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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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41
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Einleitung.

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Er hatte das Schicksal seines Vaters weniger mit Vertrauen, als miteinem Gefühle der Ermüdung sich entwickeln sehen; er glaubte nicht daßer selbst wieder so viel Glück haben könne, und fühlte sich unfähig einesolche Last zu tragen; eben so wenig aber war er fähig, über dergleichenDinge einen festen Entschluß zu fassen; er war unschlüssig und schwach,mit Schulden überhäuft, und suchte nach allen Seiten hin eine Zukunft.Er blieb das Spiel eines Glückes, dessen Nichtigkeit er fühlte, und dasWerkzeug von Menschen, die weniger Verstand besaßen als er selbst.

Der Knoten mußte auf irgend eine Art gelöst werden. Man hattees mit allen Gewalten, allen Namen, die die Revolution gemacht hattenoder von ihr gemacht worden waren, zu wiederholten Malen versucht.Ihre Anstrengungen zum Regieren hatte kein äußebcs Hinderniß, keinWiderstand der Nation erschwert. Alle waren unterlegen; sie hattensich Alle gegenseitig vernichtet; sie hatten Alle in diesen unfruchtba-ren Kämpfen das, was sie etwa noch an Ansehen und Kraft bewahrten,erschöpft. Ihre gänzliche Unfähigkeit lag klar am Tage. Dessenungeach-tet war England gänzlich in ihrer Gewalt. Das Volk hatte über den lan-gen und traurigen Abwechselungen von Anarchie und Despotismus, dieGewohnheit und den Muth selbst sein Schicksal zu ordnen, verloren.Cromwell's Armee existirte noch immer, vermochte keine Regierung zuschaffen, stürzte aber alle diejenigen, welche ihr nicht gefielen, um. EinMann im Heere, der in der Achtung und dem Vertrauen der Sol-daten sehr hoch stand, den politischen Parteien fremd war, dem Parla-mente und Cromwell, und selbst Richard Cromwell bei dessen Gelan-gung zur Gewalt, redlich gedient hatte, Monk, ahnte welchen Ausgangdiese Anarchie nothwendigerweise haben würde, und unternahm es, seinermüdetes Vaterland ohne Kamps und Erschütterung demselben zuzu-führen. Er besaß keine großen Eigenschaften, mit Ausnahme des gesun-den Menschenverstandes und des Muthes, kein Verlangen nach Ruhm,kein Streben nach Macht, weder für das Land noch für sich selbst er-habene Grundsätze oder Pläne, wohl aber eine tiefe Abneigung ge-gen die Wirren und zügellosen Frevel, welche die volksthümlichen Par-teien mit den» Mantel schöner Versprechungen bedecken. Er hing ohnePrunk, aber mit Kraft und Bescheidenheit, an seinen Pflichten alsSol-dat und Engländer, war weder Charlatan noch Großsprecher, zurück-haltend bis zur Schweigsamkeit und für die Lüge absolut gleichgültig.Er bediente sich derselben mit unerschütterlicher Dreistigkeit und Geduld,um das, was ihm das einzige wesentliche Interesse von England schien,die friedliche Rückkehr der einzigen Regierung die Bestand und Ordnunghaben konnte, herbeizuführen. Alles klebrige waren in seinen Augennur zweifelhafte Fragen und Parteizänkereien. Es gelang ihni. Alle Un-