8. 156. Das Britische Reich. 641
indeß kann auch die zweite etwas sehr Ansprechendes hervorbringen. Wichtig aberist es. beide Arten entschieden anseinander zu halten. Dieses beweisen so viele Kirchen-fenster des tüten und tüten Jahrhunderts, in welchen die Glasmalerei ihr architek-tonisches Prinzip aufgegeben hat. in dem Bestreben aber eine höhere künstlerischeAusbildung, wie sie nur andern Gattungen der Malerei, z. B. der in Ocl oder inFresko, vergönnt ist, zu erreichen, doch sehr ungenügend geblieben ist. Von beidenArten, zumal von der ersten, ist sehr Achtbares auf der Ausstellung vorhanden; kei-neswegs aber zeigt dieselbe das Vorzüglichste, was unsere Zeit in beiden Beziehungenleistet, und es ist z» beklagen, daß für die kirchliche Glasmalerei sich die KöniglicheAnstalt zn München , für die Nachahmung von Gemälden sich die Herren Boisseröein Bonn (letztere Herren vornehmlich durch geschickte Benutzung von Künstler» ausder ersteren Anstalt) hier nicht betheiligt haben, indem Beide mit das Ausgezeichnetstehervorgebracht, was unsere Zeit in der Art auszuweisen hat. Bei den zahlreichenErneuerungen mittelalterlicher GlaSgcmälde ist aber die getreue Wiedergabe der Wei-sen verschiedener Jahrhunderte von großer Wichtigkeit. Dasselbe gilt auch in Betreffder zahlreichen Kirchen, welche jetzt im gothischen Style gebaut werden, nur istes bei diesen verkehrt, mit absichtlicher Verzichtleistung auf das bessere Wissen unse-rer Tage die konventionellen Formen früherer Jahrhunderte nachzuahmen, sondern esgenügt das Festhalten au die oben gegebenen Grundsätze, welche sich mit naturge-mäßen Formen gar wohl vertragen.
a) Glasgemälde im kirchlichen Styl. I. Hardman undComp. ausBirmingham (Klaffe XXVI. Nr. 532.). Die Fenster dieser Anstalt in dem mittel-alterlichen Hofe halten die oben festgestellten Prinzipien im Wesentlichen fest undsind auch fleißig ausgeführt, nur ist daran zu tadeln, daß das Glas zwischen denFiguren durchsichtig gehalten ist, wodurch sie in der milden und harmonischen Wirkungden mittelalterlichen GlaSfeustern aus der guten Zeit nachstehen. Preismedaille.
Gebr. Chance (KlaffeXXIV. Nr. 60.). Zwei gothische Fenster sind ebenfallsin dem erforderlichen Styl ausgeführt. Ehrenvolle Erwähnung.
W. Holland und Sohn aus Warwick (Klasse XXIV. Nr. 63.) verdient fürsei» Leben Christi, I. G. Howe aus London (Klaffe XXIV. Nr. 67.) für seineNachahmung eines alten gemalten GlaSfensterS, W. WaileS (KlaffeXXIV. Nr. 73.)für die Ornamente die erhaltene rühmliche Erwähnung. Die Figuren des Letzterensind dagegen nicht zn loben.
l>) Malerische Glasbilder. M. und A. O'Cvnnor aus London (Klaffe XXIV. Nr. 65.) habe» in einer Anferweckung des LazarnS die Eigenschafteneines eigentlichen Gemäldes, als Haltung, Wahrheit und fleißige Ausführung, ineinem achtbaren Grade erreicht und in der Pracht der Farben von dem Materialguten Vortheil gezogen. Ehrenvolle Erwähnung.
Die im Mittclalter so benannte Kunstweise besteht darin, in Silber eingegra-bene Figuren und Ornamente mit Schwefel-Silber auszufüllen, welches durchseine schwarze Farbe gegen die weiße des Silbers absticht und eine dem Kupferstichnicht unähnliche Wirkung hervorbringt. Diese für längere Zeit in Vergessenheitgekommene Kunstweise ist in unseren Tage» zuerst mit großem Erfolg von demSilberarbeiter Wagner aus Berlin in Paris ausgeübt worden; aber auch hierbefindet sich eine mit vielein Geschick nach einer Zeichnung von Maclise auf«nein Panzerhandschnh von Gaß ausgeführte Arbeit dieser Art, welche daher auchkine rühmliche Erwähnung erhalten hat. (Klaffe XXIII. Nr. 83.)
5- Zeichnungen zu Mustern für gewebte und gedruckte Stoffe, fürStickereien wie für Buchbinder.
Der Bericht hierüber ist im zweiten Abschnitt der Klaffe XVIII. Bd. II. S. 485erstattet worden.
III.
41