Der Seebern-stein wird durch die Herbststürmc an der Küste von Pommern und Preußen, beson-ders zwischen Königsberg und Danzig , aus Land geworfen »nd gesucht. Man pflegtihn auch mit kleinen Netzen zu fischen,
Ueber den Ursprung des Bernsteins sind die Ansichten sehr unsicher und überdiesgetheilt. Einige halten ihn, und diese Ansicht wird bereits von Tacitus in derGermania sehr klar und deutlich ausgesprochen, für das ausgeflossene Harz gewisserKoniferen, von denen häufig Spuren unter dem Bernstein angetroffen werden. Andereglaube», auf die Thatsache hin, daß dem Chemiker die Verwandlung der wachsarti-gen und fetten Körper in Bernsteinsänre durch künstliche Orydativn gelungen ist, derBernstein sei ein durch einen langen VerwesnngSprozeß umgebildetes Wachs oderFett, Soviel bleibt sicher, daß der Bernstein zu einer gewissen Periode flüssig gewe-sen sein niuß, denn man findet, daß seine Masse eine Menge kleiner Insekten, meistuntergegangene Spinnengeschlechter, einschließt. Auch muß der Bernstein ein sehraltes Produkt sein, denn wir wissen, daß ihn bereits die Phönizier im grauen Alter-thume aus Preußen holten. Seit jener Zeit ist dort unablässig Bernstein gefischtworden und man hat nicht beobachtet, daß sich die Jahresrente irgendwie verminderthätte. Hieraus ließe sich, falls man die zweite Bildnngsweise annehmen will, fastschließen, daß der Bernstein sich »och fortwährend bilde, und hierfür spräche auchdas sehr wechselnde Ansehen der verschiedene» Bernsteinsorten, welche alsdann denStoff in den auseinander folgenden Stadien seiner Entwickelung darstellen könnten.Allein es bliebe eiu solcher Schluß immerhin noch sehr gewagt.
Die verschiedene» Arten Bernsteins unterscheiden sich nach Farbe und nach demGrade der Durchsichtigkeit, Seine Farbe ist gelb und durchläuft von den, hellstenSchwefelgelb alle <^^kttirungen bis zu dunkel Orangegelb, Es giebt auch beinahekreideweißen Bernstein; dies scheint ein Unibildungsprodukt des gewöhnlichen Bernsteins zu sein. Er wird nur sparsam gefunden und dann in der Regel zu kameenartige»Schmucksachen verwendet. Was die Durchsichtigkeit anlangt, so giebt es Bernstein-sorten — besonders dunkelfarbige —, welche vollkommen durchsichtig wie Glas undandere, welche ganz undnrchsichtig sind. Zwischen beiden Ertremen finden sich alleGrade des Durchscheinens, und es ergiebt sich, daß, je nach der Intensität der bei-den bezeichneten Eigenschaften, eine beinahe »»absehbare Reihe von Zwischengliedernvorhanden sein muß. Die Ausstellung bot -in dieser Beziehung eine Auswahl von
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