Einleitung.
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jetzt mußte wieder eine Regierung errichtet werden. Die Vorsehung, welcheselten einen Menschen mit zwiefacher Fähigkeit ausstattet, hatte Crom-well für beide Rollen bestimmt. Der Revolutionär verschwand, derDiktator rüstete sich zum Auftreten.
Zu derselben Zeit, wo diese gebieterische Nothwendigkeit der neuenLage der Dinge seinem großen und gesunden Geiste auffiel, sah Crom-well, daß weder die Institutionen noch die Männer der Regierung, dieman zu errichten versuchte, dies vermögen würden. Die Institutionenbesaßen weder Einheit noch Haltbarkeit, noch eine Zukunft. Im Schoßeder Macht herrschte innerer Krieg und ewiges Schwanken. Die Perso-nen wurden von beschränkten oder phantastischen Ansichten, von kleinlichenoder blinden Leidenschaften geleitet; der Revolntionskampf dauerte zwi-schen der Gewalt und dem Lande fort. Das souverän gewordene repu-blikanische Parlament mit seinen Häuptern wurde von dem gesundenVerstände Cromwells bald gewogen und zu leicht erfunden. Von dortkonnte keine starke geregelte Regierung ausgehen.
Von nun an wurde Cromwell nur von dem einen Gedanken be-schäftigt, sich weder mit der Politik, noch dem Schicksale dieser Institu-tionen und Männer zu verbinden, sich von ihren Fehlern und Niederla-gen fern zu halten; sich von dem Parlamente zu trennen, indem er ihmdiente.
Es war aber nicht hinreichend sich zu trennen, er mußte größerwerden, während die Andern sich abnutzten. Cromwell sah den Sturzdes Parlaments und seiner Häupter voraus, entschlossen, nicht mit ihnenzu fallen, wollte er sich neben ihnen erheben.
Die großen Männer der That bauen den Plan ihres Benehmensnicht im Voraus in allen Stücken auf, ihr Genie liegt in ihrem Instinktund ihrem Ehrgeiz, sie erblicken täglich und in jeder Lage die Thatsachenso wie sie wirklich sind. Sie sehen den Weg, den ihnen diese Thatsachenverzeichnen und die Aussichten, die ihnen auf diesem Wege eröffnet wer-den. Sie betreten ihn schnell und gehen darauf, stets demselben Lichtefolgend, so weit als es ihnen der Raum gestattet. Cromwell ging aufdie Diktatur zu ohne ganz zu wissen, wo er anlangen würde oder umwelchen Preis; genug, daß er vorwärts schritt.
Die isolirte außerhalb der herrschenden Gewalten stehende Lage,welche er suchte, wurde ihm vom Parlamente selbst angeboten. Crom-wells Gegenwart in London war den Führern unbequem und besorgniß-erregend. Sie forderten ihn auf, den Befehl über das zur Unterwerfungvon Irland, welches im vollen Aufstande für Karl Stuart, oder viel-mehr gegen das Parlament war, bestimmte Heer zu übernehmen. Crom-well ließ sich bitten. Man mußte ihm viel bewilligen. Erstens für seine