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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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Einleitung.

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erheben. Sie sannen im Innern auf viele Reformen in den Civilgesetzen,der Rechtsvcrwaltung und der Besteuerung, und suchten dieselben anzu-bahnen, aber die wichtigsten davon, welche an sich von sehr zweifelhafterGüte waren, wurden durch die meisten bedeutenden Männer der Parteiselbst energisch zurückgewiesen und würden, weit entfernt davon die Re-publik höher zu stellen, sie nur tiefer in Sektirerei und Gleichmachereigestürzt haben. Offenbar konnte keine Maßregel der inneren Staatsver-waltung den Häuptern der Republik das ihnen Mangelnde verleihen.Ihre Gedanken richteten sich nach Außen; es kostete ihnen wenig Anstren-gung und keine Gefahr in ihren Verhältnissen zu den fremden Mächtendie Würde und Interessen ihres Vaterlandes wieder herzustellen und zubehaupten. Die Zeit der Religionskriege ging zu Ende, die der Kriegeder politischen Ideen war »och nicht erschienen. Obgleich den großen euro-päischen Regierungen die neue Republik ein Abscheu war, dachte dochkeine daran sie zu befeinden, im Gegentheil suchten alle ibre Freundschaftum dieselbe ihren Nebenbuhlern zu rauben oder um sich ihrer gegendiese zu bedienen. Die einfache Neutralität schon sicherte England denFrieden, die vollkommenste Unabhängigkeit in seinen innern Angelegen-heiten und ein großes Gewicht in denen des Kontinents. Die Häupterdes republikanischen Parlaments wollten aber mehr. Sie standen dreimächtigen Staaten, Frankreich, Spanien und Holland gegenüber diebeiden Ersteren katholisch und monarchisch, und mehr oder weniger zu-rückhaltende oder versteckte Gegner der neuen Republik, der Letztere,protestantisch und republikanisch und durch alle Sympathie» des Glau-bens und der Freiheit zu England hingezogen. In diesen kühnen undbewegten Geistern entsprang schnell eine neue Idee. Warum sollten sichEngland und Holland nicht zu einer einzigen großen Republik vereini-gen, die bald ihre Politik und ihren gemeinschaftlichen Glauben zurHerrschaft über Europa bringen würde? Es lag darin etwas, wodurchselbst dieFrömmsten bezaubert, selbst die Ehrgeizigste» beschäftigt werdenkonnten. Welche Dankbarkeit würde das englische Volk nicht gegen dieMänner fühlen, die seiner Größe diesen Zuwachs, seinem Gewissen undStolze diese Genugthuung verschafft hätten. Um diesen Preis wäre dieMonarchie vergessen, die Republik begründet, das republikanische Parla-ment zu einem Senate von Königen geworden.

Das Werk wurde versucht, die Häupter der Republik betheiligtcnsich enthusiastisch daran, die Einen durch indirekte Einflüsse, indem sieihre Ideen nach allen Seiten hin verbreiteten, die Andern durch feierlicheGesandtschaften, und indem sie die Grundlagen der künftigen Verbin-dung der beiden Nationen aufzustellen suchten. Die Träume der Revo-lution sind aber in ihren Beziehungen nach Außen noch eitler als in der