3. Buch.
Strafford's Anklage.
151
Nutzen sein, meine Gegenwart wird Eure Gefahren vergrößern und michmeinen Feinden in die Hände liefern. Ich bitte Euch, mir zu erlauben,fern zu bleiben; in Irland, bei dem Heere, oder wo Ihr sonst wollt, undwo ich Euch noch dienen und mich dem mich erwartenden Ruin ent-ziehen kann." — Der König antwortete ihm darauf: „Ich kann hierEure Rathschläge nicht entbehren und versichere Euch, so wahr ich Königvon England bin, daß Ihr keine Gefahr lauft und daß man kein Haarauf Euerm Kopfe krümmen wird." Strafford schwankte noch. Auf einezweite Einladung bot er aber dem Sturme, dem er sich aussetzen mußte.Trotz und reiste mit dem Entschlüsse ab, selbst auf neuerlich gesammelteBeweise hin, die Häupter der Gemeinen vor dem Oberhause anzuklagen,den schottischen Einfall hervorgerufen und unterstützt zu haben. Vondem ihnen drohenden Schlage benachrichtigt, kamen ihm Pym und dessenFreunde zuvor. Strafford langte am 9. Nov. in London an; den 10.wurde er durch Mattigkeit und Fieber im Bette festgehalten; am 11.ließ das Unterhaus seine Thüren schließen und klagte ihn auf Pym'sAntrag plötzlich des Hochverraths an. Nur Lord Falkland, selbst einFeind Strafford's, sagte, daß die Gerechtigkeit und die Würde der Kam-mer einigen Verzug und Untersuchung nöthig zu machen scheine. Pymantwortete aber: „Die geringste Zögerung kann Alles verderben, wennder Graf auch nur ein einziges Mal mit dem Könige spricht, so wirddas Parlament aufgelöst, übrigens ist das Unterhaus nur Ankläger undnicht Richter." Hierauf begab er sich, von einem Comite gefolgt, nachdem Oberhause, um diesem die Anklage vorzutragen.
Strafford befand sich in jenem Augenblicke beim Könige. Auf dieerste Nachricht begab er sich eiligst nach dem Oberhause, wo ihm Pymbereits zuvorgekommen war. Er fand die Thür geschlossen, klopfte lautan, schalt den Thürsteher, welcher ihm zu öffnen zauderte, zornig aus,und schritt durch den Saal, um sich aus seinen Sitz zu verfügen, alsihm mehrere Stimmen zuriefen, daß er sich entfernen solle. Der Grafblieb stehen, sah sich um und gehorchte, nachdem er sich einige Sekundenlang besonnen. Eine Stunde später zurückgerufen, befahl man ihm anLeu Schranken niederzuknieen und dort erfuhr er, daß das Haus di»Anklage der Gemeinen angenommen und auf deren Forderung beschlossenhabe, ihn nach dem Tower bringen zu lassen. Er wollte sprechen, wurdeaber nicht angehört und der Verhaftungsbefehl sofort ausgeführt.
Der Anklage Strafford's folgte die des weniger gesürchteten abernoch verhaßteren Laud auf dem Fuße. Dem eben so aufrichtigen alsharten Fanatiker warf sein Gewissen nichts vor, und er erstaunte überdie Verfolgung. „Kein Mitglied des Unterbautes," sagte er, „kann michim Grunde seines Herzens für des Hochverraths schuldig halten." Der