100
Petition der Rechte.
1. Buch.
„Bei diesen Worten erhob sich der Sprecher Plötzlich von seinemStuhle und sagte weinend: „Ich habe den Befehl, Jeden, der von denMinistern des Königs Böses spricht, zu unterbrechen." Sir Johnmußte also schweigen.
„Wenn wir im Parlamente nicht von dergleichen Sachen sprechendürfen," sagte Sir Dudley Diggs, „so müssen wir ausstehen und hin-ausgehen, oder müßig und stumm hier bleiben." Daraus trat wieder einallgemeines Schweigen ein.
„Wir müssen jetzt sprechen oder auf ewig schweigen," rief endlichSir Nathaniel Rich, „es geziemt uns nicht, in einer solchen Gefahrruhig zu bleiben. Das Schweigen würde uns retten, aber den Königund den Staat ins Verderben stürzen. Laßt uns zu den Lords gehenund ihnen unsere Gefahr mittheilen, und dann zusammen dem Königeunsre Vorstellungen überreichen."
Plötzlich ging die Kammer von der Bestürzung zum Zorn über.Alle Mitglieder erhoben sich und sprachen verwirrt durch einander. „DerKönig ist gut," sagte Mr. Kirton, „so gut, wie irgend ein Fürst, dernur je regiert hat; die Feinde des Staats haben bei ihm die Oberhanderhalten, aber Gott wird uns hoffentlich Herzen, Arme und Schwertersenden, um den Feinden des Königs und unsrer selbst die Kehle abzu-schneiden." — „Es ist nicht der König." bemerkte der alte Coke, „son-dern der Herzog, der uns sagt: Bekümmert Euch nicht mehr um Staats-angelegenheiten."— „Das ist wahr, das ist wahr!" schrie man vonallen Seiten. Der Sprecher hatte seinen Stuhl verlassen, die Unord-nung wurde immer größer, ohne daß sie Jemand zu unterdrücken ver-sucht hätte, denn die Vorsichtigen wußten nichts zu sagen; der Zornist mitunter selbst in den Augen derjenigen, welche nie zornig werden,erlaubt.
Während die Kammer in dieser Aufregung auf die heftigsten Be-schlüsse sann, verließ sie der Sprecher heimlich und in der Eile, umdem Könige Bericht über das Uebel und die Gefahr abzustatten. DieFurcht verpflanzte sich aus der Kammer an den Hof. Am folgendenTage schon erläuterte eine mildere Botschaft diejenige, welche so vieleAufregung verursacht hatte, aber Worte waren nicht genug. Die Kam-mer blieb sehr bewegt, man unterhielt sich darin von, in BuckinghamsAuftrage bereits angeworbenen, deutschen Truppen, die man bald lan-den sehen würde; ein Mitglied behauptete, daß am Tage vorher zwölfdeutsche Offiziere in London angekommen seien und daß zwei englischeSchiffe den Befehl erhalten hätten, die Soldaten herüber zu bringen.Die Hilfsgelder waren noch nicht verwilligt. Karl und sein Günstlingfürchteten dem täglich mächtiger werdenden Zorne der Gemeinen länger