594 XXIX. Klasse. Verschiedene Fabrikate und kurze Waaren.
Die Einsendungen von
waren von zwei Ausstellern geliefert worden, und bestanden aus zwei Saninilungenvon Miniaturblumen, deren Hauptvcrdienst in ihrer Wohlfeilheit bestand. Demeinen der Aussteller, I. Bürger in Wien , wurde die ehrenvolle Erwähnung zu Theil.
Die Fabrikation von Battistbluiuen ist ein fast ausschließlich Französischer In-dustriezweig, denn obwohl derselbe in fast alle» Ländern mehr oder weniger betriebenwird, so ist dieser Betrieb doch nur ein vereinzelter und gegen die Produktion inFrankreich fast verschwindender. UcberdieS wird fast überall nach Französische » Mu-stern gearbeitet. Man könnte sogar noch weiter gehen und die Battistblumen-Fabri-kation ganz eigentlich für ein Pariser Knnstgewerbe erklären; mau würde sich wenig-stens von der Wahrheit nicht weiter entfernen, als wenn man Lyon und St. Eticnnebezüglich als die Sitze der Scidenmanufaktur und der Bandfabrikation betrachtet,oder um den Vergleich noch weiter zu führen, als wenn man sich, wie dies in derRegel geschieht, die Englische Baumwollen-Jndustrie in Manchester , und die Produk-tion von Mefferschmiedewaaren in Sheffield vereinigt denkt.
Die Ausdehnung der Battistblumcn-Fabrikation und ihre Wichtigkeit als In-dustriezweig für Frankreich , erhellt am deutlichsten aus den Aufzählungen einigerstatistischer Notizen. Nach offiziellen Dokumenten hatte die Gesainmtproduktion inFrankreich im Jahre 1847 einen Werth von 11,055,650 FrcS. Hiervon wurden,ungeachtet der hohen Eingangszölle in andern Ländern, welche sich in England auf25 Prozent, in den Vereinigten Staaten auf 33 Prozent und in Rußland auf40 Prozent belaufen, Blumen zum deklarirtcn Werthe') von 1,700,000 Frcs. erportirt, namentlich nach Belgien im Werthe von 310,000 Frcs., nach England von303,000 Fres., den Vereinigten Staaten von 440,000 FrcS., nach andern Orten von647,000 Frcs.
Kein Industriezweig bietet vielleicht ein besseres Beispiel von der Theilung derArbeit, als die Fabrikation der künstlichen Blumen. Nur eine ganz geringe Anzahlvon Fabrikanten beschäftigen sich in ihren Anstalten mit sämmtlichen Operationendieses Gewerbes. Battist, Monffeli», Gaze, Sammt und Seide werden natürlichvon Lyon , St. Quentin und St. Etienne geliefert; allein der Verbrauch anderwei-tiger Materialien hat eine Anzahl von Fabriken ins Leben gerufen, welche dieserIndustrie fast ausschließlich dienstbar sind. Dies bezieht sich namentlich auf die ver-schiedenen Farben und Firnisse, die meist eigens für diesen Zweck hergestellt werden.Die gefärbten Papiere, Blätter, Staubfäden, Knospen, Früchte u. s. w. werden eben-falls in besonderen Anstalten angefertigt, und in einigen Fälle» beschränkt sichdie Thätigkeit einer Fabrik auf die Herstellung eines einzigen Artikels dieser Art.Die Einsendungen mehrerer der Französischen Fabrikanten lieferten ein anschaulichesBild dieser Arbeitsthcilnng. Im Jahre 1847 zählte Paris 48 Fabrikanten solcherMaterialien für die Blnmenfabrikation, welche 478 Arbeiter beschäftigten, und derenProduktion sich auf 1,178,900 FrcS. beließ Die Zusammensetzung der Blumen ausihren einzelnen Bestandtheilen geschieht in andern Werkstätten, von denen einige fürspezielle Gattungen besonders berühmt sind. Die Gruppirungen endlich der Blumenund Blätter zum Bouquet und die Verwendung derselben für die verschiedenen Theileder weiblichen Toilette erfolgt meist in den Anstalten der Verkäufer, welcheMonteurs") heißen.
Die Einsendungen der Französischen Blumenfabrikanten zur Industrie-Ausstellung,in ihrer Totalität aufgefaßt, lieferten ein sehr anschauliches Bild von der hohenVollendung, welche dieser Industriezweig in Frankreich erreicht hat, ein Bild, dessenEindruck nicht verringert wurde, wenn man von der Allgemeinheit zum Speziellenüberging. Vor Allem verdienen die Leistungen von I. Marques Eonstantin,