2. Buch.
Kurzes Parlament.
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Glauben wachen könne. Am Hofe und im Rathe sprach man lebhafterals je von Attentaten auf die Souveränetät u. s. w. Strafford sagte:„Man muß die Menschen wieder zu Verstände peitschen." Der Kriegwurde beschlossen. Wie sollte er aber geführt, welche neuen und plausi-bel» Gründe dafür dem Volke gegeben werden? Der Staatsschatz warleer, die Privatkaffe des Königs erschöpft, und die öffentliche Meinungschon mächtig genug, um, wie man glaubte, zu ihr sprechen, wenn auchnicht auf sie hören zu müssen. Der gesuchte Vorwand bot sich. Seitdem Anfange der Unruhen stand der Kardinal von Richelieu, mit demenglischen Hofe, wo der spanische Einfluß vorherrschte, unzufrieden, mitden Schotten in Verbindung. Er hielt bei ihnen einen Agenten, undhatte ihnen Geld und Waffen zukommen und im Nothfalle noch bedeu-tendere Unterstützungen versprechen lassen. Es wurde ein Schreiben dervornehmsten Führer der Covenanters, das die Adresse „4u Uoi" trug,offenbar an den König von Frankreich, den sie darin um Unterstütz-ung baten, aufgefangen. Karl und seine Räthe zweifelten nicht, daßdiese Berufung an einen fremden Fürsten, nach den Gesetzen Hochverrath,in England eben so große Entrüstung wie bei ihnen erregen würde undglaubten, daß dies genug sei, um dem ganzen Volke die Ueberzeugungvon der Rechtmäßigkeit des Krieges einzuflößen. In dieser Zuversicht,die das harte Joch der Nothwendigkeit verbergen mußte, wurde die Be-rufung eines Parlaments beschlossen, und in der Zwischenzeit, bis zu des-sen Zusammentritt ging Strafford zurück, nach Irland, um von diesemKönigreiche ebenfalls Hilfsgelder und Soldaten zu verlangen.
England erstaunte über die Nachricht, daß ein Parlament einberu-fen worden sei; es hatte die Hoffnung auf eine gesetzliche Reform auf-gegeben, und doch war dies die einzige, an welche es dachte. Wie großauch die Unzufriedenheit war, so hatte die Nation doch keine gewaltsameAbsicht; nur die Sektirer, an gewissen Orten der Pöbel und einige be-reits als Häupter aufkeimender Parteien compromittirte Männer nährtendüstere Leidenschaften oder ausgedehntere Pläne. Das Publikum hatteihren Widerstand gebilligt und unterstützt, aber ohne sich andern Plänenanzuschließen, selbst ohne ihnen dergleichen zuzuschreiben. Lang anhal-tendes Unglück hatte viele gute Bürger, wenn auch nicht über die Recht-mäßigkeit doch wenigstens über das Geziemende der Hartnäckigkeit unddes Enthusiasmus der letzten Parlamente in Zweifel versetzt. Man er-innerte sich ohne Tadel, aber mit Bedauern an die Rauhheit ihrer Spracheund die in ihnen vorgefallenen Excesse, und hoffte aus größere Klugheit.Unter dem Einflüsse dieser Stimmung ging aus den Wahlen ein demHofe abgeneigtes, zur Abhilfe der Beschwerdepunkte entschlossenes Un-terhaus hervor, in welchem sich alle Männer, die durch ihre Opposition