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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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85
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1. Buch.

Politische Neformbcstrebungen.

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Bürgers, kleinen Gutsbesitzers, und selbst des Bauers, erhoben sich baldüber seinen Stand. Er war Christ und erforschte kühn in seinem Hausemit seinen Freunden die Geheimnisse der göttlichen Macht; war alsoirgend eine irdische Macht zu hoch, als daß er sie hätte erwägen dürfen?Er las in den heiligen Büchern die Gesetze Gottes, und sah sich genö-thigt, um ihnen zu gehorchen, anderen Widerstand zu leisten. Er mußtealso untersuchen, wo diese aufzuhören hätten. Wer nach den Grenzender Rechte eines Herrn forscht, wird bald auch nach ihrem Ursprüngeforschen. Das Wesen der königlichen Macht, aller Gewalten, ihrer frü-hern Grenzen, ihrer neuerlichen Uebergriffe, der Bedingungen und Quellenihrer Rechtmäßigkeit wurden in ganz England zum Gegenstände derUntersuchung und Besprechung, die anfänglich bescheiden, und mehr ausNothwendigkeit als Neigung unternommen, lange geheim gehalten wur-den, und welche die Bürger selbst, während sie sich ihnen Hingaben, nichtweit zu verfolgen wagten, die aber die Fesseln der Geister sprengten, undihnen eine bisher unbekannte Kühnheit einflößten. Selbst die beliebteund geachtete Elisabeth fühlte die Wirkungen dieser entstehenden Nei-gung und wies sie rauh zurück, wollte aber der Gefahr doch nicht Trotzbieten. Unter Jakob I. wurde es noch weit schlimmer. Er wollte trotzseiner Schwäche und der Verachtung, womit man ihn ansah, für einenDespoten gelten, und die dogmatische Schaustellung seiner ohnmächtigenAnsprüche reizte zu neuen Kühnheiten auf, die er anregte ohne sie zuunterdrücken. Die Denkkraft des Bürgers nahm einen freien Flug; erließ sich von nichts mehr imponiren; der Monarch war für ihn ein Ge-genstand des Spottes, dessen Günstlinge Gegenstände der Entrüstung.Auf dem Throne und am Hose war die Anmaßung ohnmächtig und selbstohne glänzenden Schein; eine gemeine Bestechlichkeit flößte denjenigen,welche sie ernsthaft betrachteten, tiefen Ekel ein, und zog alle Größen inden Bereich der Beleidigungen des Volkes herab. Es war nicht mehrblos das Vorrecht fester Geister, sie inS Auge zu fassen und kalt zu messen,auch das Volk erlangte den Muth dazu. Die Opposition zeigte sich baldeben so hochfahrend und mit mehr Selbstvertrauen begabt, als dieMacht, und es war nicht die Opposition der großen Barone, der Pairs-kammer, sondern die der Gemeinen, die danach strebten, im Staateeine Stellung, auf die Regierung einen Einfluß zu erlangen, wovon sienie etwas besessen hatten. Ihre Gleichgiltigkeit gegen die großsprecheri-schen Drohungen des Fürsten, der wenn auch ehrerbietige Stolz ihrerSprache zeigten, daß sich Alles verändert, daß ibre Gedanken hoch ge-stiegen waren und sie mit Nachdruck handeln wollten; und das geheimeBewußtsein dieser moralischen Revolution war schon so verbreitet, daßJakob 1621 als er eine Commission des Unterhauses erwartete, welche