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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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Einleitung.

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den Vorbehalten des Königs mißtrauten, zu ihre Kräfte übersteigendenOpfern aufgefordert und täglich über den Erfolg ihrer Sache unruhigerwurden, fühlten in ihrem Herzen die Ergebenheit gegen ihn erkalten undunterwarfen sich aus Entmuthigung oder entschädigten sich durch Aus-schweifungen. Lüge, Gewaltthätigkeit, Habgier, Zaghaftigkeit, Egois-mus in allen seinen Gestalten schössen schnell unter den in den KampfVerwickelten auf und der nicht daran theilnehmende oder nur von fernzuschauende Theil der Bevölkerung, verlor durch den verabscheuenswür-digen Einfluß des Revolutionsschauspiels, allmälig seine Begriffe vonRecht und Pflicht, Gerechtigkeit und Tugend oder bewahrte sie nurdunkel und schwankend.

Er wurde zu gleicher Zeit schwer in seinen materiellen Interessen. betroffen. Der überall gegenwärtige und überall mit Zügellosigkeitverbun-! dene Krieg, verheerte die Städte, wie das platte Land, und vernichtete dies Unterhaltsmittel, die Hoffnungen, oder denGewerbfleiß desVolkes. Die

. durch Localseindschaften und Intriguen ausgebeuteten Finanzmaßregeln

i des Parlaments brachten Schwankungen und Entwerthung in den Grund-- besitz. Die Sicherheit für die Geschäfte der Gegenwart und die Arbeiti der Zukunft verschwand, das bürgerliche Leben wurde selbst im Schoße

° der dem politischen Kampfe fremdesten Familien gestört und umgewühlt.

? Und wie die Besorgniß stets schneller und weiter schreitet als die eigent-s lichen Leiden, so verfiel das in schmerzliche Trübsal versunkene Lands in eine Beängstigung die noch allgemeiner und schmerzlicher als seines, Noth war.

/ Der Ausbruch seiner Klagen und Wünsche ließ nicht lange auf sich

! warten. Der Krieg stand noch in voller Gluth, als schon der Ruf: Friede!

> Friede! vor den Thoren des Parlaments erschallte Er wurde durch eine

Menge von Petitionen gefordert und diese durch so zahlreiche und auf-geregte Menschenmassen überbracht, daß es zu ihrer Zerstreuung der Ge-walt bedurfte. Im Schoße des Unterhauses bildete sich, trotz des fastallgemeinen Austritts der ersten royalistischen Partei, im Namen desFriedens eine neue, die sich beeilte, alle Gelegenheiten zu ergreifen umdessen Nothwendigkeit auszusprechen und mit dem Könige deshalb Unter-. Handlungen zu eröffnen. Mehrfach versuchte Negociationen scheiterten an^ den Ränken Derjenigen in beiden Lagern, die die Zugeständnisse, welcheder Frieden erforderte, nicht gewähren, und daher diese selbst nicht woll-ten, so wie durch die Unerfahrenbeit oder Schwäche Derjenigen, die denFrieden wünschten, aber dessen Bedingungen nicht zu wollen wagten.Der Bürgerkrieg dauerte fort, aber die Partei, von welcher er begonnenworden war, hatte sich gespaltet, der Parlamentskamps für und wider dieRevolution war von Neuem ausgebrochen.