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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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Einleitung.

nere und äußere Politik zeigte nichts wie eine Reihe von ungewiß herum-tappenden Versuchen und Widersprüchen gegen sich selbst; ihre billigstenMaßregeln waren nichts als abwechselnd insolent angenommene und auf-gegebene Mittel der Bestechung und Täuschung und besaßen eben sowenig Festigkeit als Aufrichtigkeit.

Das Publikum innerhalb wie außerhalb des Parlaments ließ sichzuweilen in diese ihm gestellten Fallen locken. Es kommt nichts derBereitwilligkeit bei. womit die Leidenschaften der Völker das, was ihnengefällt, glauben, und bei demjenigen, welcher ihnen dienstbar ist, Allesentschuldigen. Die Wüstlinge der Cabal wurden auf Augenblicke be-liebt, verloren die Gunst des Volkes aber eben so schnell wieder, wie siedieselbe gewonnen hatten. Ihr ausschweifendes Leben, die offen zurSchau getragene Lasterhaftigkeit ihrer Sitten, die Unbeständigkeit ihresBenehmens, die Nichtigkeit ihrer Versprechungen empörten das Moral-gefühl des Landes, welches inmitten aller dieser Skandale und getäuschtenErwartungen einen soliden Grund von Vertrauen und Tugend bewahrte.Es würde sicherlich nicht bloß bei der Entrüstung geblieben sein, wennes gewußt hätte, daß sein König unter stillschweigender Gutheißungseiner vornehmsten Räthe mit Ludwig XI V. geheime Verträge abschloß,wodurch er sich verbindlich machte öffentlich als Katholik aufzutreten,sobald er es mit einiger Sicherheit thun könne und mittlerweile um ei-nige Millionen die Selbständigkeit der Politik und Institutionen seinesLandes verkaufte. England blieb lange über diese schmachvollen Hand-lungen in Ungewißheit, aber wenn das Mißtrauen tief eingewurzelt ist,so wird die Unwissenheit des Volkes durch Ahnungen ersetzt, die dasselbeoft irre leiten, zuweilen aber wunderbar aufklären. Ohne zu wissen,' in welchem Maße die Minister der Cabal das Land herabwürdigten undverriethen, gab sich das Haus der Gemeinen ihnen nicht bloß nicht hin,sondern griff sie endlich auch auf das heftigste an und sie fielen unterden Streichen einer Macht, die sie durch Begünstigungen groß gezogenhatten um sich derselben zu bedienen, ohne aber einen Schritt zu der Or-ganisation der politischen Parteien im Parlament und ihrer regelmäßigenThätigkeit in der Regierung gethan zu haben.

Ihr Nachfolger Sir Thomas Osborne, Graf von Danby, besaßbei weitem mehr politischen Verstand und Einfluß auf die Entwickelungder parlamentarischen Regierungssorm in seinem Vaterlande. Unter denAuspicien der Minister der Cabal in den Staatsdienst getreten und frühan einigen ihrer schlimmen Gewohnheiten betheiligt, war er von ihnenwesentlich verschieden, da er durch das Land, nicht aber durch den Hofans Ruder gekommen war. Als einfacher Edelmann aus der Graf-schaft Uork fand er in dem Provinzial-Adel seine wahre Partei und in