7Z0 Verlauf, Beendigung und Gesammtcrgebnisse.
der sorgfältigsten Uebcrlegung, nach der umfassendsten und mühsanisten Untersuchungund nach den ehrenwertheste», gerechtesten und aufrichtigsten Grundsätzen vertheilt wurde.
Aber obgleich der ausgezeichnete Charakter der Preisrichter die Kommissare,welche sie mit der Vertheilung der Preise beauftragten, gerechtfertigt hätte, wennauch ohne Festsetzung von Regeln für ihre Beschlüsse lediglich ein unparthciischeSUrtheil verlangt worden wäre, so waren doch Schwierigkeiten von ganz besondererArt mit der Aufgabe der Jnrys verbunden, welche die Festsetzung einiger beim erstenAnblick vielleicht etwas willkührlich erschienenen Regeln nöthig machten. Da dieUnterschiede in den Sitten der verschiedenen Völker ganz natürlich ihren Erzeugnissenverschiedene Charaktere gegeben haben, erscheint es für die, welche gewohnt sind, dieErzeugnisse ihres eigenen Landes nach einem gewissen Maßstabe zn beurtheilen, bei-nahe unmöglich, Verdienste, welche nur nach einem andern Maßstabe gewürdigtwerden könne», ganz anzuerkennen, da gerade die Eigenschaften, welche in dem einenFalle als ausgezeichnet betrachtet werden, in dem anderen als Fehler angesehenwerden können. Diese Betrachtung »nd die Erkenntniß der Nachtheile, welche voneiner zufällig irrigen Entscheidung, in einem mit den Handelsinteressen aller Völkerso eng verbundenen Falle besorgt werden mußten, bewogen die Königl. Kommissiondie Grundsätze zur Anweisung der Jnrys festzusetzen, auf die Ew- Herrlichkeit Be-zug nahmen.
ES würde für das Publikum vielleicht interessanter gewesen sein, wenn dieKommissare die Jnrys beauftragt hätten, den bei den Ausstellungen einzelner Na-tionen gewöhnlichen Grundsätze» entsprechend, Medaillen von bestimmten Graden zuvertheilen um die verschiedenen Abstufungen des Verdienstes unter den Aus-stellern zn bezeichnen; sie glauben aber den sicheren Weg, und den Weg welcher imGanzen mit den Gefühlen der meisten Aussteller übereinstimmt, durch die Anordnung,daß wenn Erzeugnisse den zu einer Medaille erforderlichen Standpunkt erreichten,alsdann unter den Verdiensten der Aussteller kein Unterschied gemacht jwerde», son-dern daß Alle, ohne Ausnahme, denselben Rang einnehme» und dieselbe Medailleempfangen sollten, festgehalten zu haben.
Doch hielt die Kommission es für recht, wen» sie dem Präsidentenrath einebesondere oder Rathsmedaille in den Fällen zur Verfügung stellte, auf welcheEw. Herrlichkeit Bezug nahmen. In dieser Ausstellung sind wichtige Erfind un-g e» in vielen Zweigen der Wissenschaft und der Gewerbe dem Publikum bemerkbargemacht worden, und es erscheint gerecht, daß diejenigen, welche der Welt solcheDienste geleistet haben, ei» besonderes Zeichen der Anerkennung bei einer Gelegenheitempfange», welche so augenscheinlich die Vortheile der Menge von den Erfindungender Wenigen hervortreten läßt.
Die Bewilligung der RathSmcdaille für Schönheit des Musters oder Aus-zeichnung in den schönen Künsten »nd deren Anwendung anfFabrikate nach damitverwandten Grundsätzen stimmt ebenfalls mit den Ansichten der Kommissare über-ei», da sie in den Fällen, wo sie gegeben wurde, keine besondere Auszeichnung derArbeit bezeichnet, oder einem Verfertiger einen höher» Platz als dem andern an-weist, sondern als ei» Zeugniß für den Geist, welcher die Gegenstände des täglichenLebens mit einer das Auge erfreuenden, das Gemüth erhebenden und bereicherndenSchönheit bekleidet, anzusehen ist.
So schätzbar die Ausstellung auch in vieler Hinsicht war, scheint es den Kom-missaren doch, daß ihre Wirkung in keinem Zweige mehr und schneller bemerktwerden wird, als in dem Fortschritte, welche» sie im Geschmack hervorbringen wird,»nd dem Aufschwung, welche» sie der Kunst des MnsterzeichnenS gegeben hat; undeine besondere Anerkennung gebührt gewiß denen, welche die besten Werke in derreinen oder auf Gewerbe angewendeten Kunst geliefert haben nnd so in dieserinteressanten Bahn des Fortschritts als Führer aufgetreten sind.