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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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71
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Einleitung.

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! Die Vereinigten Staaten haben nicht blos der Entfernung von

j jedem mächtigen Nebenbuhler und den ihnen offen stehenden ungeheurenl Räumen dieses seltene Glück zu danken. Weniger zufällige und mehrmoralische Gründe haben ebenfalls zu dem schnellen Wachsen und derSturmlosigkeit ihrer Größe hingewirkt.

Sie sind unter der Fahne des Rechts und der Gerechtigkeit insLeben getreten. Für sie ist ebenfalls die Revolution, womit ihre Ge-schichte beginnt, anfänglich eine Handlung der Nothwehr gewesen. Sieverlangten in ihren Freibriefen verzeichnete Bürgschaften und Grundsätze,

! die das Parlament von England, welches sie ihnen verweigert?, einst .im Mutterlande, mit weit größeren Gewaltthätigkeiten und Wirren als'ihr Widerstand nach sich zog. selbst gefordert und zum Siege geführthatte.

Sie hatten, die Wahrheit zu gestehen, keine Revolution im Sinne.Ihr Unternehmen war allerdings groß und gefahrvoll; sie übernahmen,um ihre Unabhängigkeit zu erringen, den Krieg gegen einen mächtigenFeind zu unterhalten und eine Centralregierung zum Ersatz der fernenMacht, deren Joch sie von sich schüttelten, zu errichten. Aber sie brauch-ten in ihren localen und zur täglichen Anwendung kommenden Institu-tionen keine Revolution stattfinden zu lassen, jede einzelne Colonie warbereits in ihren innern Angelegenheiten frei regiert und fand, als sie zueinem Staate wurde, nur wenige Veränderungen in den Grundsätzenund der Organisation der Staatsgewalten eintreten zu lassen. Es warkeine alte sociale Ordnung zu fürchten, zu verabscheuen und zu zerstören,im Gegentheil war die Anhänglichkeit an die alten Gesetze und Ge-bräuche, die liebevolle Achtung der Vergangenheit allgemein; die kolonial-regierung unter dem Schutze einer fernen Monarchie verwandelte sichohne Anstrengung in die republikanische Regierungssorm unter demBande einer Bundesstaatsverwaltung.

Von allen Regierungssystemen ist das republikanische unbedingtdasjenige, wofür die allgemeine und freiwillige Zustimmung des Landesam nöthigsten ist. Man kann sich durch Gewalt begründete monarchischeStaaten vorstellen, und hat dergleichen gesehen, aber es widersprichtdem gesunden Menschenverstände und dem Rechte einer Nation, dieRepublik aufzuzwingen, die Regierung des Volkes gegen den Instinktund den Wunsch des Volkes einzuführen. Die englischen Colonien vonAmerika brauchten, um zur Republik der Vereinigten Staaten zu werden,keine solche Schwierigkeit zu übersteigen. Sie waren freiwillig genugrepublikanisch; als sie die republikanische Regierungsform annahmen, er-füllten sie nur den Wunsch der Nation und bildeten ihre frühere Regie-rungsweise weiter aus, statt sie aufzuheben.